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Ski aplin

19.03.2019

Nach dem Karriereende: Was kommt nach Felix Neureuther?

Felix Neureuther ist jetzt Zivilist. Der 34-Jährige hat seine Karriere als Skirennfahrer am Wochenende beendet.
Bild: Mirgeler, dpa

Der Star ist weg. Felix Neureuther hinterlässt eine riesige Lücke im deutschen Ski-Sport. Aber es gibt Hoffnungsträger, die sie schließen könnten.

Hinter vorgehaltener Hand hatten sie sich die Frage schon länger gestellt. Seit Sonntag steht sie mitten im Raum: Wer soll die Lücke schließen, die Felix Neureuther hinterlässt? Die Antwort hat zwei Ebenen. Zum einen ist da die sportliche. Neureuther hat Markus Wasmeier als erfolgreichsten deutschen Weltcup-Fahrer abgelöst. Dreizehn Mal stand er ganz oben auf dem Podest.

Sein Pech war, dass seine guten Jahre in die Ära des Marcel Hirscher fielen. Der Österreicher ist der beste Skifahrer aller Zeiten. Dazu kam, dass Neureuthers Körper nicht dazu gemacht ist, den Anforderungen des alpinen Rennsports auf Dauer standzuhalten.

Trotzdem: Neureuther war, egal in welcher körperlichen Verfassung, (fast) immer in der Lage, um den Sieg mitzufahren. Möglich machte das sein außergewöhnliches Talent und Skigefühl. Er hatte die Kunst des erfolgreichen Comebacks perfektioniert. Erst ganz am Schluss verließ ihn diese Fähigkeit.

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Stefan Luitz könnte in Neureuthers Fußstapfen treten

Unter den Technikern des DSV findet sich nur einer, der ähnlich talentiert ist: der Allgäuer Stefan Luitz. Allerdings hat auch er immer wieder mit gesundheitlichen Rückschlägen zu kämpfen. Unter anderem riss ihm schon zweimal das Kreuzband. Momentan kuriert er parallel eine Schulter- und eine Knieverletzung aus. "Wir haben mit dem Stefan einen, der leider wahnsinniges Verletzungspech hat, aber richtig schnell Skifahren kann. Er ist sicher derjenige, der den Ton angeben wird in Zukunft", prophezeite Neureuther.

Im Speedbereich sieht es besser aus. Mit dem derzeit verletzten Thomas Dreßen und Josef Ferstl hat der Verband zwei Siegfahrer. Dazu kommen Andreas Sander, Manuel Schmid und Dominik Schwaiger, die ebenfalls das Potenzial haben, aufs Podium zu fahren.

Felix Neureuther überstrahlte miese Bilanzen

Viel schwieriger könnte werden, die Lücke in der öffentlichen Wahrnehmung zu schließen. Neureuther war immer für einen flotten Spruch und eine Portion Drama gut. Ihn kennen auch Menschen, die noch nie Skier an den Füßen hatten. Im Winter kommt fast kein Werbeblock ohne Neureuther aus, der laut Sportbild zwei Millionen Euro im Jahr verdienen soll. Mit seinem Charisma und seinen Erfolgen zog er das deutsche Männer-Team über viele Jahre durch den Weltcup. Er überstrahlte miese Bilanzen – bisweilen aber auch Erfolge von Teamkollegen. Dazu kam, dass Neureuther immer wieder zu unangenehmen Themen Stellung bezog. Mit offenem Visier kritisierte er zum Beispiel i Funktionäre im Skiweltverband Fis und im Internationalen Olympischen Komitee IOC für deren Gigantismus und Raubbau an der Natur rund um Großereignisse.

Eine solche Persönlichkeit ist nicht in Sicht. "Man hat jetzt nicht mehr das große Schutzschild Neureuther vorne stehen. Das wird sicher eine Auswirkung haben", sagte Alpinchef Wolfgang Maier und kündigte an: "Es gibt jetzt neue Spielregeln und neue Hierarchien." Wie diese aussehen könnten, ist offen. Noch in dieser Woche sollen Trainer und Sportler zusammenkommen, Alpinchef Maier bittet zum Gespräch.

Neureuther gibt Nachfolgern überraschenden Ratschlag

"Wir müssen etwas härter werden im Ton, härter werden im Training", hatte Cheftrainer Mathias Berthold schon vor dem Weltcup-Finale in Soldeu angekündigt. "Wir haben vielleicht zu individuell trainiert und versucht, es jedem recht zu machen. Dafür sind wir nicht da." Extratouren, wie sie für Neureuther möglich waren, wird es vorerst nicht mehr geben. Wer eine Sonderbehandlung will, muss sie sich verdienen – so wie Viktoria Rebensburg bei den Frauen, die viele Freiheiten in der Trainingsgestaltung genießt und dieses Vertrauen mit Leistung zurückzahlt.

Neureuther gab seinen Nachfolgern einen wenig überraschenden Ratschlag mit auf den Weg. "Da muss wirklich Gas gegeben werden. Vor allem auch, was die jüngere Generation betrifft. Von der Wohlfühloase wirst du sicher nicht besser. Du musst den Schweinehund überwinden können und einfach auch kämpfen." Zu seiner eigenen Zukunft hält Neureuther sich noch bedeckt, sagte nur, dass er sich auch einen Job als TV-Experte vorstellen könne.

Eine lange Pause hat der 34-Jährige nicht geplant: "Mir wird sofort langweilig. Das muss sofort übergehen. Sonst kommst du auch in eine Wohlfühloase rein, aus der du dich dann ganz schwer rausarbeiten kannst."

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