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Motorrad
25.03.2021

Harte Landung auf dem Asphalt: Marcel Schrötter kämpft vor dem WM-Start

Marcel Schrötter legte kurz vor dem WM-Start einen Crash hin.
Foto: Alberto Saiz, dpa/AP

Schon kurz vor dem WM-Auftakt der Moto2 landet der 28-Jährige aus Pflugdorf bei Landsberg auf dem Asphalt. Ein Landsmann fordert dennoch mehr Risikobereitschaft.

Wenn es denn stimmt, dass auf eine vermasselte Generalprobe eine gelungene Premiere folgt, dann muss Marcel Schrötter am Renn-Sonntag in Katar die Konkurrenz in Grund und Boden fahren. In den entscheidenden Tests zu Wochenbeginn flog der 28-jährige Pilot in hohem Bogen von der Maschine und hatte Glück, dass er sich bei der harten Landung nicht verletzte.

Mit gebrauchten Reifen wollte das Memminger Intact-GP-Team eine Aufholjagd simulieren, doch die Gummis waren offenbar noch nicht heiß genug. "Leider hat es mir dann relativ früh und auch heftig das Hinterrad weggezogen, sodass ich in der Mitte der Kurve einen ziemlich großen Highsider erlitt", schildert Schrötter die Szene. "Highsider" bedeutet: Wenn ein Motorrad nach einer Rutschphase in Schräglage wieder Grip bekommt und sich dadurch aufrichtet, katapultiert es den Piloten vom Bock. Dank eines dick gepolsterten Rennoveralls geht der Abflug jedoch meist glimpflich ab.

Marcel Schrötter fühlt sich bereit für den WM-Auftakt

Der erste Blick Schrötters galt auch nicht seinem Körper, sondern der Maschine: "Ich bin meinem Team sehr dankbar, dass sie dann Vollgas gegeben haben, um das Motorrad wieder zu reparieren, sodass ich noch mal rausfahren konnte, bevor wir aufhören mussten." Den zerbeulten Helm tauschte der Pilot gegen ein neues Exemplar und es ging wieder raus auf den sandigen Asphalt mitten in der Wüste. Die Zeiten reichten nicht für einen Spitzenplatz, aber der 28-Jährige fühlt sich bereit für den Auftakt der Motorrad-WM: "Die Grundbasis ist gut."

Am Sonntag beginnt die Jagd nach WM-Punkten und der Pilot aus Pflugdorf, (Ortsteil von Vilgertshofen bei Landsberg) steht in seiner bereits zehnten Motorrad-Saison der Moto2 unter Druck. Nach der Verpflichtung des jungen Italieners Tony Arbolino hat die Leitung in Memmingen das Personal neu sortiert: Die Boxenmannschaft um Chief Michael Thier aus Marktoberdorf, die zuletzt den Schweizer Tom Lüthi (fährt künftig für das spanische SAG-Team) betreut hatte, schraubt jetzt am Motorrad von Schrötter.

Sein Ex-Team um den Südtiroler Patrick Mellauner kümmert sich um den Neuling Arbolino, der mit der Empfehlung des Moto3-Vizeweltmeisters dem arrivierten Fahrer Druck machen soll. Verbal fährt Schrötter bei der Formulierung seines Saisonziels viel defensiver als bei den Tests: "Ich will konstant in die TopTen fahren und muss in der schwierigsten Klasse der Welt auch mal mit Platz sieben zufrieden sein. Es muss ja nicht immer das Podium sein."

Wird wieder in der MotoGP eingesetzt: Stefan Bradl.
Foto: Robert Michael/dpa-Zentralbild/dpa

Stefan Bradl urteilt über Schrötter: "Er hat das Potenzial auf das Podium zu fahren"

Doch im zehnten Jahr in der zweithöchsten Prototypen-Rennklasse mit 765 ccm Hubraum und 136 PS darf es auch mal wieder ganz nach vorne gehen. Fünf Podestplätze, aber noch kein Sieg, stehen in seiner Bilanz nach 143 Starts der Moto2. Nach den Gesamträngen acht (2018 und 2019) sowie neun in der abgelaufenen Saison erwartet nicht nur die Teamleitung einen Schritt nach vorne. "Er hat das Potenzial auf das Podium zu fahren, aber der Druck wird größer", sagt Stefan Bradl, der eine Klasse höher in der MotoGP eine Werks-Honda steuert. Sein Landsmann aus Zahling verfolgt auch als TV-Experte den Rennzirkus auf zwei Rädern und urteilt über den Pflugdorfer: "Er hat ein Alter erreicht, in dem er langsam liefern muss. Er hat die körperlichen Voraussetzungen und das Material passt – eigentlich ist alles angerichtet."

Die wenigen freien Tage zwischen den beiden Renn-Jahren hatte Marcel Schrötter mit seiner Freundin Michelle in der Heimat verbracht. Seine Zweitwohnung in Spanien, wo alleine vier WM-Läufe gefahren werden, will er bald aufgeben und sucht in Pflugdorf eine Wohnung. In den nächsten Monaten geht es in 19 Rennen rund um die Welt.

Stefan Bradl rät vor dem WM-Start am Sonntag: "Die Herausforderung ist groß. Es wird darauf ankommen, wie Marcel mit dem Druck umgeht. Er muss noch mehr Biss zeigen und etwas aggressiver fahren, einfach insgesamt mehr riskieren." Nun ja, im letzten offiziellen Katar-Test hat es der Kalex-Pilot übertrieben und ist heftig auf den Asphalt geknallt. Es geht darum, die richtige Balance zwischen Angriff und Ankommen zu finden – nach dem WM-Auftakt. Denn dass die Premiere wie am Schnürchen laufen wird, ist nach der vermasselten Generalprobe ausgemacht.

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