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Augsburger Panther

16.06.2019

Hans Detsch: "Solange sie mich nicht ausbuhen, ist alles gut"

Hans Detsch nach dem Play-Off-Spiel gegen Düsseldorf.
Bild: Siegfried Kerpf

Plus Hans Detsch wechselt von den Augsburger Panthern nach Ingolstadt. Im Interview spricht er über die Augsburger Fans, seine Highlights in Augsburg und Prügeleien mit Mitspielern.

Nach vier Jahren im Trikot der Panther wechselt Hans Detsch, 25, nach Ingolstadt. Die beiden Klubs verbindet eine herzliche Abneigung. Hier spricht der Stürmer über die Gründe für den Wechsel, was er sich von den Fans erhofft und was er von Augsburg in Erinnerung behalten wird

Hans Detsch, Sie sind von den Augsburger Panthern zum bayerischen Rivalen ERC Ingolstadt gewechselt. Wie kam dieser Wechsel zustande?

Hans Detsch: Ich hätte auch in Augsburg noch einmal für ein Jahr unterschrieben und hatte auch ein Angebot. Ich habe mit den Leuten, denen ich vertraue, gesprochen. Nach fünf Jahren in Augsburg, eines davon in Ravensburg, tut es mir gut, den nächsten Schritt zu machen. In eine neue Stadt, zu einem anderen Verein, raus aus meiner Komfortzone. Das war keine Entscheidung gegen Augsburg, sondern eine für Ingolstadt.

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Irgendwann hat also Larry Mitchell, der Sportdirektor des ERCI, bei Ihnen angefragt, ob Sie sich einen Wechsel vorstellen könnten?

Detsch: Wir hatten ab und an Kontakt und irgendwie sind wir im Gespräch auf dieses Thema gekommen. Wir haben darüber geredet, wie es in Ingolstadt abläuft. Der Klub war schon deutscher Meister und will jedes Jahr in die „Top Sechs“ kommen. Ich freue mich jetzt einfach auf etwas Neues.

Wie wichtig ist es, den Sportdirektor bei einem neuen Verein zu kennen?

Detsch: Wir haben einen ganz guten Draht zueinander. Er hat mich damals ja schon nach Augsburg geholt. Leider hat es nie geklappt, dass ich unter ihm gespielt habe. Umso mehr freue ich mich jetzt auf Ingolstadt. Mal schauen, wie es dort klappt.

Der ehemalige Panther-Spieler Detsch lobt die Augsburger Eishockey-Fans

Lassen Sie uns noch einmal zurückblicken: Was wird Ihnen von Augsburg in Erinnerung bleiben?

Detsch: Das ganze Teamgefüge im Verein. Der Zusammenhalt mit den Fans. Das ist alles sehr herzlich. Wenn man durch die Stadt läuft, wird man ab und zu angesprochen. Das nervt nicht, das macht Spaß. Augsburg ist sportverrückt. Und auch wenn es mal nicht so lief, standen die Fans hinter uns und haben uns nach vorne gepeitscht. Das hat nicht nur bei mir immer Eindruck gemacht, sondern auch bei den Mannschaften, die in Augsburg zu Gast sind.

Die Leidensfähigkeit in Augsburg ist groß...

Detsch: Einen dritten Platz wie in der vergangenen Saison hätte niemand erwartet – auch wir in der Mannschaft nicht. In Augsburg wissen die Fans aber, dass es nächstes Jahr nicht automatisch wieder so ein Ergebnis gibt. Das Ziel wird wieder sein, erst einmal die Pre-Play-offs zu schaffen. Danach ist alles möglich.

Was waren im Rückblick Ihre sportlichen Highlights?

Detsch: Das Play-off-Halbfinale natürlich gegen München. Das hat richtig Spaß gemacht. Ich habe ja 2017 schon Play-offs mit Augsburg gespielt, da sind wir aber gegen Nürnberg rausgeflogen.

In Erinnerung bleibt Ihre Prügelei mit Brandon Prust...

Detsch: (lacht) Ja, das war auch so ein Highlight – mit einem Tough Guy aus der NHL zu fighten! Aber insgesamt war natürlich die ganze vergangene Saison unglaublich. Gegen München wäre fast noch mehr möglich gewesen.

Hans Detsch spielte mit den Augsburger Panthern in den Play-Offs

Gibt es ein bestimmtes Match, an das Sie sich gerne erinnern?

Detsch: Das erste Spiel gegen Düsseldorf in den Play-offs war schon der Hammer. Wir waren komplett bereit und haben die mit 7:1 nach Hause geschickt. Da war alles dabei: Tore, körperbetontes Spiel, Stimmung. Oder letzte Saison gegen München: Wir waren 0:2 hinten und haben das Ding im letzten Drittel noch gedreht.

Hans Detsch wechselt vom AEV nach Ingolstadt.
Bild: Siegfried Kerpf

Und welche Tiefpunkte gab es?

Detsch: Ein Tiefpunkt war vor zwei Jahren, als wir knapp die Play-offs verpasst haben. Da waren viele Spiele dabei, die wir eigentlich hätten gewinnen müssen, stattdessen aber knapp verloren haben. Das lief unglücklich. Ansonsten gab es eigentlich keine Tiefpunkte. Ich bin von Verletzungen verschont geblieben und habe mir nur einmal im Sommer die Nase gebrochen.

War das die Aktion beim Frisbeespielen?

Detsch: Ja, genau. Das war eigentlich auch ein Highlight (lacht). Ich habe nach hinten geschaut und bin in die Schulter von Marco Sternheimer reingelaufen. Dann war sie ab, die Nase. Im Krankenhaus sind gleich sieben Ärzte gekommen, um sich das anzuschauen. Die hatten so etwas auch noch nicht gesehen und haben mich ausgelacht, weil die Nase schon ziemlich übel gebrochen war.

Bei den Augsburger Panthern herrschte immer gute Stimmung

Ein immer wiederkehrendes Thema war in der vergangenen Saison der Teamspirit in der Mannschaft. War das wirklich so, dass in der Kabine eine derart überragende Stimmung geherrscht hat?

Detsch: Auf jeden Fall. Auch wenn wir mal drei, vier Spiele verloren hatten und der Trainer komplett sauer war, hatten wir immer Spaß an der Sache.

Haben Sie sich schon Gedanken darüber gemacht, wie es sein wird, wenn Sie in einem Ingolstädter Trikot nach Augsburg zurückkommen?

Detsch: Ja, da habe ich mir schon Gedanken gemacht. Ich denke, ich bin mit den Fans in Augsburg ganz gut ausgekommen. Ich habe sie geliebt wegen der Stimmung und wie sie uns aufnehmen. Ich hoffe, ich bin auch nicht so schlecht angekommen bei den Fans. Wir hatten einen ganz guten Draht. Sie müssen mich nicht feiern, aber solange sie mich nicht ausbuhen, ist alles gut.

 

Wie sieht es mit einem Faustkampf mit Adam Payerl aus, der dieser Beschäftigung ja auch nicht ganz abgeneigt ist?

Detsch: Ich denke nicht, dass es dazu kommen wird, denn wir sind auch sehr gut befreundet. Der kann aber ganz gut fighten und ist ein ziemlicher Ochse. Das erste Spiel gegen Augsburg wird natürlich interessant. Aber ich denke nicht, dass es da zu Konflikten kommt. Außerdem gibt es in Ingolstadt auch ein paar Hünen, die zulangen können. Da sind wir ganz gut aufgestellt.

Hans Detsch wechselt zum ERC Ingolstadt

Was erhoffen Sie sich in Ingolstadt?

Detsch: Ich habe eigentlich keine Erwartungen. Das Sommertraining läuft auf jeden Fall schon mal etwas anders als in Augsburg. Das ist interessant zu sehen. Auch auf dem Eis wird es anders zugehen mit neuen Kollegen und neuem Trainer.

Ihr Ex-Trainer Mike Stewart hat Augsburg ebenfalls verlassen und ist nach Köln gewechselt. Wie haben Sie ihn erlebt?

Detsch: Er war schon sehr taktisch geprägt. Für jede Situation hatte er eine Lösung parat. Er hat dich auch nur selten angeschrien – und wenn doch, dann war es auch verdient! Meistens hat er dir aber ruhig erklärt, wie du es nächstes Mal besser machen kannst. Er hat eine gute Mischung gefunden zwischen Autorität und Menschlichkeit. Wir waren immer offen zueinander. Er war schon eine Autoritätsperson in der Kabine.

Wie sind Sie bisher von den neuen Kollegen in Ingolstadt aufgenommen worden?

Detsch: Gut. Ich denke, es ist in keinem Eishockey-Team schwer, Fuß zu fassen. Das sind alles geile Jungs. Auf dem Eis mag man den einen mehr, den anderen weniger. Aber neben dem Eis sind das alles coole Typen.

In welchen Bereichen haben Sie sich in den vier Jahren DEL besonders weiterentwickelt?

Detsch: Ich würde sage bei der Fitness und Mobilität. Auf dem Eis bin ich konstanter in meinen Leistungen geworden. Vor ein paar Jahren war das noch anders. Und man wird auch ein bisschen ruhiger an der Scheibe, wenn man ein paar Jahre auf dem Buckel hat.

Von welchem Spieler haben Sie sich am meisten abschauen können?

Detsch: Ganz klar von Drew LeBlanc. Von dem sollte man sich alles abschauen. Das Eis ist noch nicht trocken, da hat er schon eine Scheibe am Schläger. LB bringt in jedem Spiel seine Leistung, ein Wahnsinns-Eishockey-Spieler. Und er arbeitet richtig hart dafür. Da bekommst du manchmal schon ein schlechtes Gewissen, wenn man aus der Dusche kommt und der ist noch im Kraftraum.

Wann war für Sie klar, welche Rolle Sie in einem Eishockey-Team übernehmen müssen, um es in die DEL zu schaffen?

Detsch: Von außen werde ich ja immer als Tough Guy gesehen. Früher habe ich aber immer viele Punkte gemacht. Da war schon das Ziel, auch in der DEL zu scoren. Aber du kommst nicht aus der DEL2 sofort in die erste Reihe eines DEL-Teams. Du musst die Rolle annehmen, die dir zugewiesen wird. Ich habe das Glück, dass ich groß bin. Ich kann mich wehren und habe kein Problem damit, zuzuschlagen oder auch eine zu kassieren. Da gibt es viele, die das nicht können. Ich kann jede Rolle annehmen und das wussten meine Trainer bisher immer. Ich kann das Spiel lesen, aber ich kann auch jemanden zusammenfahren – je nachdem, mit wem ich in einer Reihe spiele.

Sie haben schon einige harte Auseinandersetzungen hinter sich. Trotzdem strahlen Sie mit einem lückenlosen Gebiss in die Kameras. Wie konnte das passieren?

Detsch: Ich habe schon so viel ins Gesicht bekommen – Fäuste, Pucks, Schläger, Checks. Aber es ist noch alles original. Ich würde es ja geil finden, wenn ich mal einen Zahn verliere (lacht). Das ist schon eine Art Auszeichnung, wenn man als Eishockey-Spieler eine Zahnlücke hat.

Die Derbys zwischen Augsburg und Ingolstadt sind für die Fans immer etwas Besonderes. Ist das für die Spieler auch so?

Detsch: Für die Augsburger Fans ist es „das“ Derby. Straubing und München sind auch Derbys, aber gegen Ingolstadt war die Stimmung von beiden Seiten immer unglaublich. Wir Spieler bekommen das natürlich mit und wissen, dass ein Sieg dort viel bedeutet.

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