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Umfrage
13.04.2022

Zwei Drittel halten Familie und Spitzenpolitik für nicht vereinbar

Familienministerin Anne Spiegel hatte am Montag ihr Amt niedergelegt.
Foto: Annette Riedl, dpa

Exklusiv Ein hoher Posten in der Politik und ein Privatleben: In den Augen vieler Deutscher geht beides nicht zusammen.

Ein hohes politisches Amt, eine Beziehung, Kinder oder Eltern, die Pflege bedürfen: All das unter einen Hut zu bringen, ist in den Augen vieler Deutscher nur schwer möglich. Denn zwei von drei Bundesbürgerinnen und Bundesbürgern halten Spitzenpolitik für eher familienfeindlich. Laut einer repräsentativen Civey-Umfrage für unsere Redaktion glauben 67 Prozent der Befragten nicht, dass sich auf den höchsten Ebenen der Politik Familie und Beruf gut vereinbaren lassen. In den Augen von 29 Prozent kann eben dies sogar auf keinen Fall gelingen. 22 Prozent sind dagegen der Ansicht, dass sich Privates und Professionelles gut kombinieren lassen. Elf Prozent sind unentschieden.

Das Gefühl, dass sich in der Spitzenpolitik Familie und Beruf nicht so recht zusammenbringen lassen, entsteht über Parteigrenzen hinweg. Laut Umfrage sind sich die Anhängerinnen und Anhänger aller im Bundestag vertretenen Parteien in dieser Annahme mehrheitlich einig. Auch über die verschiedenen Altersklassen hinweg gibt es diesbezüglich nur wenig Unterschiede.

Neu entbrannt war die aktuelle Debatte um die (Nicht-)Vereinbarkeit von Familie und Job in der Spitzenpolitik in der Diskussion rund um den Rücktritt von Anne Spiegel. Die nun ehemalige Familienministerin, die bis zum Antritt der Ampel die Umweltpolitik in Rheinland-Pfalz verantwortet hatte, war für ihr Krisenmanagement bei der Flut im Ahrtal scharf kritisiert worden. Kritik entzündete sich unter anderem an einem mehrwöchigen Frankreich-Urlaub, den Spiegel zehn Tage nach der Flut angetreten hatte. Spiegel führte in einem Statement zunächst familiäre Gründe an und verwies darauf, das ihr Mann 2019 einen Schlaganfall erlitten habe und ihre vier Kinder durch die Pandemie belastet gewesen seien. Wenige Stunden später trat sie zurück.

Den Rücktritt der Politikerin, die auch falsche Angaben bezüglich ihrer Teilnahme an Kabinettssitzungen einräumen musste, hält die große Mehrheit der Bundesbürgerinnen und Bundesbürger für richtig. In einer weiteren repräsentativen Civey-Umfrage für unsere Redaktion vertreten 73 Prozent der Befragten diese Ansicht. 59 Prozent sagen sogar, es sei eindeutig richtig, dass Spiegel ihr Amt niedergelegt habe. Anderer Meinung sind 17 Prozent der Befragten. Jede und jeder Zehnte ist unentschieden.

Begrüßt wird der Rücktritt der Grünen-Politikerin Spiegel auch im eigenen Lager. 48 Prozent der Wählerinnen und Wähler ihrer Partei halten diesen für richtig, 37 Prozent für falsch. Unter denen, die SPD, Union, FDP oder AfD nahestehen, geben jeweils mindestens sieben von zehn Befragten an, Spiegel habe richtig gehandelt, als sie in Folge der Vorwürfe ihr Amt zur Verfügung stellte.

Das Meinungsforschungsinstitut Civey zählt für seine repräsentativen Umfragen nur die Stimmen registrierter und verifizierter Internetnutzerinnen und -nutzer, die Daten wie Alter, Wohnort und Geschlecht angegeben haben. Die Stimmen werden nach einem wissenschaftlichen Verfahren gemäß der Zusammensetzung von Deutschlands Bevölkerung gewichtet. Für die Frage "Glauben Sie, dass sich Familie und Beruf in der Spitzenpolitik gut vereinbaren lassen?" wurden im Zeitraum vom 11.04. bis 12.04.2022 die Antworten von 5001 bevölkerungsrepräsentativ ausgewählten Bundesbürgerinnen und Bundesbürgern berücksichtigt. Für die Frage "Finden Sie es richtig oder falsch, dass Anne Spiegel vom Amt der Bundesfamilienministerin wegen der Affäre um ihren Urlaub nach der Flutkatastrophe zurückgetreten ist?" wurden im Zeitraum vom 11.04. bis 12.04.2022 die Antworten von 5011 bevölkerungsrepräsentativ ausgewählten Bundesbürgerinnen und Bundesbürgern berücksichtigt. Der statistische Fehler liegt jeweils bei 2,5 Prozent.

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13.04.2022

@Wolfgang b.
Bitte zeigen Sie mir, wie dies in der heutigen Zeit funktionieren soll.
Man geht Abends nach Hause und delegiert sich ins Bett.
Und da sind die eigenen Kinder und andere etwaige ehrenamtliche Aufgaben schon längst vergessen.
So viel zum Thema delegieren.

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13.04.2022

Natürlich sind beiden "Aufgaben" vereinbar. Das Zauberwort heißt DELEGATION. Jede Führungskraft, außer in einem 1-Mann-Unternehmen, hat die Möglichkeit Aufgaben zu delegieren.

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13.04.2022

Das heisst doch im Umkehrschluss: Männer sind familienfeindlich... Die schaffen das auch
Müsen halt die Männer zu Hause mal umdenken.
Auch in einer politisch verantwortlichen Position muss frau/man nicht immer und überall präsent sein.
Es sind doch die Mitarbeiterinnen da, die hauptsächlich den Laden im Griff haben

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13.04.2022

Männer/Frauen sind nicht familienfeindlich, sondern das System des Materialismus. Man und Frau leben in der Ehe die Parität, folglich kann dies in die Arbeitswelt übertragen werden !

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13.04.2022

Auch Familienfreundlichkeit könnte in der Politik organisiert werden!
Es ist aber leider nicht gewollt, egal wer Frau Anne Spiegel nachfolgen wird!

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13.04.2022

Es kommt dabei auch auf das Amt an. Wenn ein Amt große Anforderungen stellt, wird das so nicht funktioneiren. Auch der Bürger hat einen Anspruch, dass sein gewählter Verteter sich auf die Aufgaben konzentriert und einsetzt, sagt ja schon der Amtseid:
"Ich schwöre, daß ich meine Kraft dem Wohle des deutschen Volkes widmen, seinen Nutzen mehren, Schaden von ihm wenden, das Grundgesetz und die Gesetze des Bundes wahren und verteidigen, meine Pflichten gewissenhaft erfüllen und Gerechtigkeit gegen jedermann üben werde."
In der momentanen Situation ist da ein Einklagngmit der Familie schwer zu vereinbaren. Das sollte man auch abwägen, bevor man so ein Amt übernimmt.

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13.04.2022

Wenn man ein Spitzenamt bekleidet, noch dazu in so großer, verantwortlicher Position, muss man einfach Prioritäten setzen. Diese ewige "Getöse", Beruf und Familie zu vereinen, mag in normalen Berufen/Positionen möglich sein, wenn die Familie "mitspielt". Allein schon die Aussage von Baerbock: " Mütter können auch Kanzler", zeigt wie weltfremd diese Familie/Beruf Vereinbarung in wichtigen, verantwortlichen Positionen ist. Gerade in Situationen, welche momentan sehr aktuell sind, ist das schier unmöglich.
Meiner Meinung nach betrifft dies auch die Frauenquote: Der Bessere/Geeignetere soll/muss den Job bekommen und nicht, wer gerade die Quote erfüllt! Klar muss auch sein, dass die Bezahlung, egal welches Geschlecht man hat, gleich sein muss.

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13.04.2022

Sie meinen also, ein Mann mit Familie kann kein Spitzenamt inne haben?

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13.04.2022

Armes Deutschland. Wir hinken mal wieder hinter dem Rest Europas hinterher. In der heutigen Zeit ist es unglaublich dass man über die Vereinbarkeit von Beruf und Familie überhaupt noch diskutieren muss. Wenn wir als Politiker nur workoholics haben möchten, denen man das Recht auf Familie verwehrt, sind wir dann besser als die katholische Kirche mit dem Zölibat???? Dann müssen wir uns auch nicht wundern wenn dabei Menschen an die Macht kommen, die realitätsfremd unser Land regieren - die überhaupt nicht wissen was Familienleben bedeutet und demzufolge auch gar nicht wissen können wie das deutsche Volk lebt. Wollen wir das wirklich oder ist es nicht endlich auch in Deutschland Zeit zum umdenken?

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13.04.2022

Ich bin für Gleichberechtigung. Egal ob Frau oder Mann, wer so ein Amt hat braucht einen starken Partner der sich um die Familie kümmert. Gerade in Krisenzeiten ist volle Konzentration auf das Amt erforderliche. Da bleibt manchmal Null Zeit für die Beziehung und die Familie.

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