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Confed Cup
29.06.2017

Der Ältere unter den Jungen

Emre Can hat das Turnier in Russland als persönlichen Härtetest begriffen – und so spielt er auch. Zum Halbfinale gegen Mexiko hat er sich in seine Wunschposition hochgespielt

Manchmal kommt sich im Teamhotel der deutschen Fußball-Nationalmannschaft selbst der junge Emre Can schon ziemlich alt vor. „Dann gucke ich mich um und sehe Spieler wie Benny Henrichs, die noch mal drei Jahre jünger sind als ich“, erzählte er in Sotschi. Zur Erinnerung: Emre Can, Fußballprofi des FC Liverpool, ist erst 23 Jahre alt und hat noch nicht mehr als 13 Länderspiele bestritten. Er hätte in diesem Jahr sogar noch bei der U21-EM mitspielen dürfen.

Zwei Nationalmannschaftsgenerationen früher hätte jemand in diesem Alter noch die Bälle auf den Trainingsplatz schleppen müssen und die Trinkflaschen gleich dazu. Beim Confederations Cup in Russland aber ist Can schon einer der erfahrenen Spieler in jenem Perspektivteam, das heute (20 Uhr/ARD) gegen Mexiko um den Einzug ins Finale spielt. Wahrscheinlich wird er auch gegen Mexiko neben Sebastian Rudy im zentralen defensiven Mittelfeld spielen. Das war schon gegen Chile so und beim 3:1 gegen Kamerun gleich noch mal. Seinen gewachsenen Stellenwert in der Nationalmannschaft erkennt man auch daran, dass Can jetzt auf seiner Wunschposition im Zentrum spielen darf und kein Aushilfs-Außenverteidiger mehr ist wie noch zu Beginn seiner Länderspiel-Karriere. Seine Kampfkraft, seine Widerstandsfähigkeit und seine Führungsqualitäten kommen dort am besten zum Tragen. Nach dem 1:1 gegen Chile meinte sein Vereinstrainer Jürgen Klopp: „Er ist ein Topspieler, das kann man nicht anders sagen.“

Emre Can ist ein sehr ehrgeiziger und zielstrebiger Typ. Das verrät sein Blick auf den von vielen noch immer belächelten Confed Cup genauso wie sein bisheriger Karriereweg. Schon mit zwölf Jahren wechselt er aus der Jugendabteilung von Eintracht Frankfurt zum FC Bayern. Als er in München nicht weiterkommt, lässt er sich zu Bayer Leverkusen transferieren. Nach nur einem Jahr nutzt er gleich die erste Chance zu einem Karrieresprung ins Ausland. Seit 2014 spielt er für den FC Liverpool. „Ich habe in diesen drei Jahren sehr viel gelernt. Ich habe mehr Erfahrung auf dem Platz, bin härter in den Zweikämpfen geworden.“

Mit der gleichen Klarheit begreift er auch den Confed Cup als Chance. „Ich muss ganz ehrlich sagen: Meine besten Spiele habe ich bislang nie für die Nationalmannschaft gemacht“, räumte er ein. „Deshalb sehe ich dieses Turnier als Möglichkeit, mehr Spielzeit zu kriegen und mich auf großer Bühne zu beweisen.“ In keinem anderen Mannschaftsteil ist das Gedränge im deutschen Team mittlerweile so groß wie im zentralen defensiven Mittelfeld. Die Weltmeister Toni Kroos und Sami Khedira gelten dort immer noch als gesetzt. Doch als Konkurrenten empfehlen sich allein bei diesem Turnier in Russland schon Sebastian Rudy, Leon Goretzka und eben Can. Dazu zieht es auch Joshua Kimmich langfristig von der rechten Seite ins Zentrum des Spiels zurück. Und der hochtalentierte, aber zurzeit verletzte Julian Weigl von Borussia Dortmund ist ja auch noch da.

Sollten die Deutschen ihr Halbfinale heute gegen Mexiko gewinnen, wartet auf Can und Co. im Endspiel am Sonntag die Mannschaft Chiles. Die Südamerikaner setzten sich in ihrem Halbfinale mit 3:0 nach Elfmeterschießen durch. Dabei gelang den Portugiesen das Kunststück, nach 120 torlosen Minuten auch im abschließenden Elfmeterschießen den Ball kein einziges Mal im Tor unterzubringen. Chiles Keeper Claudio Bravo hielt alle drei Schüsse. Die Portugiesen indes wandeln offenbar auf den Spuren der Engländer (siehe Randbemerkung). In der Vorrunde hatten sich die Deutschen 1:1 von Chile getrennt. (dpa)

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