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Nationalmannschaft

07.10.2019

Das DFB-Team als Sorgen-Camp

Joachim Löw muss gegen Argentinien und Estland einige Ausfälle verkraften.
Bild: Christian Charisius, dpa

Vor dem Länderspiel gegen Argentinien trägt fast jeder der Nationalspieler seine Sorgen mit sich herum. Wirkt das Nationalteam wieder als Wohlfühl-Oase?

Wann immer der Tross der Nationalspieler in  Dortmund zu Gast ist, lädt der Verband zu Pressekonferenzen ins Deutsche Fußballmuseum. Zwischen Relikten aus vergangenen Schlachten doziert Joachim Löw, wie er gedenkt, den kommenden Gegner zu bespielen. Götzes rechter WM-Schlappen (auch wenn ihm das Tor mit dem linken Fuß gelang). Oder des Kaisers Franzens Kleider. Auf ein Exponat aber müssen die Besucher seit der Eröffnung 2015 verzichten: Ein Flakon, in dem sich jener Geist der Nationalmannschaft befindet, der aus Fußlahmen Könner macht.

Miroslav Klose fuhr den Großteil seiner Karriere in einem Zustand zur Auswahl der besten Kicker seines Landes, der eher einen Therapiehund schlüssig erscheinen ließ, als das Vorhaben, gegen die besten Verteidiger der Welt auf Torejagd zu gehen. Klose ging als WM-Rekordschütze in Fußballer-Rente. Oder Podolski, der in den letzten Jahren seiner Karriere aus recht unerfindlichen Gründen immer und immer wieder von Löw nominiert wurde. Und der aus noch viel unerfindlicheren Gründen doch noch häufig traf. Die Nationalmannschaft als Wohlfühloase. Irgendwo zwischen Wellness-Wochenende, Aktivurlaub und Gesprächstherapie.

Deutschlands Torhüter Manuel Neuer (l) und Marc-Andre ter Stegen.
Bild: Christian Charisius/dpa

Ter Stegen spielt zwar herausragend, auf ihm lastet aber ein erhöhter Druck

Löw wird vor den Duellen gegen Argentinien am Mittwoch (20.45 Uhr, RTL)  und am Sonntag in Estland (20.45 Uhr, RTL) wieder auf die Wirkung des Adlers auf der Brust hoffen. Selten versammelte er in der Vergangenheit derart viele Spieler um sich, die sorgengeplagt anreisen. Marc-André ter Stegen, dessen Klub FC Barcelona in dieser Saison kaum überzeugte und auf dem wegen der unsinnigerweise geführten Torwart-Diskussion erhöhter Druck lastet.

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Der kolossige Niklas Süle war zuletzt Nebendarsteller zweier höchst unterhaltsamer Spiele des FC Bayern. Was die beiden Partien eint: Sowohl gegen Tottenham als auch gegen Hoffenheim kassierten die Münchner zwei Tore. Eine mäßige Quote als Innenverteidiger. Aber immer noch besser als jene von Jonathan Tah, der bei Leverkusen um seinen Stammplatz bangen muss und sich bei der Champions-League-Niederlage gegen Turin äußerst patzig angestellt hatte.

Marco Reus ist genervt von der Dortmunder Mentalitätsdebatte

Marco Reus macht derzeit den Anschein, als hätte er nach der entschiedenen Verneinung eines Mentalitätsproblems tatsächlich eher Schwierigkeiten mit der Qualität. Und weil auch Julian Brandt derzeit ebenso bemüht wie unglücklich über die Plätze der Republik läuft, muss sich die argentinische Defensive nicht allzu sehr vor ihren Gegenspielern fürchten.

Dortmunds Reus sieht die derzeitige Formkrise des BVB unter anderem im harmlosen Ballbesitzspiel begründet.
Bild: Patrick Seeger/dpa

Dazu noch Kai Havertz, dem eben zwangsläufig das passiert, was einem 20-Jährigen nach einer überragenden Saison so passiert: Er kann die Form nicht komplett halten. Ilkay Gündogan, der mit Manchester City schon in der Frühphase die Chancen auf die Titelverteidigung in England verspielt und nun auch noch mit muskulären Problemen anreist.

Vom derzeitigen deutschen Tabellenführer befindet sich übrigens kein Spieler im Kader, Matthias Ginter kugelte sich gegen den FC Augsburg die Schulter aus und muss längere Zeit pausieren. Der Tabellenzweite aus Wolfsburg hat keinen deutschen Spieler, der Löws Ansprüchen genügt.

Die Form aber ist für Löw seit jeher eher nachrangig entscheidend für die Nominierung. Er vertraut lieber auf den speziellen Geist der Nationalmannschaft. In Flaschen abfüllen lässt sich der aber nicht. Sonst hätte das Fußballmuseum ein Exponat, das noch mehr wert wäre als Trikots und Schuhe.

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