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Nationalmannschaft

15.11.2020

Nun doch: Nationalelf schließt Frieden mit Nations League

Leon Goretzka, zweifacher Tor-Vorbereiter, und Leroy Sane, Torschütze zum 1:1-Ausgleich, haben offenbar ihren Frieden mit der Nations League gemacht.
Bild: Robert Michael, dpa

Lange Zeit fremdelte die deutsche Nationalmannschaft mit diesem seltsamen Wettbewerb namens Nations League. Warum er mittlerweile für viele ein Quell der Freude ist.

Es gab Zeiten, da hätte Joachim Löw jede Möglichkeit ergriffen, um einem Spiel der Nations League fern zu bleiben. Dieser von der Uefa eingeführte Zwitter-Wettbewerb irgendwo zwischen Fuji-Cup und ernst zunehmender Meisterschaft nervte den Bundestrainer zunehmend in seiner über Jahre hinweg eingeübten Routine.

Zwischen Welt- und Europameisterschaften war es Löw gewohnt, die dazugehörige Qualifikation lässig zu meistern und ansonsten munter zu testen. Mit der Nations League aber fiel ihm das zusehends schwerer. Klar, gegen attraktive Gegner wie die Niederlande und Frankreich bei der erstmaligen Austragung ließ er seine Kicker gerne Erfahrungen sammeln, grämte sich allerdings, dass es ja dann doch irgendwie um profane Angelegenheiten wie einen möglichen Abstieg geht (der dann nur dank wirrer Uefa-Regularien verhindert wurde). Löws Team spielte munteren Fußball, kam allerdings in den ersten sechs Partien des Wettbewerbs zu keinem Sieg. Die Fans haderten.

Nun aber: Tabellenführer. Dank des 3:1-Erfolgs am Samstag gegen die Ukraine reicht dem Team am Dienstag bereits ein Punkt in Spanien, um sich zum Gruppensieger zu küren. Und dann? Böte das Finalturnier im kommenden Oktober die Möglichkeit, neben dem Confed-Cup 2017 einen weiteren Titel aufs Briefpapier stanzen zu lassen, von dem in wenigen Jahren wohl nur noch die wenigsten eindrücklich zu berichten wissen.

Löw zum Spiel Deutschland gegen Ukraine: "Partie war intensiv und interessant"

Löw immerhin hat seinen Frieden mit dem Wettbewerb gemacht. So sehr, dass er trotz der fünf Corona-Fälle im ukrainischen Team (vier Spieler und der Manager) eine Partie gegenüber einer Spielabsage präferierte. "Aus Sicht des Trainers ist es gut, dass wir gespielt haben", sagte er nach einer Partie, die seiner Meinung nach "intensiv und interessant" war. Das trifft zumindest auf die ersten 64 Minuten zu. Nachdem Timo Werner mit seinem zweiten Treffer für das 3:1 gesorgt hatte, ließ es das deutsche Team gemächlicher angehen. Das drückt sich unter anderem in den drei Pfostenschüssen aus, die das ukrainische Team am Ende für sich reklamierte.

Löw zog sich in seiner Begründung für den aufrecht erhaltenen Spielbetrieb auf eine recht bequeme Position zurück. Da sei er als Trainer schlicht der falsche Ansprechpartner. Er könne kein Spiel absagen, die "Sorgen und Gedanken der Menschen kann ich aber nachvollziehen."

Auch FCA-Spieler Philipp Max wollte den Kräftevergleich mit der Ukraine

Immerhin war Löw in seinem Willen zu spielen nicht alleine. "Ich habe gehofft, dass wir spielen und so kam es ja dann auch", sagte Philipp Max. Die Redlichkeit des Linksverteidigers wird nicht in Abrede gestellt, wenn man behauptet, dass hinter dem Spieltrieb auch persönliche Motive stecken. Schließlich konnte der 27-Jährige so die Möglichkeit nutzen, in Abwesenheit veritabler Konkurrenz für sich zu werben. Max tat es eindrücklich und schickte in seinem zweiten Länderspiel wieder einige seiner feinen Hereingaben in den Strafraum. Anders als noch beim Sieg gegen Tschechien führte diesmal allerdings keine der Flanken zu einem Treffer.

Gegen die Ukraine waren es die Qualitäten Leon Goretzkas, die das frühe Gegentor von Roman Jaremtschuk (12.) letztlich zur statistischen Petitesse verkommen ließen. Erst bereitete er mit einem energischen Ballgewinn samt wohl temperierten Pass den Ausgleich von Leroy Sané vor (23.). Zehn Minuten Später verarbeitete er ein Zuspiel Robin Kochs artistisch und schlug den Ball derart hart in die Mitte, dass Timo Werner nicht mehr anders konnte, als zur Führung einzuköpfen. Goretzka erhielt denn auch von Löw das Lob, ein "super Spiel gemacht" zu haben.

Aus der Partie gegen die Ukraine ergeben sich für Löw neue Spieler-Alternativen

Der Bundestrainer schien aber auch froh, weil er sich selbst eine neue Alternative in seinem Kader erschlossen hat. Überraschend stellte er Robin Koch diesmal im defensiven Mittelfeld auf, statt auf seiner angestammten Position in der Innenverteidigung. Koch löste auch diese Aufgabe zuverlässig. Löw war auch deswegen "angetan und begeistert" von dem ehemaligen Freiburger. Gegen die Spanier aber wird er voraussichtlich wieder in die Innenverteidigung rutschen, schließlich fehlt dort Antonio Rüdiger gelbgesperrt.

Das wiederum erhöht auch de Chancen von Felix Uduokhai, möglicherweise doch noch zu seinem ersten Länderspieleinsatz zu kommen. Der Defensivmann des FC Augsburg verbrachte wie schon die 90 Minuten gegen Tschechien zwischen Bank und Seitenlinie, wo er sich aufwärmte – und dann doch nicht spielte.

Für einen Platz im EM-Kader kann sich der 23-Jährige aber ohnehin nur Außenseiterchancen ausrechnen. Etwas über ein halbes Jahr vor der Europameisterschaft steht das Gerüst des Teams. Seitdem Löw im März des vergangenen Jahres recht unsensibel die Länderspielkarrieren von Mats Hummels, Thomas Müller und Jerome Boateng beendet hat, holte das Team zehn Siege aus 17 Partien und verlor lediglich eine einzige. Und nun winkt auch noch der Gruppensieg in dieser merkwürdigen Nations League.

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