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Deutsche Mannschaft
22.03.2019

Spiel gegen Niederlande: Noch darf Joachim Löw in Ruhe arbeiten

Bundestrainer Joachim Löw und seine Mannschaft müssen zeigen, dass der Umbruch Erfolge bringt.
Foto: Swen Pförtner, dpa

Dem Bundestrainer wurde nach dem WM-Debakel eine Bewährungszeit gegeben. Gegen die Niederlande müssen er und die Spieler liefern, sonst drohen stürmische Zeiten.

Besser hätte die Planung nicht sein können. Wer hier nicht zur Ruhe findet, muss entweder ein Leben als Eremit in den Alpen führen oder sich – belegt mit einem Schweigegelübde – ins Kloster zurückziehen. Niedersachsen. Wolfsburg. Eine Stadt, deren Charme mit dem Adjektiv spröde noch wohlwollend beschrieben ist. Genau richtig, um dieser sich im Umbruch befindenden Mannschaft das zu gönnen, was für ihre Entwicklung am wichtigsten ist: Ruhe.

Die Mannschaft von Bundestrainer Joachim Löw hätte ja auch schon am Donnerstag oder Freitag dorthin übersiedeln können, wo die nächste Aufgabe parat steht. Aber Amsterdam? Das einzige, was dort beruhigend wirkt, steht im Kontrast zu den Dopingrichtlinien.

Von sieben Partien nach der WM gewann Deutschland nur zwei

In Amsterdam aber steht am Sonntag jenes Spiel an, das darüber entscheidet, ob Löw auch die kommenden Partien in relativer Ruhe angehen kann. Dem Bundestrainer wurde nach der WM eine Bewährungszeit eingeräumt. Der DFB gewährte ihm Zeit und Gestaltungsfreiraum, die deutsche Mannschaft wieder in die Weltspitze zu führen. Das erste Zwischenfazit fiel ernüchternd aus. Dem Abstieg aus der Nations League wurde zwar keine allzu große Bedeutung beigemessen, dass die Deutschen dort aber keine einzige Partie gewannen, stimmte nachdenklich. Löw legte nach und verabschiedete Mats Hummels, Jerome Boateng sowie Thomas Hummels aus der Nationalmannschaft. Wille zur Erneuerung ist ihm also keinesfalls abzusprechen. Mit Willen allein Spiele zu gewinnen, war aber den Briegels und Kohlers vorbehalten.

Von den sieben Partien seit diesem vermaledeitem russischen Sommer hat Löw nur zwei gewonnen - gegen die nicht als fußballerische Großmächte bekannten Russen und Peruaner. Das 1:1 gegen Serbien am Mittwoch nährte allenfalls in homöopathischer Dosis die Hoffnung auf baldige Besserung.

Nun steht am Sonntag das erste Spiel der EM-Qualifikation in den Niederlanden an (20.45 Uhr, RTL). Sollte Löws Team ähnlich naiv auftreten wie bei der 0:3-Niederlage im vergangenen Oktober, ist es endgültig vorbei mit der Wolfsburger Ruhe. Dann werden die Fragen nach einer wie auch immer gearteten Weiterentwicklung virulent und letztlich stünde auch die Eignung Löws, den Wiederaufbau zu organisieren, zur Diskussion.

Wie lange hält Reinhard Grindels Treuebekenntnis?

Bis sich die deutsche Mannschaft nämlich wieder mit einem Gegner misst, der als angemessen gilt, einen Fortschritt erkennen zu lassen, vergeht ein halbes Jahr. Im Juni stellen sich mit Estland und Weißrussland Gegner im Kampf um die EM-Tickets entgegen, die wohl auch Müller, Boateng, Hummels, Khedira und Gomez vor keine großen Probleme stellen würden. Erst im September bekommen es die Deutschen wieder mit einem starken Gegenüber zu tun: Den Niederländern. Mal wieder.

Würde DFB-Präsident Reinhard Grindel aber so lange seine schützende Hand über Löw halten, falls das sonntägliche Spiel offenbart, dass all die eingeleiteten Veränderungen noch nicht greifen? Nirgendwo wird schneller ein Treuebekenntnis aufgehoben als im Sport und in der Politik. Grindel war lange Zeit Bundestagsabgeordneter.

Den Niederländern jedenfalls ist nicht daran gelegen, Löws Mannschaft besonders zuvorkommend zu begegnen. Sie verpassten sowohl die vergangene Welt- wie auch Europameisterschaft, brauchen also selbst immer noch Siege, um sich wirklich wieder als vollwertiges Mitglied des Fußballadels zu fühlen. Auf dem Weg dorthin sind sie freilich weiter als die Deutschen. Ronald Koeman übernahm im Februar 2018 als Trainer das Team vom zurückgetretenen Dick Advocaat. Mit vielen jungen Spielern und in aller Ruhe scheinen die Niederländer den Umbruch geschafft zu haben. Davor aber mussten sie erst zwei Turniere zuschauen. Das immerhin ist den Deutschen bislang erspart geblieben.

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