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Interview
22.01.2020

Football-Reporter "Icke" Dommisch: "Wir sind Deutschlands Nummer zwei"

Icke Dommisch wird beim Super-Bowl als Reporter für ProSieben dabei sein.
Foto: ProSieben MAXX/Wolf Lux

Exklusiv American Football führte lange ein Nischendasein. Seitdem Christoph „Icke“ Dommisch und sein Team die Spiele übertragen, sind die Zuschauerzahlen explodiert.

Seit acht Jahren überträgt Ihre Sendergruppe ProSiebenSat.1 Football. Sie gehören seit Beginn zum Team. Was macht für Sie den Reiz des Sports aus?

Christoph "Icke" Dommisch: Vielleicht ist es der Wechsel zwischen Sport und Entertainment. Show gehört ja ohnehin schon zum Football dazu: Es gibt Cheerleader, Popcorn, Bier. Jeder, der schon mal im Stadion war, weiß: Das ist nicht nur ein Sportevent, sondern auch ein Lifestyle-Event. Wir versuchen, das über unsere Sendung zu transportieren. Wir wollen die Leute zu Hause einbinden und nehmen uns nicht immer so ernst.

Im Fernsehen galt Football lange Zeit als nicht massenkompatibel. Zum Super Bowl waren die Quoten zwar immer gut, aber eben nur einmal im Jahr. Mittlerweile schaltet bei Ihren regulären Übertragungen eine halbe Million Zuschauer ein.

Dommisch: Das stimmt. Zu den Halbfinals waren es nun sogar schon 1,2 Millionen Zuschauer. Früher dachte man immer: Randsport, nicht für die breite Masse. Jetzt hat das Ganze seine Berechtigung wie jede Sonntag-Abend-Show.

Die Fans posten die absurdesten Sachen

Sie fungieren während der Sendung als „Net-Man“ und versorgen die Kommentatoren mit Tweets, Posts und allen Football-Infos aus dem Internet. Das ist manchmal ziemlich schräg, was da reinkommt, oder?

Dommisch: Allerdings! Die Leute posten da Bilder, wie sie mit einer Gesichtsmaske daliegen – die absurdesten Sachen habe ich da gesehen. In dieser Saison haben sich mal zehn Männer bei uns gemeldet, die im Whirlpool lagen – mit Sektglas in der Hand und Kerzen daneben. Das Wasser war vielleicht ein bisschen zu milchig und wir haben in der Sendung da vielleicht ein bisschen zu lange darüber gequatscht. Oder in dieser Saison sind Leute aus der Schweiz extra 600 Kilometer zu uns ins Münchner Studio gefahren, um für uns Fondue zu kochen – wir hatten in einer der vorherigen Sendungen da mal drüber gesprochen. Das ist sensationell.

Ihr Sender überträgt jeden Sonntag zwei Spiele live. Die Kommentatoren wechseln zwischen den Spielen, Sie sind bei beiden Partien dabei. Wie bereiten Sie sich darauf vor?

Dommisch: So ein Sonntag sind zwölf Stunden mit siebeneinhalb Stunden Live-Sendung. Das ist schon ein Ding. Patrick Esume isst immer Lakritze und ich versuche immer, sehr viel Wasser zu trinken. Während einer Sendung trinke ich locker vier Liter.

 

Welchen Stellenwert hat denn American Football im Fußball-Land Deutschland?

Dommisch: Alleine von den Zuschauerzahlen sind wir die Nummer zwei der Sportarten in Deutschland. Mehr Quote machen weder Handball noch Eishockey. Aber eins ist klar: Wir haben Glück, dass Football dauerhaft im Free-TV ist.

Dommisch: Der Erfolg kann sich sehen lassen

Wobei die Sportübertragung mit den besten TV-Quoten im Jahr 2019 das Halbfinale der Handball-WM zwischen Deutschland und Norwegen war.

Dommisch: Sobald der Bundesadler auf der Brust ist, hat das für die Leute eine ganz andere Bedeutung. Mit Nationalmannschaften können und wollen wir uns nicht vergleichen - mit dem Ligabetrieb schon. Dass wir mit einer US-Sportart, die keiner so richtig versteht, diese Quote machen – das kann sich sehen lassen.

Kann Football in Deutschland denn wirklich dauerhaft Fuß fassen? Dagegen spricht doch zum Beispiel, dass es kaum deutsche Teams vor Ort gibt und manche Spiele zur US-Zeit und damit ziemlich spät laufen.

Dommisch: Das ist tatsächlich ein großer Nachteil. Und der deutsche Football Verband schafft es derzeit nicht, dass er diese positive Welle aufnimmt: Die Spiele der deutschen Liga sind zwar im Live-Stream zu sehen, aber da interessiert sich kaum jemand dafür. Es gibt aber einen positiven Trend. Seitdem American Football im TV zu sehen ist, gehen immer mehr junge Leute zu den Vereinen. Die regionalen Vereine haben derzeit einen großen Zulauf. Vor fünf Jahren war es für einige Klubs noch schwierig, einen Trainingsbetrieb aufrechtzuerhalten – und jetzt haben viele sogar zweite Mannschaften. Da tut sich etwas.

Am Sonntag geht es für Dommisch und das Team nach Miami

Ist es für Sie manchmal noch ein bisschen einfacher, unter dem Radar zu fliegen? Beim Spiel zwischen Kansas und Tennessee sagte Patrick Esume mal über die Kansas-Abwehr, diese habe „Lack gesoffen“. Wenn er das über einen Trainer einer Bundesliga-Mannschaft sagen würde, gibt das Ärger.

Dommisch: Ich glaube auch, dass uns diese Nische eher hilft – dass wir Dinge sagen und tun können, die jetzt nicht die ganze Republik erreichen. Andere meinen, dass die Sache mit dem lockeren Mundwerk einfach unser Erfolgsrezept ist und es auch funktioniert, wenn mehr Leute zusehen. Aber klar: je mehr Leute so etwas hören, desto mehr können sich empören.

 

Sie selbst waren kürzlich in einem Power-Ranger-Kostüm zu sehen. Wie viel Klamauk geht denn?

Dommisch: Manchmal findet man Dinge am Sonntagabend gut und am Montag nicht mehr. Und vielleicht geht mir das mit dem Power-Ranger bald so. Das Schlimmste für uns wäre es aber, Dinge nicht mehr zu tun, weil wir zu viel darüber nachdenken. Ich bin nicht auf alles stolz was wir machen, doch ich bin stolz darauf, dass wir uns das immer noch trauen. Wir denken uns aber schon was dabei: Vor uns liefen an diesem Abend die Power Ranger. Und wir wollten diejenigen, die noch hängen geblieben sind, abholen. Nach dem Motto: Wenn du auf die Power Ranger stehst, kannst du auch mit uns Football gucken.

In eineinhalb Wochen findet der Super Bowl statt – sie werden mit dem Team von ProSieben vor Ort sein. Wie sieht die Vorbereitung aus?

Dommisch: Wir fliegen am Sonntag mit dem ganzen Team nach Miami und am Montag beginnt die „show week“, bei der wir jeden Tag eine Web-Show machen. Los geht es mit der „media night“. Da sind alle Spieler und alle Trainer, die an dem Finalspiel beteiligt sind, in einem Baseballstadion. Da werden alle auf dem Platz stehen und Journalisten aus aller Welt stellen ihre Fragen. Das ist schon irre: Das ist, als wenn man mit allen Spielern und Trainern eines Fußball Champions League Finales eine Woche lang jeden Tag Interviews führen kann. Und da sagt keiner, dass er darauf keinen Bock hat – sie wissen, dass es zu ihrem Job gehört.

Diesmal steht ein Deutscher im Super-Bowl: Der deutsche Linebacker Mark Nzeocha spielt bei den San Francisco 49ers. Und die Kansas City Chiefs dürfen nach 50 Jahren wieder um den Super Bowl spielen. Ein Kansas-Sieg wäre doch ein Märchen, oder?

Dommisch: Total. Kansas City hat 1967 den ersten Super Bowl überhaupt gespielt. 50 Jahre nach ihrem letzten Titelgewinn stehen sie wieder im Super Bowl und treten gegen San Francisco an – mit fünf Titeln eines der erfolgreichsten Teams überhaupt. Dass dann auch noch mit Mark Nzoecha ein Deutscher im Super Bowl steht, der sportlich eine wichtige Rolle spielt, ist für uns super.

Wer gewinnt denn und warum?

Dommisch: Kansas ist für mich der Favorit. Die Chiefs waren letztes Jahr schon sehr nah dran und haben mit Quarterback Patrick Mahomes den besten Spieler der Vorsaison in ihren Reihen. Der Typ ist eine Rakete, der beste Spieler. San Francisco ist zwar die bessere und ausgeglichenere Mannschaft, aber der Sieg führt nur über Mahomes.

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