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Olympia
01.08.2021

Wellbrock holt erste Männer-Medaille für deutsche Beckenschwimmer seit 21 Jahren

Weltmeister Florian Wellbrock holte in Tokio Bronze über 1500 Meter Freistil.
Foto: Swen Pförtner, dpa

Nach dem Rennen ist Florian Wellbrock "eigentlich sehr, sehr zufrieden". Nach der Bronzemedaille über 1500 Meter Freistil hat er weiterhin Chancen auf Gold.

Die Chronisten hatten längst die Zahlen heraus gekramt. Stev Theloke war im Jahr 2000 als bislang letzter deutscher Mann mit einer olympische Einzel-Medaille im Becken dekoriert worden. Bronze über 100 Meter Rücken war das damals. Noch weiter zurück führt die Suche nach einem männlichen Olympiasieger. Michael Groß war das. Vor 33 Jahren. Damals gewann auch Uwe Daßler Gold für die DDR. Und nun Florian Wellbrock? Der hagere Schlaks mit den auffälligen Tattoos auf der Brust, die ihn an seine Schwester erinnern. Sie starb, als Wellbrock neun Jahre alt war. „Genieß dein Leben ständig, du bist länger tot als lebendig“, steht dort. Dieser Wellbrock, der in der Vorbereitung auf Tokio bis zu 110 Kilometer in der Woche schwamm. Der Weltmeister von 2019 über die längste Strecke im Becken.

Bis kurz vor Schluss sah es so aus, als könnte Wellbrock Gold holen

Bis 1450 Meter sah tatsächlich alles danach aus, als könne Wellbrock in die Fußstapfen von Groß treten. Er führte, wenn auch knapp. Dann, auf der letzten Bahn, zogen aber der US-Amerikaner Robert Finke und Michailo Romantschuk aus der Ukraine vorbei. Wie schon über die 800 Meter hatte Wellbrock im Endspurt keine Chance. Diesmal aber blieb ihm Bronze. Denn Gregorio Paltrinieri, der ebenfalls lange in der Spitzengruppe geschwommen war, hatte abreißen lassen müssen.

„Ich bin eigentlich sehr zufrieden“, sagte Wellbrock später. Ein bisschen ärgerlich sei aber tatsächlich, „dass ich es hinten raus nicht halten konnte. Aber die anderen beiden Jungs haben einen super Job gemacht und ich will jetzt auf gar keinen Fall über eine olympische Bronzemedaille meckern.“

Es ist die zweite Bronzemedaille für die deutschen Schwimmer in Tokio

Er habe versucht, die letzten 150 Meter das Tempo noch hochzuziehen. So wollte Wellbrock den gefürchteten Endspurt des US-Amerikaners verhindern. Das Vorhaben misslang. „Man versucht, mit allem dagegen anzugehen und fühlt sich dann am Schluss ein bisschen machtlos, wenn man sieht, dass er noch mal explodiert.“

Die zweite Bronzemedaille für den Deutschen Schwimmverband (nach der für Sarah Köhler, ebenfalls über 1500 Meter) poliert dessen Bilanz ordentlich auf. Immerhin verstrichen die beiden vergangenen Sommerspiele medaillenlos für die deutschen Beckenschwimmer. Sehr schön sei, dass der DSV „verhältnismäßig besser“ abgeschnitten habe als in Rio und London, sagte Wellbrock. Doppelt schön sei, dass die zwei Medaillen nach Magdeburg gingen. Dort leben er und seine Verlobte Köhler. Trainiert werden sie von Bernd Berkhan. Der ist gleichzeitig auch einer von zwei Bundestrainern. Wellbrocks Leistung über 1500 Meter kommentierte Berkhan also aus doppelter Trainer-Perspektiven. „Er hat es geschafft, die erhoffte Medaille zu gewinnen. Darüber freuen wir uns.“ Beherzt angegangen sei sein Schützling, die Konkurrenz habe sich an ihm orientiert. „Letztendlich lag es am Endspurt, auf der letzten Bahn konnte er nicht mehr mitgehen. Er hat aber einen guten Eindruck gemacht. Ich war sehr zufrieden als Trainer.“

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Wellbrock hat weiterhin Chancen auf olympisches Gold

Für ein Gesamtfazit des deutschen Auftritts im olympischen Schwimmbecken sei es dagegen noch zu früh, sagte Berkhan. Doch er habe sehr positive Ansätze gesehen, die Entwicklung gehe seit Rio in die richtige Richtung. „Aber natürlich sehen wir auch die Defizite, die es noch gibt.“ Verschiedene Projekte seien schon angelaufen. Noch sei es aber zu früh, deren Auswirkungen zu sehen.

Ohnehin seien die Wettbewerbe in Tokio ja noch nicht beendet. Die Langstreckenschwimmer gehen noch ins Meer vor Tokio. Mit dabei ist dann auch wieder Wellbrock. Am frühen Donnerstagmorgen nimmt er den Marathon des olympischen Schwimmprogramms in Angriff. Wellbrock: „Erst einmal war es jetzt aber wichtig, dass wir das Beckenschwimmen abhaken. Jetzt heißt es regenerieren und vorbereiten auf die zehn Kilometer.“

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