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Coronavirus

13.03.2020

Coronavirus stürzt Formel 1 ins Chaos: Saisonstart erst im Juni?

Hier bereitet das Mercedes-Team das Rennauto des britischen Formel-1-Fahrers Hamilton für das Rennen vor. Das wurde nun abgesagt.
Bild: Chris Putnam/ZUMA Wire/dpa

Infolge eines Coronavirus-Falls beim McLaren-Team wird der Saisonauftakt abgesagt - aber erst nach heftigem Widerstand. Es herrscht Chaos.

Vor dem Ausbruch des Coronavirus-Chaos entwischten Sebastian Vettel und Lewis Hamilton im Eiltempo aus Melbourne. Nach einer nächtlichen Krisensitzung infolge des ersten Positivtests im Fahrerlager bei einem McLaren-Mitarbeiter und dem Rückzug des englischen Traditionsteams rang sich die Formel-1-Führung zur Absage des Auftaktrennens in Australien durch.

Da saßen die Superstars Vettel und Hamilton längst im umgebuchten Flieger. Mit stundenlangem Schweigen handelten sich die Bosse Kritik an ihrem Krisenmanagement ein und stehen bei der Kalender-Architektur vor einem Rätsel. Selbst der Grand Prix von Aserbaidschan am 7. Juni in Baku als möglicher Saisonstart gilt nicht mehr als ausgeschlossen.

Der Nachholtermin für China ist noch offen

"In den nächsten Tagen werden wir uns natürlich mit den vor uns liegenden Events befassen", versicherte Formel-1-Boss Chase Carey, der nach einem Gipfeltreffen zur Rettung der Grand-Prix-Premiere am 5. April in Hanoi aus Vietnam eingeflogen kam. Die Pandemie lässt das Fernost-Rennen aber mittlerweile genauso unwahrscheinlich erscheinen wie den Grand Prix von Bahrain am 22. März. Das China-Event am 19. April wurde längst verschoben. Nachholtermin? Offen.

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"Ich habe Finanzkrisen und Dramen erlebt", sagte Formel-1-Sportchef Ross Brawn am Freitag, "dieses Ausmaß im Moment ist aber immens." Nicht zuletzt die Beschränkung für Massenveranstaltungen auch in Europa schürt auch Zweifel an den Grand Prix in den Niederlanden, Spanien und Monaco. Daher kommt Aserbaidschan ins Spiel. "Wir haben Pläne, die Saison wieder aufzubauen, und wir versuchen, so viele der verlorenen Rennen wie wir nur können unterzubringen", erklärte Brawn, der frühere Technikchef bei Michael Schumachers Ferrari-Team.

Angesichts von Sperrzonen in Europa war der Aufbruch der Formel 1 ans andere Ende der Welt auch von Skepsis begleitet. Der Expansionsdrang kollidierte spätestens mit dem ersten Coronavirus-Fall in der Serie. Ein Angestellter im McLaren-Rennstall des deutschen Teamchefs Andreas Seidl hatte sich mit dem Virus Sars-CoV-2 infiziert, das die Lungenkrankheit Covid-19 verursachen kann. Das Team aus Woking, das später 14 neue Verdachtsfälle meldete, trat auf die Notbremse und zog sich als Vorsichtsmaßnahme vom Grand Prix zurück.

"Ich war die ganze Nacht wach. Wir hatten so viele Angelegenheiten abzuarbeiten", bemerkte Brawn, der mit dem Motorsport-Weltverband Fia, dem lokalen Veranstalter, medizinischen Behörden und auch den Teamchefs diskutierte. Dauerweltmeister Mercedes, Red Bull, Alpha Tauri und Racing Point wollten bei einem ersten Meeting noch unbedingt ins Grand-Prix-Wochenende mit den ersten Trainings am Freitag starten. Vettels Ferrari, Alfa Romeo und Renault - dazu noch das zurückgezogene McLaren - waren dagegen. Haas mit vier Verdachtsfällen und Williams waren unentschieden.

Chase Carey ist der Chef der Formel 1.
Bild: Michael Dodge/AAP/dpa

Die Fronten waren verhärtet. Am Freitagmorgen strömten die Fans schon an den Albert Park Circuit, vor den verschlossenen Toren bildeten sich Schlangen. Nach langer Warterei und Ungewissheit wurden die zunehmend verärgerten Besucher mit Megafonen über die Absage des Events informiert. Im Fahrerlager packten derweil die ersten Teams zusammen, unter anderen Vettel und auch Hamilton reisten ab. Der Premier des Bundesstaates Victoria, in dem Melbourne liegt, Daniel Andrews, verkündete währenddessen, dass im Fall einer Austragung des Saisonauftakts keine Fans erlaubt wären.

In einem Brief bat Mercedes stellvertretend für die Teams Formel 1 und Regelhüter um die Absage des Rennens, da man sich um die Unversehrtheit seiner Mitarbeiter sorge. "Eine Anhäufung von Fakten hat zu der Entscheidung geführt", meinte Carey, der im weißen Hemd und blauen Turnschuhen vor die Medien trat. "Sehr schwierige, sich stetig verändernde Situationen" habe man bewerten müssen.

"Wir alle wollen in unsere Autos und Rennen fahren, aber wir müssen realistisch sein"

Den Bundesstaat Victoria trifft die Absage hart. Rund 60 Millionen australische Dollar, umgerechnet rund 35 Millionen Euro, überweist man Formel-1-Besitzer Liberty Media pro Jahr für das Event. Nach den Buschfeuern und Überschwemmungen ist nun die Streichung infolge der Coronavirus-Pandemie der nächste Tiefschlag für den Tourismus.

"Wir alle wollen in unsere Autos und Rennen fahren, aber wir müssen realistisch sein und die Gesundheit sowie Sicherheit an erste Stelle setzen", befand Titelverteidiger Hamilton. "Die Realität sieht so aus, dass es wirklich ernst ist, wo doch Menschen jeden Tag sterben und viele Menschen krank sind." Die Formel 1 hat versucht, sich der Pandemie zu widersetzen, ist aber letztlich gescheitert.

"Auto, Motor und Sport" zufolge dürften alle Teams mit ihren Rennmannschaften nach der Rückkehr in die Heimat erstmal freiwillig in Quarantäne gehen. Am 30. März sollen sie dann wieder an die Arbeit gehen können. Wann es wieder auf den Asphalt geht? Ungewiss. "Das sind herausfordernde Zeiten", sagte Carey. (dpa)

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