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Abschied

18.03.2019

Felix Neureuthers letzte Fahrt

Sektdusche im Ziel: Teamkollegin Viktoria Rebensburg begießt Felix Neureuther.
Bild: dpa

Der erfolgreichste deutsche Alpinfahrer hat nach 16 Jahren seine Karriere beendet. Sein langjähriger Konkurrent Marcel Hirscher nennt ihn den „feinsten Kerl des Skisports“

Nach der letzten Zieldurchfahrt seiner Karriere gab es für Felix Neureuther Champagner, Umarmungen und lauten Applaus. Viktoria Rebensburg, sein Servicemann und Kollegen aus anderen Ländern empfingen den bald 35-Jährigen nach seiner Fahrt zu Rang sieben beim Slalom in Soldeu, dem besten Resultat seiner so schwierigen und letzten Saison. Neureuther bedankte sich für die Ovationen der Zuschauer in Andorra, trank einen großen Schluck und schob sich zum letzten Mal aus dem Zielbereich. „Es wird einem so richtig klar, dass ein neues Kapitel beginnt und dass die Karriere aufgehört hat. Das ist nicht so ohne“, sagte er.

Vor dem letzten Start, als er das Ende seiner großen Karriere gerade verkündet hatte, erinnerte Neureuther noch mal an den Anfang und sein Debüt im Weltcup – als Bruchpilot auf Ski. Wie er in Kranjska Gora vor 16 Jahren als vorletzter Fahrer in den Riesenslalom ging, nach wenigen Toren stürzte, sich im Fangzaun verhedderte, unfreiwillig eine massive Verzögerung im Ablauf provozierte und den damaligen Rennchef Günter Hujara noch liegend über die Strecke brüllen hörte: „Neureuther, du Vollidiot.“

Anekdoten wie diese erzählte Neureuther schon immer gern, Humor zählt zu den hervorstechenden Eigenschaften des Bayern. Auch deswegen ist er einer der beliebtesten Sportler Deutschlands und über die Grenzen hinaus. Sein langjähriger Konkurrent Marcel Hirscher aus Österreich nannte ihn „den feinsten Kerl des Skisports“. Fußball-Weltmeister Thomas Müller schrieb: „Danke für die vielen großartigen Momente, Felix.“ Deutscher Rekord mit 13 Weltcup-Siegen bei den Herren, drei WM-Medaillen im Slalom und zwei mit der Mannschaft, aber ganz ohne Einzel-WM-Titel oder Olympia-Gold: Neureuther zählt dennoch zu den ganz Großen des Skisports – weil er als Mensch überzeugte, der sich im österreichischen Fernsehen schon mal selbst interviewte, als der Journalist nicht da war.

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Und weil er sich in seiner Karriere nie wirklich unterkriegen ließ. Nicht vom Sturz im ersten Rennen. Nicht vom großen Namen seiner Eltern Rosi Mittermaier und Christian Neureuther, der vor allem in den Anfangsjahren eine große Bürde war. Auch nicht von den seit Jahren anhaltenden Rückenschmerzen oder den noch so bitteren Niederlagen bei Weltmeisterschaften, Weltcup-Finals und Olympischen Spielen. Erst dieser Winter, die Comeback-Saison nach seinem Kreuzbandriss, in der ihn auch ein gebrochener Daumen und ein Schleudertrauma nach einem Trainingssturz nie wirklich in den Rhythmus kommen ließen, hat ihn wirklich zum Nachdenken gebracht.

„Ich kann mir nichts vorwerfen. Bis zum Schluss habe ich gekämpft, wie meine ganze Karriere“, sagte der Vater einer kleinen Tochter. Die inzwischen eineinhalb Jahre alte Matilda war schon bei einigen Rennen ihres Papas dabei. Zukünftig soll sie noch stärker im Mittelpunkt von ihm und Ehefrau Miriam stehen.

Details zu seiner beruflichen Zukunft, die vorbereitet ist, wollte er noch nicht verraten. Aber als Kinderbuchautor und mit seinem Programm „Beweg dich schlau“ will er ganz sicher auch anderen jungen Menschen Freude machen – ganz so, wie er es 16 Jahre lang schon als Sympathieträger und Botschafter des Skisports getan hat. (dpa)

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