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Marius Kusch
03.03.2021

"Darum lebe und trainiere ich in den USA"

Marius Kusch bereitet sich in San Diego auf die Olympischen Sommerspiele vor. Einer der vielen Pluspunkte dort: das Wetter.
Foto: Maximilian Haupt, dpa

In seinem ersten Blog-Eintrag erzählt Marius Kusch, warum er in den USA lebt. Das hatte erst mit der Uni zu tun, später dann mit seinem Trainer. Und das Wetter ist auch ganz okay...

Ich bin 2016 nach Amerika gegangen, weil ich das Studium und meinen Sport besser miteinander verbinden wollte. Ich war damals an der LMU in München eingeschrieben und habe dort BWL studiert. Die haben dort auch versucht, mir zu helfen. Das Problem ist halt, dass es an der Uni kein Sportsystem gibt. Die konnten keine Kurse für mich verschieben, wenn diese während meiner Trainingszeiten lagen. Also hat es mal geklappt, die Uni mit dem Sport zu verbinden, und mal nicht. Darauf hatte ich keine Lust mehr. Ich wollte beides auf höchstem Level machen. Und weil ich viele Freunde hatte, die das schon in den USA gemacht haben, war die Entscheidung dann relativ schnell gefallen.

Ich bin dann erst einmal mit einem Stipendium nach North Carolina an die Uni gegangen. Lustigerweise war dort auch mein jetziger Trainer David Marsh und trainierte mit seiner Profi-Truppe nach dem College-Training. Er hat mich also ab und beim Schwimmen beobachtet und hat gesehen, dass ich Potenzial habe. Er hat mich dann mal eingeladen, bei ihm mit zu trainieren und das wurde immer mehr. David Marsh ist dann nach San Diego gegangen und als ich mit der Uni fertig war, war klar, dass ich ihm folgen werde. Von Januar 2016 bis Mai 2019 habe ich meinen Bachelor in Finanzwesen absolviert und bin dann direkt nach San Diego umgezogen.

Road to Tokyo: Schwimmen als Fulltimejob

Seit dem Umzug nach San Diego konzentriere ich mich voll aufs Schwimmen. Die Uni hat allerdings sehr viel Spaß gemacht und der geistige Ausgleich fehlt mir manchmal. Ich setze mir deshalb immer kleine Projekte. Das neueste ist, Spanisch zu lernen. San Diego liegt nahe der mexikanischen Grenze und es wird sehr viel spanisch gesprochen. Also will es zumindest ein bisschen lernen und kann es dann auch gleich anwenden.

Als ich im College war, wurde sich um alles gekümmert. Trainingszeiten und Kurse haben sich nie überschnitten. Das ist perfekt. Ich konnte mir meinen Stundenplan wie einen Legobausatz zusammenbauen.

So läuft das Training in den USA

Das Training selbst unterscheidet sich ebenfalls sehr von dem Training in Deutschland. So genannte „leere Meter“ gibt es in meinem Training gar nicht. Mein Trainer David Marsh ist bekannt dafür, dass sein Training sehr intensiv ist und viele innovative Ansätze beinhaltet. Das kann auch so banal sein, dass er uns ein Video zeigt von einer Robbe, die aus dem Wasser springt. Er sagt dann, dass wir auch versuchen sollen, wie eine Robbe aus dem Wasser zu springen. Oft denkst du dir am Anfang. Okay, was soll das denn jetzt? Aber der Erfolg gibt ihm Recht.

Wir schwimmen sehr viele hohe Intensitäten – also also nicht besonders viele Kilometer. In Deutschland ist es meistens so, dass die Leute fragen: Wie viele Kilometer machst du in der Woche? Ich finde, da ist man zu versteift auf eine Zahl. Ob es jetzt 60 oder 80 Kilometer sind hat nicht so viel Aussagekraft. Das können ja auch 80 Kilometer sein, die mit einer schlechten Technik und lasch geschwommen wurden. Davon profitiert man nicht wirklich. Ich habe keine Ahnung, wie viele Kilometer ich mache. An manchen Tagen sind es wahrscheinlich nur drei. Aber dafür bewege ich mich extrem viel in wettkampfähnlichen Geschwindigkeiten. Und das ist der größte Unterschied zum Training in Deutschland und Europa. Die Trainingsqualität ist extrem hoch. Ich habe zum Beispiel nie eine Serie dabei, die einfach nur aus 10x200 Kraul besteht. Bei uns gibt es immer zu allen Serien Aufgaben.

Schwimmtraining in den USA: So sieht das Drumherum aus

In einem Profi-Team läuft es so, dass ich meinen Schwimmtrainer selbst zahle. Ich zahle außerdem meinen Krafttrainer, meinen Physio, die Miete, das Auto, die Lebensmittel. Da kommt jeden Monat ein sehr ordentlicher Betrag zusammen. Ich würde das natürlich gerne über Sponsoren finanzieren, aber ich habe keine. Die Begeisterung ist leider nicht so groß, wenn es um den Sport Schwimmen oder Einzelsport ganz generell geht. Ich muss also meine Ersparnisse von Wettkämpfen aufbrauchen und meine Eltern helfen mir.

Ich habe acht Trainingseinheiten im Wasser, dreimal die Woche Kraft und zweimal noch Stabi-Training. Dazu kommt regelmäßig Physiotherapie und ich gehe noch zu einem Chiropraktiker. Und weil wir momentan auch noch 35 Minuten zum Bad mit dem Auto fahren müssen ist das alles zusammen ein Fulltimejob. Am Freitag klingelt zum Beispiel der Wecker um 5.15, um 6.15 fahren wir los. Wir trainieren das erste Mal von 7 bis 8.30 Uhr. Gegen 9.30 bin ich wieder zuhause. Dann fahre ich zum Krafttraining von 13 bis 14.45. Von dort gehts direkt weiter zum Schwimmbad. Dort schwimmen wir von 15.30 bis 17.30 und ich bin gegen 18.30 wieder zuhause. Da brauchst du dann nichts mehr.

Ich wohne hier in einer WG mit Jacob Heidtmann und Dylan Carter aus Trinidad und Tobago, die ebenfalls schon für Tokio qualifiziert sind. Es ist unheimlich cool, dass wir alle das gleich Ziel haben.

Road to Tokyo: So sehen die nächsten Wochen aus

Ab nächster Woche geht es rund. Ich fliege erst nach San Antonio (Texas) und schwimme dort einen Wettkampf. Dann bin ich wieder eine Woche in San Diego, ehe es für drei Wochen nach Teneriffa ins Trainingslager geht. Von dort fliegen Jakob und ich nach Stockholm auf einen Wettkampf, und dann weiter nach Berlin zu den Olympic Trials. Wir sind zwar schon für Tokio qualifiziert, aber die Staffelplätze werden noch vergeben. Außerdem will ich versuchen, mich neben den 100 Meter Schmetterling auch noch über die 100 Freistil zu qualifizieren.

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