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Fußball
09.09.2016

Mythos Schalke: Das macht den Verein so besonders

Immer ein heißes Spiel: Olivier Kruschinski glaubt zu wissen, dass die Schalker positiv ins Gastspiel des FC Bayern gehen.
Foto: Andreas Gebert (dpa)

Olivier Kruschinski ist Schalker von Geburt an - sogar ein Buch hat er dazu geschrieben. Im Interview verrät er, wieso der Verein optimistisch ins Gastspiel des FC Bayern geht.

Olivier Kruschinski, Schalker von Geburt an, beschäftigt sich seit vielen Jahren mit der Industrie- und Fußballgeschichte von Schalke. Er führt Reisegruppen durch den Stadtteil und hat dazu auch ein Buch geschrieben.

Herr Kruschinski, wo waren Sie am 19. Mai 2001?

Kruschinski: Da wo ich hingehörte, im Block I im Parkstadion.

Für 4 Minuten und 38 Sekunden war S04 damals Meister, da die Partie gegen Unterhaching 5:3 gewonnen wurde und der FC Bayern in Hamburg 0:1 zurücklag. Schalke jubelte, weil ein Reporter meldete, dass die Partie in Hamburg vorbei sei. War sie aber nicht. Andersson erzielte noch den Ausgleich für die Münchner und entriss Königsblau den Titel. Wie erinnern Sie sich 15 Jahre danach an den Tag?

Kruschinski: Was ich nicht damit verbinde sind die Bayern. Eher dieses Thema „Fußballgott“. Positiv gesehen erinnere ich mich an diese unfassbare Emotionalität, die wir auf Schalke haben. Wir hatten ja das komplette Spektrum der Emotionen in diesen 4:38 Minuten abgedeckt, von himmelhoch jauchzend bis zu Tode betrübt. Das waren auch komprimierte 100 Jahre Vereinsgeschichte. Natürlich war ich auch traurig. Aber, auch das muss man sagen, wir waren ja selbst schuld, schließlich hätten wir den Titelgewinn an den Spieltagen zuvor klarmachen können. Aber als positiv denkender Mensch bleiben mir diese fantastischen vier Minuten in Erinnerung, wo hier alles explodiert ist. Seither kann man sich vorstellen, was hier los wäre, wenn es eines Tages mit dem Titelgewinn klappen würde. Das ist dann auch der Unterschied zu den Bayern: Wenn die zum 30. Mal Deutscher Meister werden, interessiert das doch kaum einen. Hier würde die ganze Region auseinanderbrechen.

Schalke vor fast 60 Jahren zum letzten Mal deutscher Meister

Ist diese verpasste Meisterschaft bis heute ein Trauma?

Kruschinski: Für mich nicht. Ich werde ja immer mal wieder mit der Frage geneckt, wann wir zum letzten Mal deutscher Meister waren. Das ist ja fast schon 60 Jahre her. Ich antworte dann stets mit einer Gegenfrage: Warum hat dieser Verein, obwohl er so lange keine Meisterschaft mehr gewonnen hat, über 150000 Mitglieder? Wie kann so ein Club der viertgrößte Verein der Welt sein?

Ja, warum ist das so?

Kruschinski: Erstmals ist Schalke ein Ortsteil und in diesem Ortsteil gibt es einen Verein, der ein Zusammenschluss von Menschen ist. Diese Menschen haben etwas gemeinsam, eine Geschichte, die gleichzeitig die Geschichte dieses Vereins ist und die Geschichte des Bergbaus. Das ist eine große Leidenschaft, die dahinter steckt, bekloppt und faszinierend zugleich. Klar, das können auch andere Vereine für sich in Anspruch nehmen. Aber Schalke ist etwas Besonderes.

Warum?

Kruschinski: Wegen dieser atmosphärischen und geografischen Kompaktheit. Der Stadtteil ist wesentlich bekannter als die Stadt Gelsenkirchen selbst. Und auf wenigen 100 Metern hat sich diese Vereinsgeschichte abgespielt. Dazu kommt dieses permanente Auf und Ab, die Vermischung von Geschichte und Geschichten. Normal ist hier nichts.

Große Unterschiede zwischen Bayern und Schalke

Zurück zur Gegenwart. 53 Heimspiele bestritt Schalke in der Bundesliga gegen die Bayern. Es gab nur 13 Siege. Wie optimistisch sind die Schalker, dass es heute den 14. Sieg gibt?

Kruschinski: Optimismus ist immer da. Egal, gegen wen wir spielen, ist sich der Schalker sicher, dass sein Klub Meister wird. Realistisch gesehen glaube ich nicht, dass wir 4:0 gewinnen werden. Aber im Fußball ist ja nichts unmöglich. Mit einer Portion Optimismus sage ich, dass da was für uns drin ist. Wir sind Schalke 04, nicht Kickers Ückendorf. Wir können grundsätzlich jeden schlagen.

Was unterscheidet Schalke und Bayern, was eint beide Klubs?

Kruschinski: Ach du meine Güte! Ich denke, beiden ist gemein, dass sie Fußball spielen. Mehr ist da nicht. Was Geschichte, Struktur der Fanszene, Vereinsform – Bayern ist ja eine Aktiengesellschaft, wir sind ein Fußballverein – angeht, gibt es eigentlich nur trennende Elemente.

Mit Markus Weinzierl hat Schalke einen neuen Trainer. Der Auftakt in Frankfurt (0:1) war nicht optimal. Droht ein Übergangsjahr?

Kruschinski: Das mit dem Übergangsjahr will hier keiner mehr hören, das hatten wir zu oft in den vergangenen Jahren. Der Fußball ist immer in Bewegung, Übergangsjahre zählen nicht. Die Euphorie hat auch keinen Dämpfer bekommen. Man wird nicht nach dem ersten Spieltag deutscher Meister und steigt nicht nach dem ersten Spieltag ab. Heute geht die Saison erst richtig los. Alles was davor war, zählt nicht.

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