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Fußball-EM 2021
22.06.2021

Englands Trainer Gareth Southgate - ein Mann mit Stil

Englands Trainer Gareth Southgate muss sich nach dem 0:0 gegen Schottland Kritik aus der Heimat gefallen lassen.
Foto: Tim Goode, dpa

Gareth Southgate hat dem englischen Fußball-Nationalteam eine attraktive und erfolgreiche Spielweise verpasst. Das macht den 50-Jährigen beliebt, aber nicht frei von Kritik.

Mit Gareth Southgate wird stets ein Moment des Scheiterns verbunden bleiben. Bei der Europameisterschaft im eigenen Land, 25 Jahre ist das inzwischen her, endete der englische Traum vom „Finale at home“ jäh durch sein Versagen. Sein Fehlschuss im Elfmeterschießen gegen Deutschland leitete die Niederlage ein, die Andreas Möller anschließend per Treffer besiegelte.

Für Southgate muss dieses Erlebnis im Juni 1996 prägend gewesen sein, noch Jahre später erzählte er davon, wie sehr er die deutschen Fußballer für ihre Mentalität und ihren Siegeswillen schätze. Derweil dient Southgate selbst als Beispiel für einen Fußballer, dessen Karriere nicht zwingend auf gesegnetem Talent basierte, sondern auf gewissenhafter Arbeit, Fleiß und Durchsetzungsvermögen.

Gareth Southgate reagiert entspannt auf Angriffe der Yellow Press

Southgate ist nahe London, in Watford, geboren. Noch während seiner Schulzeit wechselte er in die Fußballakademie von Crystal Palace. Jugendtrainer schätzten die Verlässlichkeit des Defensivspielers, der als Kapitän und Führungsspieler voranging. Southgate wusste darum, dass ihm Altersgenossen in puncto Technik überlegen waren. Weil er an der Profikarriere zweifelte, sammelte er Erfahrungen bei einer Tageszeitung. Womöglich lässt ihn dies so entspannt auf Angriffe der berüchtigten Yellow Press reagieren. Als Spieler hat der 50-Jährige nicht die herausragenden Triumphe gefeiert. Er hat auch nicht bei den renommiertesten Klubs der Premier League gespielt. Dennoch blickt er auf eine beachtliche Länderspiellaufbahn zurück, 57 Mal trug er das Trikot mit den Three Lions. Beinahe so viele Partien hat er inzwischen auch als Englands Nationaltrainer absolviert, gegen Tschechien wird er das Nationalteam zum 53. Mal betreuen (Dienstag, 21 Uhr).

Weil er Jadon Sancho bislang bei der EM 2021 unbeachtet ließ, muss sich Englands Trainer Gareth Southgate Kritik gefallen lassen.
Foto: Nick Potts, dpa

Dass sich die englischen Fußballfans mit ihrem Coach identifizieren, begründet sich teils in seiner Vita. Der Vater von zwei Kindern, Mia und Flynn, wirkt geerdet, seine Frau Alison hat er in einer kleinen Modeboutique kennengelernt. Weder als Spieler noch als Trainer sorgte er für Skandale. Großteils beruht seine Beliebtheit natürlich auf Erfolg, für den WM-Halbfinaleinzug 2018 erhielt er von Prinz Charles den „Order of the British Empire“. Nach tristen Jahren hat er die Engländer zu einem Spitzenteam im Weltfußball geformt. Statt Kick-and-rush pflegt das junge Team eine attraktive, technisch anspruchsvolle Spielweise. Der Southgate-Stil gefällt – auch abseits des Rasens. Während der WM 2018 setzte der Coach modisch einen Trend: Anzugwesten waren wieder salonfähig.

Wie er sich zu den Spielen kleidet, dürfte ihn dieser Tage weniger kümmern. Die Nullnummer im britischen Duell mit Schottland haben ihm Fans übel genommen. Dass er Außenangreifer Sancho unberücksichtigt ließ, war gar ein Thema nationalen Interesses. Southgate reagierte auf die ihm übliche Art: äußerst unaufgeregt.

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