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Porträt

23.02.2018

Hermann Weinbuch - Medaillenschmied und Medaillensammler

Bleibt den deutschen Kombinierern zumindest bis zur WM 2019 in Seefeld/Österreich weiter erhalten: Bundestrainer und Medaillensammler Hermann Weinbuch.
Bild: Patrick Seeger, dpa

Hermann Weinbuch, der Trainer der Nordischen Kombinierer, krönte seine 22-jährige Amtszeit mit Olympia-Gold in der Staffel. Warum dieser Sieg so besonders für ihn ist.

Hermann Weinbuch überkam plötzlich das Gefühl, als müsse er sich rechtfertigen – für all seine Erfolge und für seine 22-jährige Amtszeit als Bundestrainer. "Mei", sagte er nach dem Dreifach-Triumph von Rydzek, Rießle und Frenzel, "I bin halt a Fanat". Ein positiv Verrückter, einer, der sich immer neu motivieren lässt und der andere neu motiviert.

Weinbuch, der Erfolgstrainer der Nordischen Kombinierer, hatte bis Donnerstag 48 Medaillen bei Weltmeisterschafen und Olympischen Spielen gewonnen. Die 49. war eine, die in seiner Sammlung noch fehlte – und auf die er lange hinfiebern musste.

Olympia-Gold mit der Staffel. "Natürlich ist das für mich die Krönung“, sagte er erleichtert. In Sotschi waren es die Norweger, 2010 die Österreicher gewesen, die den Weinbuch-Buben die Tour vermasselten.

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Weinbuch-Buben besiegen den Staffel-Fluch

Seit gestern ist der Fluch besiegt. Mehr noch: Mit dem dritten Gold im dritten Kombinierer- Wettbewerb war für den 57-jährigen Bischofswiesener das Glück perfekt. Die deutschen Schanzen- und Loipenexperten holten fünf von sieben möglichen Medaillen in Pyeongchang. Mehr geht fast nicht.

Die Blitz-Geste in Anlehnung an Usain Bolt: das deutsche Kombinierer-Quartett (v.l.) mit Vinzenz Geiger, Fabian Rießle, Eric Frenzel und Johannes Rydzek beim Zelebrieren des Olympiasieges.
Bild: Daniel Karmann, dpa

Weinbuchs Erfolgshunger lässt sich am besten verstehen, wenn man ein Jahr zurückblickt. Bei der WM im finnischen Lahti hatten seine nordischen Dominierer so ziemlich alles abgeräumt, was es abzuräumen gab.

Doch Weinbuch war in der Stunde des größten Erfolges der größte Mahner. Aus seiner langjährigen Erfahrung als Aktiver (unter anderem dreifacher Weltmeister) wusste er, dass zurückliegende Erfolge wertlose Erfolge sind. Früh richtete er den Blick nach vorn, warnte vor Übermut und forderte von Athleten und Co-Trainern, vor der Olympia-Saison noch eine Schippe draufzulegen.

Weinbuch reagierte auf Schwächeanzeichen seiner Athleten

Er sah sich bestätigt, als seine Mannschaft um die beiden Führungsfiguren Frenzel und Rydzek im Weltcup plötzlich schwächelte und die Zeit vor Olympia immer knapper wurde. Er trommelte sein gesamtes Team deshalb mehrere Tage in Oberstdorf zusammen und kittete auf spielerische Art und Weise, was zuvor auseinandergebröckelt war.

Nach der Zipfelbob-Fahrt 2017 schwor sich das Team nach harten Trainingstagen diesmal bei einem Hüttenabend am Söllereck auf die Winterspiele ein.

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20 Bilder
Spektakuläre Schnappschüsse von den Olympischen Winterspielen
Bild: Jonathan Hayward, dpa

Der Erfolg der Kombinierer hat einen Namen: Hermann Weinbuch

Die Erfolge von Südkorea beweisen: Weinbuchs System hat wieder einmal gegriffen – unabhängig von Ausgangsposition und persönlichen Empfindlichkeiten. Weinbuch ist mal Ruhepol, dann wieder Antreiber, mal Krisenbewältiger und mal Motivator, immer aber Bürge des Erfolgs.

Mehrfach hatte Weinbuch, der mit seiner Lebensgefährtin Andrea und seinen Kindern Gioia (7) und Tonio (9) in Bischofswiesen bei Berchtesgaden wohnt, schon mit seinem Rücktritt geliebäugelt. Nach der WM 2019 in Seefeld, wo er 1985 als Aktiver sein erstes WM-Gold gewann, soll nun Schluss sein. Kann aber auch sein, dass er dann plötzlich wieder eine neue Motivation findet.

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