Dass der 1. FC Heidenheim in seine dritte Bundesliga-Saison in Folge gehen wird – daran hätte beim Aufstieg des Klubs von der Ostalb wohl kaum jemand besonders viel Geld gesetzt. Auch in der vergangenen Saison hatte zwischenzeitlich wenig darauf hingedeutet, dass der FCH noch die Kurve kriegen könnte. Anfang März war Heidenheim erstmals in der noch jungen Bundesliga-Historie Letzter. Am Ende standen 29 Punkte und der Klassenerhalt in der Relegation.
Welche Spuren hat die vergangene Saison hinterlassen? Wohl noch nie hat eine Spielzeit so viel von den Heidenheimern abverlangt. Wegen der Teilnahme an der Conference League und an der Relegation geriet die Saison zu einem Marathon. In der Summe waren es 48 Pflichtspiele, die auf dem Programm standen. Nur Topteams wie der VfB und Frankfurt (je 49), Leverkusen (50), der BVB (55) und der FC Bayern, der infolge der Klub-WM 56 sogar Spiele absolvierte, waren häufiger im Einsatz. Ein physischer und emotionaler Tribut, der auch von Trainer Frank Schmidt einiges an Substanz forderte, wie er nach der erfolgreichen Relegation sagte: „Es ging darum, den Glauben aufrechtzuerhalten, obwohl man selbst sehr kaputt war.“
Welches Gesicht hat der Heidenheimer Kader in der neuen Saison? Ein – zumindest nach jetzigem Stand – sehr ähnliches wie in der Vorsaison. Die größte Änderung betrifft das Tor und hat durchaus Sprengkraft: Die BVB-Leihgabe Diant Ramaj soll den langjährigen Stammkeeper Kevin Müller ablösen. Patrick Mainka, der in beiden Bundesliga-Saisons keine Sekunde verpasst hatte, wird Kapitän bleiben. Der große Umbruch wie vor einem Jahr, als mit Kleindienst, Beste und Dinkci gleich drei Leistungsträger den Klub verließen, bleibt bislang aus. Aktuell haben nur die beiden Bayern-Leihgaben Paul Wanner und Frans Krätzig den Klub verlassen. Dazu wechselt Routinier Norman Theuerkauf als U15-Trainer ins NLZ des Klubs. Als bislang einziger Neuzugang steht bisher ein weiterer Leihspieler der Münchner fest: Der 19-jährige Offensivspieler Arijon Ibrahimovic soll nach Leihstationen bei Frosinone und Lazio Rom nun auf der Ostalb den viel zitierten nächsten Schritt machen. Zudem kehrt Mikkel Kaufmann nach seiner Leihe vom KSC zurück.
Was spricht denn für einen Heidenheimer Klassenerhalt? Heidenheim dürfte bei vielen Tipprunden genannt werden, wenn es um mögliche Absteiger geht – zumal mit dem Hamburger SV und dem 1. FC Köln zwei Klubs wieder erstklassig sind, die nicht als klassische Aufsteiger gelten und viel Geld umsetzen. Heidenheim setzt auf die Konstanz, die den Klub auch schon in der Vergangenheit ausgezeichnet hat: Die sportliche Leitung um Vorstandschef Holger Sanwald und Trainer Frank Schmidt steht außerhalb jeder Kritik, auch in Krisenzeiten. Derart viele Spiele wie in der Vorsaison wird es nicht mehr geben. Dazu kommt: So mancher FCH-Profi hat erst im zweiten Jahr voll funktioniert. Kandidaten für einen Leistungssprung sind der Österreicher Mathias Honsak und Leo Scienza, der schon in der Relegation der entscheidende Mann war. Am Brasilianer soll der 1. FC Köln aber stark interessiert sein.
Was muss besser werden? Vor allem die Heimbilanz. Jahrelang holte Heidenheim den Großteil seiner Punkte im eigenen Stadion. In der vergangenen Spielzeit waren es kümmerliche elf Punkte, die am Schlossberg blieben. An den Fans kann es nicht liegen: Die Voith-Arena war in allen Heimspielen ausverkauft, auch in den schlechten Phasen gab es keine Pfiffe gegen das eigene Team. Dass zu Hause großer Nachholbedarf besteht, weiß auch Kapitän Mainka, wie er dem Kicker sagte: „Dass der Schlossberg wie in den Jahren zuvor wieder zur Festung werden muss, ist uns allen mehr als bewusst.“
Um kommentieren zu können, müssen Sie angemeldet sein.
AnmeldenSie haben noch kein Konto? Kostenfrei registrieren