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Nationalmannschaft
13.08.2018

Politische Einflussnahme? DFB widerspricht Andreas Rettig

Pauli-Geschäftsführer Andreas Rettig hatte im Interview mit unserer Zeitung den DFB kritisiert.
Foto: Daniel Reinhardt, dpa

Der Geschäftsführer des FC St. Pauli hat kritisiert, dass das DFB-Team vor der WM von einer CDU-nahen Stiftung geschult wurde. Dem widerspricht der Verband.

Kein Blatt vor dem Mund hatte Andreas Rettig, Geschäftsführer des FC St. Pauli, im Interview mit unserer Redaktion genommen. Kritik übte er darin zum Beispiel an den Nachwuchsstrukturen und warnte vor dem Fall der 50+1-Regel, die in der Bundesliga die Einflussnahme möglicher Investoren regelt. Auch den Deutschen Fußball-Bund (DFB) nahm er ins Visier: Rettig missfalle, dass die Spieler der deutschen Nationalmannschaft im Vorfeld der WM in Russland durch die CDU-nahe Konrad-Adenauer-Stiftung geschult worden seien. Bei ihm "schrillen die Alarmglocken", wenn er so etwas höre. Der Vorwurf ist insofern pikant, weil der in der Kritik stehende DFB-Präsident Reinhard Grindel jahrelang als CDU-Abgeordneter im Deutschen Bundestag saß. Dieser Darstellung widerspricht der DFB nun.

DFB: Informationen sollten die "gesellschaftspolitische Situation in Russland"

In einer schriftlichen Stellungnahme des Verbands ist zu lesen: "Die von Andreas Rettig getätigten Aussagen sind falsch." Bei der Arbeit mit der Stiftung hätten die Nationalspieler und der Betreuerstab lediglich Unterlagen erhalten, die sie auf die "gesellschaftspolitische Situation in Russland" vorbereiten sollten. Diese seien auf freiwilliger Basis von einer Mitarbeiterin der Adenauer-Stiftung erstellt und bereits vor dem Confederations Cup 2017 in Russland verteilt worden. Vor der WM seien diese Informationen noch mit Unterstützung eines Russland-Experten von Amnesty International aktualisiert und ergänzt worden.

DFB-Präsident Reinhard Grindel führte am Montag ein "längeres Gespräch" mit Andreas Rettig.
Foto: Sina Schuldt, dpa

DFB-Präsident Grindel sei in die Erstellung dieser Papiere weder eingebunden gewesen noch hätte er diese in Auftrag gegeben, betont der Verband in dem Schreiben. In einem Telefonat mit Rettig am Montag habe Grindel diese Aktivitäten erläutert, so der DFB weiter. Rettig sagte auf Anfrage unserer Redaktion lediglich: "Es gab heute ein längeres Telefonat mit Herrn Grindel, in dem er mir die Aktivitäten des DFBs rund um die die beiden Turniere erläutert hat. Dies habe ich zur Kenntnis genommen."

Rettig hatte in dem Interview an mehreren Stellen Kritik an dem deutschen Verband geübt. Der 55-Jährige sagte etwa, mit der Aufarbeitung des WM-Desasters durch den DFB nicht einverstanden zu sein: "Ich fühle mich an die WM 1998 und die EM 2000 erinnert, als die Nationalmannschaft am Boden lag. Die Frage lautete: Spieler selbst ausbilden oder einkaufen?" Damals setzte man voll auf den eigenen Nachwuchs, errichtete zum Beispiel die regionalen Stützpunkte. Nun müsse man erneut über eine Gesamtstrategie nachdenken, so Rettig. Er fügte aber hinzu: "Ich wundere mich sehr, dass der DFB sich bisher nicht zur Zukunft geäußert hat."

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