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Bundesliga
07.08.2018

Vorbild Premier League: Schließt das Transferfenster früher?

Die Saison 2018/2019 beginnt mit dem deutschen Rekordmeister Bayern München.
Foto: Peter Kneffel (dpa)

In England schließt am Donnerstag das Transferfenster. Auch einige Bundesligisten befürworten ein früheres Ende der Wechselfrist. Vom „Betrug am Zuschauer" ist die Rede.

Wer sich jüngst ein Bayern-Trikot von Jérôme Boateng gekauft hat, könnte sich ziemlich ärgern. Der Abwehrspieler des deutschen Meisters steht vor einem Wechsel zu Manchester United. Boateng wird nicht der letzte Fußballprofi sein, der sich kurzfristig einem anderen Klub anschließt – auch wenn die Saison bereits laufen könnte. Vor allem Leihgeschäfte sind unmittelbar vor Transferende beliebt.

Wann schließt das Transferfenster?

International werden Fristen unterschiedlich gehandhabt. Während in England die Wechselperiode am Donnerstag endet, bleiben den Managern der Bundesligisten noch knapp vier Wochen, um ihre Kader anzupassen. Gemeinsam mit Frankreich, Österreich oder den Niederlanden schließt Deutschland das Transferfenster erst am 31. August. Die Bundesligasaison läuft zu diesem Zeitpunkt bereits.

Wie wirkt sich ein Transferschluss nach Saisonbeginn aus?

Je nachdem, ob im folgenden Jahr ein großes Turnier ansteht, beginnt die Spielzeit in der Bundesliga im Sommer zuvor früher. Teilweise schließt das Transferfenster daher erst drei Wochen nach Saisonstart. Das ärgert nicht nur Trikotkäufer, die die Aktualität einholt, manch einer sieht darin eine Wettbewerbsverzerrung. Unter anderem deshalb hatte sich Uefa-Präsident Aleksander Ceferin in der Vergangenheit für eine kürzere Transferfrist ausgesprochen. Der Slowene erklärte: „Es ist seltsam, dass die Saison beginnt, du für einen Klub spielst und dann wechseln kannst und einfach für den nächsten spielst. Das ist nicht gut für den Wettbewerb.“ Was Manager mitunter schätzen: Sie können auf Verletzungen wichtiger Akteure kurzfristig reagieren.

Warum endet in England die Wechselfrist so früh?

Im September vergangenen Jahres stimmte die Mehrheit der Premier-League-Teilnehmer dafür, die Transferperiode vor dem ersten Ligaspieltag enden zu lassen. Zahlreiche Trainer hatten sich über Wechsel nach Saisonbeginn beschwert, weil so die Kaderplanung erheblich beeinträchtigt werde. Unter anderem erklärte der damalige Arsenal-Trainer Arsène Wenger: „Jeder Trainer in der Liga würde zustimmen, das vor Saisonbeginn zu klären, um nicht Spieler in der Kabine sitzen zu haben, die schon zur Hälfte weg sind.“ In England besteht jetzt besagte Klarheit, am Donnerstag ist Schluss, am Freitag startet die Saison. Wechsel von englischen Klubs ins Ausland sind aber noch möglich.

Welche Meinungen vertreten die Bundesligisten?

Im vergangenen Sommer wurde die Länge der Transferfrist heiß diskutiert. Hans-Joachim Watzke von Borussia Dortmund wählte deutliche Worte: „Die Fans freuen sich im Sommer, auf Deutsch gesagt, nicht auf die ganze Transferscheiße, sondern auf Fußball. Wenn die Liga losgeht, muss es nur noch um Fußball gehen“, hatte der BVB-Geschäftsführer gesagt. Mönchengladbachs Sportdirektor Max Eberl sprach gar von „Betrug am Zuschauer, wenn er Dauerkarten kauft und plötzlich sind die besten Spieler weg.“ Augsburgs Manuel Baum schilderte die Vorteile aus Trainersicht: „Du hast deine Mannschaft zusammen, und die Spieler haben nicht mehr irgendwelche anderen Dinge im Kopf.“ Sein Manager Stefan Reuter freut sich, dass jetzt in England früher Klarheit herrscht: „Damit wird die Gefahr kleiner, dass ein Klub nochmal einen millionenschweren Vorstoß wagt.“

Liga-Präsident Reinhard Rauball macht sich für eine Transfer-Revolution in Europa stark und kritisiert den „Rein-raus-Tourismus“ der Profis.
Foto: Arne Dedert, dpa (Archiv)

Plädieren alle Bundesligisten für ein früheres Ende der Frist?

Nein, es gibt auch kritische Stimmen. So wünschte sich Hannovers Manager Horst Heldt mehr Zeit, Markt und eigene Mannschaft zu beobachten. „Wenn viele Klubs in kurzer Zeit suchen, überhitzt der Markt und treibt Preise in die Höhe“, begründete Heldt. Für finanziell schwächere Klubs kann ein längerer Zeitraum von Vorteil sein, Spieler sind womöglich günstiger zu haben, nachdem sich Topklubs auf dem Markt bedient haben.

Welche Position vertrat bisher die Deutsche Fußball-Liga (DFL)?

Vor einem Jahr sorgte Liga-Präsident Reinhard Rauball für Schlagzeilen. Er machte sich für eine Transfer-Revolution in Europa stark und kritisierte scharf den „Rein-raus-Tourismus“ der Profis. Rauball erhoffte sich eine Signalwirkung, wenn nach England mit Deutschland eine zweite führende Fußballnation die Frist verkürzt. Rauball wollte die Neuregelung umsetzen und in einer DFL-Mitgliederversammlung darüber abstimmen lassen. Bewirkt hat er bisher aber nichts, auch in diesem Jahr schließt das Transferfenster am 31. August.

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