Lehrstellenoffensive

20.04.2018

Ein Detektiv am Computer

Oliver Seefried arbeitet bei der IT-Beratungsfirma Prodyna in Augsburg. Dort macht er eine Ausbildung zum Fachinformatiker für Systemintegration.
Bild: Ulrich Wagner

Vor einem Jahr hat Oliver Seefried die Ausbildung zum Fachinformatiker für Systemintegration begonnen. Nun hilft er anderen, ihre Technik-Probleme zu lösen.

Jemand, der befürchtet, er habe das Internet gelöscht, ruft bei Oliver Seefried an. Der 20-Jährige aus Jettingen im Landkreis Günzburg arbeitet bei der IT-Beratungsfirma Prodyna. Und hilft dort Kunden mit Computerproblemen.

Seefried berät auch am Telefon, wenn das E-Mail-Programm sich nicht öffnen lässt, der Speicherplatz auf dem Computer zu klein ist oder ein Kunde Zugriffsrechte auf Computer-Ordner eines Kollegen braucht, um mit ihm gemeinsam an einem Projekt zu arbeiten. Seit einem Jahr macht der Jettinger eine Ausbildung zum Fachinformatiker für Systemintegration bei Prodyna in Augsburg.

Hinter dem sperrigen Begriff verbirgt sich eine Art Detektiv für Computerfragen. Denn immer wenn ein Kunde ein Problem mit der Technik hat, kann er sich an Seefried und seine Kollegen wenden. Sie versuchen, Abhilfe zu schaffen. „Das macht mir eigentlich am meisten Spaß“, sagt der Azubi. „Ich muss von den Symptomen, die mir jemand am Telefon oder vor Ort erzählt, auf die Ursache des Problems schließen“, sagt er. Wenn er das schafft und die Lösung findet, stimmt ihn das froh.

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Doch Probleme lösen, ist nicht das Einzige, was Seefried lernt. Er ist gleichzeitig auch eine Art digitaler Architekt. Denn in seinem Beruf geht es auch darum, Computernetzwerke anzulegen und Serverstrukturen zu erstellen. „Das ist spannend, weil ich heute schon wissen muss, welche Dinge ein Kunde in zehn Jahren macht und welche technische Infrastruktur er dafür benötigt“, sagt Seefried. Dann muss er zum Beispiel herausfinden, wie viel Speicherplatz ein Firmennetzwerk wohl einmal benötigt, oder wer auf welche Programme und Ordner Zugriffsrechte haben muss, um seine Arbeit zu erledigen.

Ausbildung bei Prodyna

Der 20-Jährige hat seine Ausbildung bei Prodyna erst vergangenes Jahr angefangen. Doch schon jetzt darf er alleine zu Kunden fahren und sie beraten. Getroffen haben sich Seefried und sein Ausbilder Stefan Körner, der auch den Augsburger Standort von Prodyna leitet, zum ersten Mal bei einem Speed-Dating – natürlich einem für Azubis. Es funktioniert wie bei der Partnersuche auch, nur stellen sich hier nicht Männer und Frauen, sondern Lehrlinge und Ausbildungsbetriebe vor. Die jungen Menschen haben ein bestimmtes Zeitfenster, in dem sie mit unterschiedlichen Unternehmen zusammentreffen. In dieser Zeit versuchen beide Seiten, den anderen von sich zu überzeugen und sich kennenzulernen.

Als Seefried zum Stand von Prodyna kam, hat es – um im Bild zu bleiben – sofort gefunkt. „Ich war der Letzte, der an dem Tag drankam“, erinnert sich der Lehrling. Eine Dreiviertelstunde haben er und Körner miteinander gesprochen. Danach war klar: Seefried hat den Job. „Bei einem persönlichen Kennenlernen bekommt man einen viel besseren Eindruck vom Bewerber als nur über eine Bewerbungsmappe“, sagt Körner. „Man sieht sofort: Ist der Bewerber offen, ist er interessiert?“

Einarbeitung in viele andere Berufsfelder

Denn die beiden Eigenschaften sind in dem Beruf wichtig. Auch wenn man das auf den ersten Blick vermuten könnte, geht es in der Arbeit von Seefried nicht nur um Technik. „Das macht vielleicht 50 Prozent aus. Der Rest ist das echte Leben“, sagt Körner. Und meint: Ein Fachinformatiker für Systemintegration muss sich in ganz verschiedene andere Berufsfelder einarbeiten können.

Ausbilder Stefan Körner: „Nur ein Nerd zu sein, reicht nicht aus“

Mit seiner Arbeit bildet er Prozesse digital ab, die in so unterschiedlichen Branchen wie Altenpflege und Autobau stattfinden. „Nur ein Nerd zu sein, reicht nicht aus“, scherzt Körner. Trotzdem ist Seefried natürlich sehr an Computern interessiert. Im Haus seiner Eltern baute er eine Art Mini-Netzwerk, auf dem er ein Programm installierte, das eigenständig alle Werbung von Internetadressen filterte. „So muss man nicht auf jedes Gerät einen eigenen Werbeblocker aufspielen“, erklärt er zufrieden.

Nach der Realschule bewarb er sich nicht gleich um einen Ausbildungsplatz. Zunächst entschied er sich für eine reine schulische Ausbildung zum technischen Assistenten für Informatik. Rückblickend bewertete er diesen Schritt positiv. „Ich habe da viel Wissen mitgenommen, das ich jetzt gut gebrauchen kann.“ Das Spannende in der IT-Branche sei, dass sie sich so schnell entwickle, sagt Ausbilder Körner. Gleichzeitig sei das auch die Herausforderung. „Es kommt während der Ausbildung gar nicht so sehr darauf an, den Lehrlingen ein bestimmtes Wissen zu vermitteln. Es geht vielmehr darum, dass sie lernen, wie man lernt und wo man sich informieren kann.“ Denn nur so können sie sich auf die rasante IT-Zukunftvorbereiten.

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