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21.01.2010

Haas rettet Sieg am Pleitentag der Deutschen

Haas rettet Sieg am Pleitentag der Deutschen
Bild: DPA

Melbourne (dpa) - Er schimpfte, fluchte und kassierte nach einem Ausraster sogar einen Punktabzug. Doch im entscheidenden Moment bewahrte Thomas Haas kühlen Kopf und machte im heißen Melbourne den Tag der deutschen Enttäuschungen bei den Australian Open ein wenig erträglicher.

"Viel hat nicht gefehlt und ich wäre ausgeflippt", sagte der 31-Jährige nach dem Herzschlagfinale beim 4:6, 6:4, 6:3, 1:6, 6:3 in 3:20 Stunden gegen den Serben Janko Tipsarevic. Benjamin Becker und Michael Berrer verabschiedeten sich dagegen ebenso wie die hoch eingeschätzte Sabine Lisicki sowie Andrea Petkovic, Kristina Barrois und Julia Görges aus dem Grand-Slam-Turnier.

"Tough zu bleiben ist nicht immer einfach", gestand Haas nach der Hitzeschlacht, die gut und gerne auch mit einer Niederlage gegen den von Schüttler-Coach Dirk Hordorff trainierten Tipsarevic hätte enden können. Der Serbe sei ein "verrückter Kerl", sagte Haas nach dem Krimi. Nächster Gegner ist der Franzose Jo-Wilfried Tsonga, gegen den er beim Einladungsturnier in Kooyong verloren, bei seinem Turniersieg in Halle 2009 aber gewonnen hatte.

Nach verpatztem Start bekam Haas wie zum Auftakt gegen Simon Greul das Match mehr und mehr in den Griff. Ohne Schwächephase, die sich der Wimbledon-Halbfinalist selbst nicht erklären konnte, lief es aber nicht. Vielleicht waren es die strittigen Situation, die ihn mit dem Referee aneinandergeraten ließen. Als er einen Ball in Richtung des Linienrichters warf, "fand der Schiedsrichter das gar nicht gut und verhängte einen Punktabzug", wie Haas grinsend erzählte.

Haas rettet Sieg am Pleitentag der Deutschen

Im verrückten fünften Satz stand Haas kurz vor der Explosion, nachdem er auch das zweite Break prompt wieder abgegeben hatte. "Da gehen einem Gedanken durch den Kopf, die sind echt krankhaft." Emotionen gehören zum Spiel - und Haas blieb dran. Mit dem fünften Matchball machte er den Sack zu und packte strahlend seine Tennistasche, aus der ein zertrümmerter Schläger hervorlugte.

Während Topfavorit Roger Federer, Titelverteidigerin Serena Williams und ihre Schwester Venus sowie Novak Djokovic und Lleyton Hewitt sicher in die dritte Runde einzogen, verabschiedeten sich im Stuttgarter Michael Berrer und Benjamin Becker aus Mettlach die Spieler Nummer sieben und acht aus dem elfköpfigen deutschen Herren- Aufgebot. Neben Haas sind nur noch Philipp Kohlschreiber und Florian Mayer dabei. Von den acht deutschen Damen hat Qualifikantin Angelique Kerber als einzige die zweite Runde überstanden.

"Das war unnötig." Drei Worte von Fed-Cup-Chefin Barbara Rittner reichten, um die überraschende 6:2, 4:6, 4:6-Niederlage von Sabine Lisicki gegen Alberta Brianti zu beschreiben. "Sie war ängstlich und hat die Partie selbst verloren. Vielleicht hat sie sich zu viel Druck gemacht und ist dadurch verkrampft." Dabei hatte Lisicki der Italienerin den ersten Satz abgenommen, aber 70 Fehler verhinderten den Sieg.

Das gesteckte Ziel, unter die besten 20 oder besser noch unter die besten 10 aufzurücken, schien die an Position 21 gesetzte Berlinerin zu lähmen. "Es hat nichts geklappt, obwohl ich alles versucht habe. Hoffentlich war das der einzige schlechte Tag in diesem Jahr", sagte die 20-Jährige und die Tränen rollten ihr übers Gesicht. Auf den Fed-Cup-Auftakt in Brünn hat sie wegen der eigenen Ziele verzichtet. Wer sie vertritt, hat Rittner noch nicht entschieden.

Beste Karten neben der fürs Doppel gesetzten Anna-Lena Grönefeld hat Andrea Petkovic, obschon auch sie in der zweiten Runde mit 1:6, 4:6 gegen Carla Suarez Navarro aus Spanien strauchelte. "Sie hat mir nicht erlaubt, meine Stärken auszuspielen", sagte die Weltranglisten- 49., die vor zwei Jahren an selber Stelle einen Kreuzbandriss erlitt, der "in meinem Kopf noch immer herumspukt".

Chancen auf einen Platz im Team hat auch Kristina Barrois, die trotz mutigen Center-Court-Auftritts gegen die Australierin Samantha Stosur 5:7, 3:6 unterlag. Viel zu verhalten bis ängstlich ging Julia Görges beim 3:6, 1:6 gegen US-Open-Finalistin Caroline Wozniacki aus Dänemark zu Werke, was Trainer Sascha Nensel, der vor vier Jahren Nicolas Kiefer ins Halbfinale begleitet hatte, zu dem Zwischenruf animierte: "Jule, das sind hier nicht die Kreismeisterschaften."

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