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Motorsport

03.06.2020

Biker mit Maske: Das Coronavirus bremst den AMC Haunstetten aus

Die ersten Trainingsläufe mit seinem neuen Beifahrer Richard Köhler absolvierte AMCH-Gespannfahrer Markus Brandhofer.
Bild: Michael Hochgemuth

Noch nie hat das Training des Augburger Motorsportvereins so spät begonnen wie in Corona-Zeiten. Der Verein hofft, dass sich die Lage bis zur 70-Jahr-Feier im September normalisiert.

Nirgendwo im Sport passt die obligatorische Mund-Nasen-Bedeckung besser ins Bild als bei den Trainingsläufen der Sandbahnfahrer im Haunstetter Stadion. Da schützt die Maske nicht nur vor dem Coronavirus, sondern gleich noch vor den aufwirbelnden Staubschwaden, die über die Sportanlage hinwegziehen, sobald die Motorsportler mit ihren Maschinen durch die Kurven driften. Die Fahrer, die zum ersten Mal in diesem Jahr auf der Bahn trainieren dürfen, sind heilfroh, wieder in den Rennmodus schalten zu können, und halten sich penibel an die Schutzregeln, die der Augburger Motorsportvereins Haunstetten (AMC) in Abstimmung mit der Stadt Augsburg ausgegeben hat.

„Wir sind in Süddeutschland die erste Bahn, die ein Training machen darf, wahrscheinlich als Zugeständnis für unser 70-jähriges Vereinsbestehen in diesem Jahr“, sagt Erich Scheunemann, Vorsitzender des AMC Haunstetten. Mit den Auflagen können er, sein Organisationsteam und seine Gäste gut leben. Nur 25 Motorsportler sind am Trainingstag zugelassen und haben ihre Trailer vorschriftsgemäß weit auseinander im Fahrerlager geparkt.

AMCH-Vorsitzender Erich Scheunemann trägt die vereinseigene Mund-Nase-Bedeckung.
Bild: Michael Hochgemuth

Wegen des Coronavirus gibt es keine Zuschauer auf der Rennbahn

Die Mund-Nase-Bedeckung ist Pflicht, sobald der Mindestabstand nicht mehr eingehalten werden kann, Zuschauer sind nicht zugelassen. Was Scheunemann zwar sehr bedauert, aber nicht ändern kann. Wichtig sei nun erst einmal, dass die Fahrer überhaupt wieder Rennpraxis sammeln dürfen. „Alle sind heiß aufs Fahren, aber auch total verständnisvoll. Alle halten sich an die Spielregeln“, lobt er seine Gäste, die aus ganz Bayern angereist sind.

Während die Saison normalerweise im April beginnt, sitzen die meisten der Fahrer nun erstmals nach einer fast sechsmonatigen Pause wieder auf ihren Maschinen. So auch Franz Greisel, das mit 79 Jahre derzeit älteste und immer noch sehr aktive Mitglied des AMC Haunstetten. „1968 habe ich auf der Augsburger Bahn die erste Runde gedreht“, erzählt der Oldie, der nach einigen Unfällen eine Rennpause gemacht hat, mit 60 Jahren dann aber zum Motorsport zurückgekehrt ist. Seitdem haben ihn Leidenschaft und Ehrgeiz wieder vollgepackt.

Noch ein bisschen älter als sein Verein: Mit 79 Jahren ist Franz Greisel das älteste Mitglied des AMC Haunstetten. Weil er im vergangenen Jahr die Europameisterschaft der Oldiefahrer gewonnen hat, fährt er nun mit der Startnummer eins.
Bild: Michael Hochgemuth

Mit Frau und dem ebenfalls motorsportbegeisterten Sohn Richard, der eigentlich lieber Eisspeedway fährt, ist Greisel von Marktoberdorf nach Haunstetten gekommen. Senior und Junior wollen Sandbahn-Feeling genießen und sich ans Motorrad und die Fahrmanöver zu gewöhnen. Schließlich hat Greisel senior einen Ruf zu verlieren. Im vergangenen Jahr gewann er die Europameisterschaft der Oldies und ist stolz darauf, in der neuen Saison als internationaler Titelverteidiger geführt zu werden. „Ich würde es wirklich sehr genießen, noch einmal mit der Nummer eins zu starten. Doch leider wird es ausgerechnet in diesem Jahr wohl gar keine Rennen geben“, bedauert Greisel, wie sehr das Coronavirus die Bahnsportler ausgebremst hat.

Keine Rennen erlaubt: Das Training auf der Sandbahn läuft ins Leere

Auch AMCH-Mitglied Markus Brandhofer hat Aufholbedarf. Der Gespannfahrer hat in Richard Köhler einen neuen Beifahrer gefunden. Doch am Haunstetter Trainingstag muss sich das Gespann erst einmal zusammenfinden. „Eigentlich hätten die beiden schon sechs Rennen hinter sich, aber so ist das nun der erste Fahrversuch. Sie müssen erst einmal schauen, wie es geht“, sagt Erich Scheunemann, der als ehemaliger Gespannfahrer genau weiß, wie schwer man sich auf den ersten gemeinsamen Trainingsrunden tut. Wofür die Fahrer trainieren, ist allerdings unklar. Noch sind keine Rennen erlaubt, die sportliche Vorbereitung läuft also ins Leere.

Ähnlich wie auch die Vorbereitungen des AMC Haunstetten für seine Feierlichkeiten rund um das 70-jährige Bestehen des Vereins in diesem Jahr. Im September, erzählt Vorsitzender Scheunemann, wolle man eigentlich ein großes Sommerfest mit Renntag, Livemusik und Bewirtung organisieren. Ob und wie die Feierlichkeiten wirklich realisiert werden können, steht noch in den Sternen. Die gelungene Organisation des Trainingsauftakts im Haunstetter Stadion lässt Scheunemann aber optimistisch auf den September blicken. „Wir hoffen sehr, dass wir das Jubiläumsfest durchführen können.“ Dass sie Auflagen der Behörden umsetzen können, haben die Mitglieder des AMCH ja schon unter Beweis gestellt.

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