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Umfrage

17.01.2020

Viele Deutsche wollen auf Flugreisen verzichten – nur wenige tun es

Der Begriff 'Flugscham' bezeichnet das schlechte Gewissen, das immer mehr Menschen empfinden, wenn sie trotz des Wissens um den CO2-Ausstoß per Flugzeug verreisen.
Bild: Boris Roessler, dpa

Exklusiv Zahlreiche Deutsche würden auf Flugreisen verzichten, um das Klima zu schützen. Unsere Umfrage zeigt jedoch, dass nur die wenigsten diesen Plan auch umsetzen.

Mit Erstarken der Klimaschutzbewegung ist auch das Wort "Flugscham" in aller Munde: Der Begriff bezeichnet das schlechte Gewissen, das immer mehr Menschen empfinden, wenn sie trotz des Wissens um den hohen CO2-Ausstoß per Flugzeug verreisen.

In einer repräsentative Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Civey für unsere Redaktion geben 42 Prozent der Deutschen an, dass sie auf Flugreisen verzichten würden, um das Klima zu schützen. Für 49,5 Prozent kommt das hingegen nicht in Frage.

Wirklich umgesetzt haben diesen Verzicht jedoch deutlich weniger Deutsche, wie eine zweite repräsentative Civey-Umfrage für unsere Redaktion zeigt: Lediglich 29,3 Prozent der mehr als 2500 Befragten geben an, bereits auf Flugreisen verzichtet zu haben, weil sie das Klima schützen wollten. 70,7 Prozent haben sich diesbezüglich noch nicht eingeschränkt.

Flugscham: Grünen-Wähler am ehesten bereit, auf Flugreisen zu verzichten

Am höchsten ist die Bereitschaft aus Klimaschutzgründen auf Flugreisen zu verzichten unter Anhängern der Grünen, der Linken und der SPD. Hier gibt jeweils eine Mehrheit an, dies in Betracht zu ziehen. Am höchsten ist die Ablehnung dieser Idee unter Anhängern von AfD und FDP: Für jeweils rund drei Viertel der Befragten kommt nicht infrage, für die Umwelt aufs Fliegen zu verzichten.

Dieselben Tendenzen, wenn auch leicht verschoben, zeigen sich bei denen, die tatsächlich schon zugunsten des Klimas auf Flugreisen verzichtet haben. Etwa die Hälfte der Grünen-Wähler gibt an, bereits auf eine oder mehrere Flugreisen verzichtet zu haben. Bei Anhängern aller anderen Parteien ist die Anzahl derer, die trotzdem geflogen sind, höher als derjenigen, die verzichtet haben.

 

Kinder im Haushalt sorgen eher für Bereitschaft, auf Flugreisen zu verzichten

Die globale Fridays-for-Future-Bewegung, die sich für möglichst schnelle und effiziente Klimaschutz-Maßnahmen stark macht, geht vorrangig von Schülern und Studenten aus. Wenn Kinder im Haushalt leben, scheint die "Flugscham" stärker ausgeprägt zu sein: Umfrage-Teilnehmer, die mit Kindern zusammenleben, haben deutlich öfter schon für das Klima auf Flugreisen verzichtet. Mehr als jeder Dritte gibt an, bereits auf eine Reise per Flugzeug verzichtet zu haben. In Haushalten, in denen keine Kinder leben, ist es nur rund jeder Vierte.

Lesen Sie dazu auch: Rekordzahlen trotz Klima-Debatte: Wieso Flugscham den Allgäu Airport nicht stört

Das Meinungsforschungsinstitut Civey zählt für seine repräsentativen Umfragen nur die Stimmen registrierter und verifizierter Internetnutzer, die Daten wie Alter, Wohnort und Geschlecht angegeben haben. Die Stimmen werden nach einem wissenschaftlichen Verfahren gemäß der Zusammensetzung der deutschen Bevölkerung gewichtet. Für die Frage "Würden Sie auf Flugreisen verzichten, um das Klima zu schützen?" wurden im Zeitraum vom 18.10.19 bis 16.1.20 die Antworten von 2586 Teilnehmern aus Deutschland berücksichtigt. Der statistische Fehler liegt bei 2,8 Prozent. Für die Frage "Haben Sie schon auf Flugreisen verzichtet, weil Sie das Klima schützen wollten?" wurden im selben Zeitraum die Antworten von 2538 Teilnehmern aus Deutschland berücksichtigt. Der statistische Fehler liegt bei 2,6 Prozent.

Wir wollen wissen, was Sie denken: Die Augsburger Allgemeine arbeitet daher mit dem Meinungsforschungsinstitut Civey zusammen. Was es mit den repräsentativen Umfragen auf sich hat und warum Sie sich registrieren sollten, lesen Sie hier.

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17.01.2020

Wer fliegen will - fliegt eben. Für sich selbst erteilt man sich die Absolution - und das betrifft nicht nur das Fliegen. Sobald man selbst von irgendeiner Vorgabe betroffen ist, mutiert man von heilig (mit dem entsprechenden Schein) auf scheinheilig.
Wenn ich heuer in Urlaub fliegen will - dann fliege ich.

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17.01.2020

Haut aufs Kerosin einfach die gleichen Steuern drauf, wie beim Diesel. Dann wird da schnell was passieren.

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17.01.2020

Eine Anfrage der Presse beim Bundestag ergibt allerdings auch einen interessanten Einblick wen die Grünen Wähler in den Bundestag gewählt haben. Seit Beginn der Legislaturperiode bis zur Sommerpause 2019 hatten die Grünen Parlamentarier innerhalb von 2 Jahren pro Kopf 126 Flüge. Mit Abstand am meisten aller Parteien im Bundestag. Wenn man die Delegationsreisen noch abzieht und die abgerechneten Einzelreisen anschaut wird das noch viel schlimmer.
Auch interessant, im Sommer 2019 musste ich mit meiner Tochter nach Köln reisen. Vergleich der Kosten, mit der Bahn 400,- €, mit dem Flugzeug 150,- €. Dazu mit dem Flieger 100 % Pünktlich.

Mai 2019 bin ich mit dem Zug nach Dortmund, Rückreise 2x Zug defekt, ab der Hälfte der Strecke dadurch keine Sitzplatzreservierung mehr, wir waren ab Kassel im Gang gesessen. Kathastrophale Informationen durch die Bahn bei den Ausfällen.

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17.01.2020

Den Flugpreisen müssen endlich die wahren Kosten für die Schädigung der Umwelt und Steuern auf Flugbenzin aufgeschlagen werden, damit nicht noch weitere Startbahnen gebaut werden müssen.

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17.01.2020

Verzicht und Verbote sind keine nachhaltigen Lösungen.

Wir müssen diese Herausforderung durch technische Überlegenheit stemmen. EasyJet Arbeit z.B. ehrgeizig an Elektroflugeugen für die Kurzstrecke. Diverse Institute forschen an synthetischen, biologischen Substituten für Kerosin, die teils schon beigemischt werden.

Ich kann jeden nur ermuntern, statt bei irgendwelchen dubiosen Klimademos mit zu machen (hier gibt man die Verantwortung ab, in den man laut plärrt, die anderen sollen eine Lösung finden), lieber ein naturwissenschaftliches Studium zu absolvieren und so Lösungen für die Zukunft mit zu gestalten.

-> Eigenverantwortung übernehmen, statt mit Trillerpfeife und Plakaten einmal die Woche den ÖPNV lahm zu legen!

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17.01.2020

Auf die Straße zu gehen und zu demonstrieren hat doch das umdenken in Gang gesetzt.
Zu sagen das bringt alles nix ist halte ich für falsch.
Leider ist unsere Bundesregierung gelenkt von Lobbyisten...da ändert man natürlich leicht etwas, durch das nur die einfachen Bürger betroffen sind.
Die Stimme des Volkes ist aber dennoch etwas Wert und hat auch eine Wirkung auf die Regierung.
Das muss jeder selber mit seinem Gewissen ausmachen, ob man z.B. Inlandsflüge nutzt oder 3-4 mal im Jahr irgendwo hin fliegen muss.
Die besteuerung auf Kerosin wäre wohl das mindeste was hier von der Regierung kommen muss!

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17.01.2020

Das ist die Scheinheiligkeit.
Die meisten sind für Klimaschutz, aber nicht bei sich selbst.
Ich kann ja sowieso nichts bewirken und ausserdem will ich auf nichts verzichten !

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