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Biathlon-Heim-Weltcup

17.01.2019

Dahlmeier beste Deutsche - Doll in Ruhpolding Dritter

Neunte beim Sprint in Ruhpolding: Laura Dahlmeier.
Bild: Matthias Balk, dpa

Laura Dahlmeier quält sich in Ruhpolding auf Platz neun. Nach einer Erkältung habe sie sich auf der Strecke sehr müde gefühlt.

Laura Dahlmeier freute sich unheimlich auf den heutigen Freitag. Weil an diesem Tag die Biathletinnen in Ruhpolding die Ski und das Gewehr im Container lassen und ausspannen können. „Erholung steht für mich im Vordergrund“, sagte die Garmisch-Partenkirchnerin nach einem der schwierigsten Rennen ihrer Karriere. „Ich habe mich selten so brutal plagen müssen“, erzählte die mittelgut gelaunte Athletin nach ihrem neunten Platz im Weltcup-Sprint über 7,5 Kilometer von Ruhpolding.

Auf die Siegerin Anastasija Kuzmina aus der Slowakei hatte die Deutsche am Ende knapp 48 Sekunden Rückstand und war weit vom Podest entfernt. Gleich hinter Dahlmeier lief Franziska Preuss auf den zehnten Platz. Denise Herrmann, Franziska Hildebrand und Karolin Horchler auf den Rängen 17 bis 19 runden ein ordentliches Ergebnis für den Deutschen Ski-Verband (DSV) ab.

Für Dahlmeier und Frauen-Trainer Florian Steirer ging es nicht in erster Linie ums Gewinnen, sondern auch um Rehabilitation. Die Skijägerinnen wollten ihren über Jahre erarbeiteten guten Ruf verteidigen. Denn im Weltcup kurz nach Jahresbeginn in Oberhof hatten die deutschen Frauen ein Debakel erlebt. Die Abhängigkeit von der erkrankten Spitzenkraft Dahlmeier wurde überdeutlich. Im Sprint landete als beste Deutsche Karolin Horchler auf dem 34. Platz, was die Verantwortlichen als eine „absolute Katastrophe“ einstuften. „Wenn du Tag und Nacht arbeitest und dann die Ergebnisse nicht kommen, dann denkst du dir: Das kannst du dir sparen“, sagte Trainer Steirer.

Biathlon-Weltcup: Alle Hoffnungen langen auf Laura Dahlmeier

Alle Hoffnungen ruhten deshalb gestern in der mit 11.500 Zuschauer nur zur Hälfte gefüllten Chiemgau-Arena auf der zweifachen Olympiasiegerin, die nach einer Erkältung über die Feiertage pausiert hatte. Es ist sportlich ihr schwierigstes Jahr. In Ruhpolding nahm sie erst ihr drittes Weltcup-Rennen der Saison in Angriff. Durchaus mit großen Erwartungen. „Ich habe mich genauso wie die Zuschauer gefreut, wieder zurück zu sein. Ich habe mich vor dem Rennen richtig gefreut, bin gestartet und am ersten Berg habe ich gespannt: Boah die Haxn sind heut‘ richtig blau“, erzählte die Garmisch-Partenkirchenerin im Originalton Süd. Aber sie lieferte selbst sofort die Übersetzung in Hochdeutsch: „Ich habe mich ganz schön müde gefühlt.“

Mit dieser Erkenntnis legte sie sich eine komplett neue Taktik zurecht und lief nicht mehr auf Sieg: „Wenn es im Laufen nicht so geht, ist es umso wichtiger, dass am Schießstand sauber gearbeitet wird. Das ist mir gelungen und ich bin stolz darauf, da mit Null wegzugehen. Das nehme ich als Positives vom heutigen Rennen mit.“

Sowohl im Liegen wie auch im Stehen räumte sie alle Scheiben ab, schon in allen Trainings davor in Ruhpolding hatte sich Dahlmeier lediglich einen Fehlschuss geleistet. Dennoch: Im nacholympischen Winter kämpft die beste deutsche Skijägerin mit gesundheitlichen Problemen. Nach einem Sturz vom Mountain-Bike plagte sie eine Infektion. Bei den ersten beiden Weltcup-Starts in Nove Mesto landete die siebenmalige Weltmeisterin 2017 auf Platz zwei im Sprint und Rang fünf in der Verfolgung.

Nächstes Frauen-Rennen vom Biathlon-Weltcup am Samstag

Rang neun im Heimrennen ist dennoch kein Rückschritt wie auch Uschi Disl glaubt. „Laura fehlt die Wettkampf-Erfahrung, um wieder in Schwung zu kommen. Sie hat viel Potenzial. Und um sich auf die Weltmeisterschaft vorzubereiten hat sie alle Zeit der Welt“, sagt die 48-jährige zweifache Olympiasiegerin, die mit ihrem Mann Thomas Söderberg und beiden Kindern im schwedischen Mora lebt. Disl glaubt an Dahlmeier: „Ich traue Laura alles zu, sie hat so eine breite Basis, dass sie das wegstecken kann.“

Als Rückschlag will die 25-Jährige ihre schwächste Saison-Platzierung nicht einstufen: „Es ist eine neue Erfahrung. Vielleicht geht es im nächsten Rennen ein bisschen leichter.“

Das nächste Frauen-Rennen startet am Samstag. Um 14.30 Uhr steht die Frauen-Staffel auf dem Programm. Am Sonntag (14.40 Uhr) folgt zum Abschluss der Massenstart der Frauen. „Im Schießen habe ich sehr viel Sicherheit, das nehme ich mit. Vielleicht ist das der kleine Schritt“, sagt die Garmisch-Partenkirchnerin nach ihrer Weltcup-Premiere im Jahr 2019. Denn eigentlich zählt sie in der Loipe zur Weltspitze. Davon ist auch Florian Steirer überzeugt. „Laura ist ein Rennpferd, wie es kaum ein anderes gibt“, sagt der Frauentrainer über sein Aushängeschild, das auch im Formtief die beste deutsche Platzierung holt. Gestern fand Steirers bestes Pferd im Stall nicht in den Galopp, weil die „Haxn richtig blau“ waren.

Benedikt Doll zeigte sich in starker Verfassung

Benedikt Doll strotzt derweil vor Kraft. Der Weltmeister präsentiert sich wie schon in Oberhof in starker Verfassung. Und wenn der letzte Schuss im Ziel gelandet wäre, hätte es sogar zum Sieg gereicht. Nach dem Fehler drehten sich seine Gedanken aber gar nicht um den vergebenen möglichen zweiten Weltcupsieg seiner Laufbahn. "Ich habe an unseren Trainer gedacht. Mark (Kirchner) dachte sicher: Mensch, könnt ihr nicht mal den letzten Schuss treffen", sagte Doll schmunzelnd: "Ich bin super zufrieden."

Fehlerfrei hätte er Überflieger Johannes Thingnes Bö geschlagen. Doch am Ende fehlten 10,5 Sekunden auf den achtmaligen Saisonsieger aus Norwegen. Zweitbester Deutscher wurde Johannes Kühn auf Rang sieben. Olympiasieger Arnd Peiffer schaffte es auf Platz 22. Verzichten musste das Team auf den formschwachen Massenstart-Weltmeister Simon Schempp. Erik Lesser fehlt nach der Geburt seiner Tochter Anouk in Ruhpolding.

Dritter beim Spring in Ruhpolding: Benedikt Doll.
Bild: Matthias Balk, dpa

Die Männer peilen derweil am Freitag in der Staffel in der Besetzung Roman Rees, Kühn, Peiffer und Doll einen Podestplatz an. "Wir tun uns hier zwar immer etwas schwer, aber das Podium ist unser Ziel", sagte Peiffer.

Vom Schneechaos und dem Katastrophenfall - erst am späten Mittwochabend stand die Austragung des Weltcups fest - war in der WM-Arena von 2012 am Fuße des Zirmbergs nichts zu spüren. "Es waren wirklich perfekte Bedingungen. Ich hätte aber auch verstanden, wenn der Weltcup abgesagt worden wäre", sagte die mit Platz zehn ebenfalls gut agierende Preuß. (mit dpa)

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