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Kanuslalom

11.08.2020

EM trotz Corona? Große Ungewissheit bei den Augsburger Kanuten

3, 2, 1 - Start: Für Augsburgs Kanu-Asse geht endlich die Wettkampfsaison los. Canadierfahrer Sideris Tasiadis äußert Bedenken im Hinblick auf die steigenden Corona-Fallzahlen.
Bild: Duöan Hein, dpa

Plus Augsburgs Kanuten bereiten sich auf EM im September vor. Corona sorgt jedoch für Ungewissheit. Bundestrainer Pohlen denkt darüber nach, auf den Start zu verzichten.

Endlich Licht am Ende des Tunnels: Die internationale Kanuslalom-Saison startet im September mit den Europameisterschaften in Prag. Außerdem sind im Herbst noch Weltcups in Slowenien und Frankreich geplant. Bei Augsburgs Top-Kanuten schwingt neben der Freude auf hochkarätige Wettkämpfe auch ein wenig Skepsis mit, ob die Veranstaltungen tatsächlich wie geplant stattfinden können. Chefbundestrainer Klaus Pohlen äußert Bedenken hinsichtlich der Infektionsgefahr für seine Sportler. Diese sehnen sich nach der wettkampffreien Zeit danach, wieder starten können. Auch wenn in diesem Jahr alles anders ist.

"Nach der Olympiaverschiebung habe ich die Saison eigentlich abgeschrieben", sagt Weltmeister Hannes Aigner. Normalerweise wäre der 31-Jährige gerade am Höhepunkt der Saison im Einsatz, bei den Olympischen Spielen in Tokio. Dafür wollte er in bester Verfassung sein, darauf hatte er seit vier Jahren seine Trainingspläne ausgerichtet. Durch die Verschiebung der Olympischen Spiele auf das Jahr 2021 fehlte ihm nun der Fokus, weil seit März aufgrund der Corona-Pandemie alle Wettkämpfe sowohl national als auch international abgesagt wurden. Er habe "ein bisschen weniger gemacht, um noch mal Energie und Motivation für das kommende Jahr zu sammeln". Die Wettkampfpraxis sei für ihn aber trotzdem bedeutend, um eine gute Basis für die nächsten sportlichen Herausforderungen zu schaffen. Denn am Ende des Sommers muss er erneut die Vorbereitung auf die Olympischen Spiele starten.

Ricarda Funk in Aktion.
Bild: Michaela Øíhová/CTK (dpa)

Ricarda Funk konzentrierte sich auf ihre technischen Fähigkeiten

Ähnlich ergeht es Vize-Weltmeisterin Ricarda Funk. Auch sie fuhr ihr Trainingspensum nach dem Aufschub von Olympia herunter und konzentrierte sich hauptsächlich auf die Verbesserung ihrer technischen Fähigkeiten im Wildwasser. Die Sportsoldatin nimmt die anstehende Europameisterschaft in Prag dennoch als Höhepunkt ernst. Im Sport gehe es nun mal darum, Wettkämpfe zu bestreiten: "Am Ende tue ich alles dafür, damit ich an der Startlinie stehen darf."

Sideris Tasiadis, dem Weltranglistenersten im C1 von Kanu Schwaben Augsburg, fiel es schwer, sich in den letzten Monaten im Training zu verausgaben: "Ohne Wettkämpfe ist es schwierig, den Leistungssport zu betreiben, weil man nicht die Ziele vor sich hat." Nach der Weltmeisterschaft im September im vergangenen Jahr, bei der er die Qualifikation für die Olympischen Spiele verpasst hatte, konnte der 30-Jährige bisher noch keinen Wettkampf absolvieren. Die Zeit habe er genutzt, um einen riskanteren Fahrstil zu entwickeln, um enger an die Torstäbe zu fahren. Dadurch könne er Weg und kostbare Zeit einsparen. Die Europameisterschaft will er nutzen, um seine Leistung zu bestätigen und an seiner Bronze-Medaille aus dem letzten Jahr anknüpfen. Auch bei ihm liegt jedoch der Fokus bereits auf dem nächsten Jahr. Tasiadis will bei der EM 2021 in Italien seine letzte Chance nutzen, sich für Tokio zu qualifizieren.

Ob die internationalen Wettkämpfe wie geplant stattfinden, steht noch nicht fest. Die European Canoe Association (ECA) hält aber nach wie vor an den Wettkampfterminen fest. Chefbundestrainer Klaus Pohlen zeigte sich einerseits hoffnungsvoll, da internationale Wettkämpfe für die Sportler enorm wichtig seien: "Es wird immer schwieriger, die Sportler auf diesem hohen Trainingsniveau mit hohen Trainingsumfängen und -intensitäten zu halten, wenn sie keine kurzfristigen Ziele haben." Eine lange Vorausplanung reiche nicht aus. "Man will sich ja für etwas, was man sich erarbeitet hat, auch belohnen." Gerade der internationale Vergleich sei für die Athleten entscheidend, um zu wissen, woran sie in der nächsten Saison arbeiten müssen.

Klaus Pohlen ist Chef-Bundestrainer im Kanuslalom.
Bild: Fred Schoellhorn (Archivbild)

Chefbundestrainer Pohlen hat wegen der Corona-Pandemie Bedenken

Andererseits hat Pohlen auch Bedenken. Denn in Prag war am vergangenen Wochenende die tschechische Olympiaqualifikation mit Zuschauerscharen und vollen Tribünen ausgerichtet worden. "Das hat mich schon irritiert und auch ein bisschen entsetzt." Deshalb erwartet der Deutsche Kanu Verband (DKV) bei der EM im September ein Hygienekonzept des Veranstalters, das Teilnehmer und Zuschauer schützt. Sollte ein solcher Plan nicht vorliegen, wäre es denkbar, dass der DKV seine Sportler zu Hause lässt. "Unter den Voraussetzungen kann ich mir nicht vorstellen, dass wir an einer Europameisterschaft teilnehmen", betont Pohlen. Interne Gespräche sollen nun für Klarheit sorgen. Auch den anderen Nationen geht es so. Wie Uta Büttner, Mediensprecherin des DKV, bekannt gab, werden die Briten und die Slowaken wohl nicht an der Meisterschaft teilnehmen.

Kanute Tasiadis sieht die Ausrichtung so großer internationaler Veranstaltungen im Kontext der Pandemie ebenfalls kritisch: "Ganz richtig ist es nicht, dass die Wettkämpfe stattfinden, aber wir Einzelsportler sind froh, dass wir nach so langer Zeit überhaupt irgendwie einen Wettkampf bestreiten können." Er sieht Schwierigkeiten bei der Unterbringung der Athleten auf dem Veranstaltungsgelände und bei der Organisation der Zuschauer.

Am EM-Standort Tschechien herrscht derzeit ein niedriges Ansteckungsrisiko. Die Sicherheitsbeschränkungen wurden allerdings stark gelockert. Somit gibt es aktuell keine Maskenpflicht oder Mindestabstand – seit Anfang Juli haben sogar die Nachtclubs wieder geöffnet. Verschiedenen Medienberichten zufolge gab es in Prag vergangene Woche bereits einen Corona-Hotspot in einer Diskothek mit mehr als 100 Infizierten. Nachrichten, die die Slalom-Kanuten nicht beruhigen.

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