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Fußball

20.01.2019

Der neue HSV-Präsident Marcell Jansen tritt ein schweres Erbe an

Marcell Jansen wurde zum neuen Präsidenten des Hamburger SV gewählt.
Bild: Axel Heimken (dpa)

Nach acht Monaten hat der Hamburger SV wieder einen Präsidenten: Marcell Jansen. Der Ex-Nationalspieler ist in Hamburg nicht unumstritten.

Der Hamburger SV e.V. hat nach achtmonatiger Vakanz wieder einen Präsidenten. Der Ex-Profi Marcell Jansen wurde am Samstag bei der HSV-Jahreshauptversammlung mit 799 zu 489 Stimmen, die sein Kontrahent Ralph Hartmann erhalten hatte, gewählt. Ex-Präsident Jürgen Hunke hatte seine Kandidatur kurz zuvor zurückgezogen. Er würde dieses "Ehrenamt für den Breiten- und Amateurport gerne annehmen", sagte der 33-Jährige Jansen, zudem sein Bestes geben, damit AG-Vorstand und Aufsichtsrat künftig "Hand in Hand" zusammenarbeiten.

Seit die Fußballabteilung 2014 ausgegliedert wurde, ist der Großverein mit seinen 87.000 Mitgliedern und 35 Sportabteilungen mit 76,19 Prozent der Anteile zwar Hauptanteilseigner der AG und kontrolliert diesen über einen Sitz im Aufsichtsrat mit, doch die AG waltet operativ selbstständig. Hier spielt also die große Musik, beim momentanen Fußball-Zweitligisten, der insgesamt 85,4 Millionen Euro Verbindlichkeiten angehäuft hat.

Der Hamburger SV e.V. hat wieder einen Präsidenten. Neuer Chef des 87.000 Mitglieder starken Großvereins ist der ehemalige Fußballer Marcell Jansen.
Bild: Axel Heimken (dpa)

Ins operative Geschäft will sich Jansen beim HSV nicht einmischen

Als e.V. Präsident ist Jansen automatisch Mitglied des Kontrollgremiums, in dem er seit Februar 2018 sowieso schon einen Platz innehat. Anders als in seinen Interviews zuvor, vermied es der 45-fache Nationalspieler, der mit 29 Jahren seine aktive Profilaufbahn beendet hatte, davon zu sprechen, sich direkt ins operative Geschäft einzumischen. Das "sportliche Gewicht im Aufsichtsrat", werde mit seiner Expertise und dem neuen Amt im Rücken zwar "anders gestellt", so Jansen. Doch Jansen betonte auch: "Die operativen Entscheidungen trifft der Vorstand."

Auch wenn der als Spieler schon beliebte Jansen die Claqueure zuvor schon bei seiner stimmigen, aber sehr glatten Wahlrede auf seiner Seite hatte, trügt der Schein, hier wurde eine neue Machtarithmetik bestimmt. Als Jansen hernach seinen neuen Einfluss beschrieb, stand der große Boss nur wenige Meter entfernt. AG-Vorstandschef Bernd Hoffmann brauchte nicht die Zähne zu fletschen, es gab keine Antipoden im Saal, stattdessen herrschte viel Eintracht. Jansen gilt, bei allem Selbstbewusstsein, das er demonstriert, zwar als Hoffmann-treuer Vasall, doch eine Wahlempfehlung habe er nicht aussprechen wollen, so der 55-jährige Strippenzieher, dessen Macht im Verein sich im bahnbrechenden Tempo bündelte, seit er im Mai 2018 wieder Vorstandschef wurde. "Ich freue mich, dass die Versammlung in dieser Atmosphäre stattgefunden hat", sagte Hoffmann.

Ordnet dem Wiederaufstieg des Hamburger SV alles unter: Vorstandschef Bernd Hoffmann.
Bild: Daniel Reinhardt (dpa)

Vorstandschef Hoffmann: "Wie haben eine schwierige, aber keine desolate Situation"

Im Bericht des Vorstandes der Fußball-AG hatte Hoffmann zuvor erklärt, keine Visionen über die Situation des HSV in den nächsten fünf Jahren entwerfen zu wollen. "Es gibt keinen wirtschaftlichen Zwang zum Aufstieg", sagte er. "Wie haben eine schwierige, aber keine desolate Situation." Dabei hat der HSV in den letzten acht Geschäftsjahren ein Gesamtminus von 66 Millionen Euro angehäuft. Nun gestand Finanzchef Frank Wettstein, im ersten Zweitliga-Jahr nach dem Abstieg werde es für die Fußball-AG wirtschaftlich noch enger: "Wir werden ein zweistelliges Millionen-Minus erwirtschaften." Hauptgrund seien die fehlenden Erlöse aus der TV-Vermarktung, erklärte Wettstein, die sich über fünf Jahre auswirken würden.

Ex-Präsident Jürgen Hunke wurde in seiner Rede massiv ausgebuht

So hatte Jürgen Hunke in den Wochen zuvor medienwirksam sogar vor einer Insolvenz gewarnt. Der 75-Jährige wurde bei seiner holprigen Rede massiv ausgebuht, zog dann seine Kandidatur ohne Murren zurück. Er wirkte gar zufrieden und machte glaubhaft, dass er lediglich den Finger in die Wunde habe legen wollte, schließlich würde der Gesamtverein bei einem Kollaps der AG ebenfalls massiven Schaden nehmen. Die beste Rede hielt aber Hartmann, der zwischen 2015 und 2018 Schatzmeister des HSV gewesen war.

Desolate Finanzen: Der HSV braucht mal wieder eine Fan-Anleihe

Doch am Ende konnte sich der positive Jansen-Hype gegen ein auch kritisches Regulativ aus der Finanzwelt durchsetzen. Pokerface Hoffmann, der zwischen 2001 und 2011 schon einmal HSV-Boss gewesen war, hatte im Februar 2018 in einem staatsstreichartigen Akt den alten Präsidenten, Hafen-Chef Jens Meier, und dessen Team, dem Hartmann auch angehört hatte, abgelöst. Wenig später wechselte er zur AG, zunächst kommissarisch, seit September hauptamtlich über.

Wie schlimm es um die HSV-Finanzen bestellt ist, macht auch deutlich, dass die Fußball-AG erneut eine neue Fananleihe auflegt.

So soll die in diesem Jahr fällige Anleihe aus dem Jahr 2012 in Höhe von 17,5 Millionen Euro als neues Produkt auf weitere sieben Jahre gestreckt werden. Der Verein hofft, dass viele Gläubiger ihre Anteile umwandeln, der Zinssatz beträgt sechs Prozent. Von 2022 an will der Verein jährlich zehn bis maximal 25 Prozent des ursprünglichen Nennbetrags tilgen. Wettstein negierte aber eine drohende Zahlungsunfähigkeit der AG, sprach stattdessen von einer Bankkreditlinie von elf Millionen Euro als stille Reserve, um für das anstehende Lizenzierungsverfahren gewappnet zu sein. Im Vergleich zur AG konnte der e.V. die Jahresbilanz mit einem Plus von 65.000 Euro abschließen.

Am Ende eines langen Versammlungstages erhielt das neue Präsidium um Jansen noch den Auftrag, die Verkaufsobergrenze von 24,9 Prozent der AG-Anteile in die Satzung des Vereins einzufügen. Zuvor war ein Antrag des Supporters Club hierzu angenommen worden. Es ist anzunehmen, dass dieses Thema noch nicht final zu Ende diskutiert wurde.

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