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Prostitution
04.06.2014

Brasilien kämpft vor Fußball-WM gegen Sextourismus

Bewaffnete Soldaten in Rio de Janeiro (Symbolbild): In Brasilien kämpfen die Behörden gegen Auswüchse bei der Fußball-WM.
Foto: Marcelo Sayao

Sextourismus und Kinderprostitution: In Brasilien kämpfen die Behörden gegen Auswüchse bei der Fußball-WM.

Sobald es Nacht wird, läuft Adriana de Morais Streife in den Clubs von Natal. Zusammen mit ihren Kollegen von der örtlichen Kinderschutzbehörde will sie minderjährige Prostituierte von den Straßen der brasilianischen Stadt holen. Natal im Nordosten Brasiliens ist einer von zwölf Austragungsorten der Fußball-WM. Diese werden ab der kommenden Woche für einen Monat von rund 600.000 ausländischen Gästen und drei Millionen Brasilianern überschwemmt - Behörden und Kinderschützer befürchten als Nebenprodukt der WM mehr Sextourismus und Kinderprostitution.

"Es ist ein einmaliges Ereignis, das viele Ausländer zu uns bringt, und wir machen uns wirklich Sorgen über Sextourismus", sagt Morais. Ab 18 Jahren ist Prostitution in Brasilien legal. Wie viele der Prostituierten jünger sind, weiß niemand, es gibt keine offiziellen Statistiken. Doch die anonyme staatliche Hotline gegen Kindesmissbrauch verzeichnete vergangenes Jahr 124.000 Anrufe, 26 Prozent davon wegen sexueller Gewalt. Die meisten Anrufe kamen aus dem verarmten, wegen seiner idyllischen Strände aber bei Touristen beliebten Nordosten des Landes.

Noch vor einem Jahr war Taina eines der Mädchen, die in Natal auf den Strich gingen. Als sie zehn Jahre alt war, floh sie vor den andauernden Misshandlungen von zu Hause. Sie lebte auf der Straße, verkaufte sich für Essen oder Geld. "Wir gingen nach Ponta Negra", ein Touristenviertel in Natal, erzählt Taina. "Meine Freundin und ich warteten darauf, dass Autos anhielten und uns mitnahmen. Viele waren Ausländer, wenige Brasilianer." Heute ist Taina 18 Jahre alt und versucht, sich ein neues Leben aufzubauen. Mit Hilfe des Projektes für Kinderprostituierte, "Vira Vida" (Ändere Dein Leben), macht sie eine Ausbildung im Hotelgewerbe.

Die Regierung von Präsidentin Dilma Rousseff startete bereits vor Jahren eine Kampagne gegen häusliche Gewalt, sexuelle Ausbeutung von Minderjährigen und Menschenhandel. Brasilien führte einen Verhaltenskodex für Taxifahrer und Hotels ein, um Kinderprostitution dort Einhalt zu gebieten, wo sie am ehesten sichtbar wird. Vor kurzem wurde das Thema auch in der populären TV-Serie "Salve Jorge" behandelt.

Eine Anzeigenkampagne soll nun die Öffentlichkeit zusätzlich sensibilisieren. "Jeder Tourist, der in Brasilien ankommt, wird in Flugzeugen, Flughäfen, Bahnhöfen und Hotels lesen, dass die Ausbeutung von Kindern und Jugendlichen ein Verbrechen ist", sagt der Kinderschutzbeauftragte im Tourismus-Ministerium, Adelino Neto. "Großereignisse erhöhen das Risiko für Minderjährige", warnt auch Tatiana Akabane von der Organisation Childhood. "Ausgerechnet jetzt, in der Ferienzeit, wenn die Kinder nicht in der Schule sind, haben wir so ein Großereignis - mit entsprechend mehr Touristen und Alkoholkonsum."

Auch gegen sexuelle Werbebotschaften gehen die Behörden vor. Im Februar zog Adidas nach Protesten Brasiliens eine T-Shirt-Serie zurück, die ein Bikinimädchen mit dem zweideutigen Spruch "Looking to score - Brazil" (etwa: Wir versuchen zu punkten) versah. Auch T-Shirts mit "I love Brazil" und einem Herz in Form eines weiblichen Pos nahm der Sportartikelhersteller aus dem Programm. "Brasilien begrüßt gerne Touristen zur WM, ist aber auch bereit, gegen Sextourismus vorzugehen", twitterte Rousseff.

Manche Prostituierten sind über die Kampagne nicht sehr glücklich. Wie die Hotels, Fluggesellschaften und andere Unternehmen hätten auch sie das Recht, an der WM zu verdienen, betonen sie. "Der Confederations Cup im vergangenen Jahr war sehr gut für uns - und wir erwarten, dass die WM noch besser wird" sagt Cida Vieira, die Vorsitzende eines Verbands von Sexarbeitern in Belo Horizonte im Südosten des Landes. Der Verband bietet zur Vorbereitung auf die WM sogar Englischkurse für Prostituierte an.

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