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Interview

12.08.2018

Rettig kritisiert Nachwuchsarbeit: "Kein Wunder, dass uns Typen fehlen"

Andreas Rettig fordert im Interview mit unserer Zeitung einen Erhalt der 50+1-Regel.
Bild: Daniel Reinhardt, dpa

Exklusiv Der Funktionär sieht Versäumnisse bei der Jugendarbeit und vermisst eine Strategie des DFB. Die 50+1-Regel müsse bleiben, um die Klubs vor Investoren zu schützen.

Andreas Rettig  gehört zu den unbequemen Funktionären im Profifußball. Der 55-Jährige, der zwischen 2006 und 2012 als Manager beim FC Augsburg arbeitete und mittlerweile beim FC St. Pauli  als kaufmännischer Geschäftsführer die Geschicke leitet, nimmt im Exklusiv-Interview mit unserer Zeitung auch kein Blatt vor dem Mund, wenn es um Themen wie 50+1 oder Versäumnisse in der Nachwuchsarbeit geht.

Dass manche die Öffnung der Bundesliga für Investoren und damit das Ende der 50+1-Regel fordern, kann Rettig nicht nachvollziehen. Zur Erläuterung: Die 50+1-Regel besagt, dass es Kapitalanlegern nicht möglich ist, die Stimmenmehrheit bei Kapitalgesellschaften zu übernehmen, in die Fußballvereine ihre Profimannschaften ausgegliedert haben. Wenn es nach Rettig geht, muss das so bleiben: "Sehen Sie sich die Entwicklung von 1860 München an. Oder die des ehemaligen italienischen Topklubs AC Mailand. Letztlich weiß dort niemand, wem der Klub gehört, weil hinter dem Investor aus China ein undurchsichtiges Geschäftsmodell steckt."

"Einen Wettstreit mit Oligarchen kann niemand gewinnen"

Das Argument, mit dem neuen Geld könnten sowohl die Spannung in der Liga als auch die internationale Wettbewerbsfähigkeit erhöht werden, überzeugt ihn nicht: "Wenn deutsche Mannschaften rausgeflogen sind, dann nicht gegen Topklubs, sondern Teams aus Schweden, Portugal oder Frankreich. Einen Wettstreit mit Oligarchen, Staatsfonds und chinesischen Konglomeraten kann niemand gewinnen, der wirtschaftlich vernünftig denkt und handelt. Ein Neymar wechselt nicht für 250 Millionen Euro zum FC Bayern, weil der Milliardär aus Katar dann 300 Millionen bezahlt." 50+1 sei für ihn "das letzte Stoppschild in der Kommerzialisierung. Bricht dieser Damm, wird die Bundesliga-Tabelle zur Forbes-Tabelle."

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Rettig fordert vom DFB eine neue Gesamtstrategie: "Fühle mich an 1998 oder 2000 erinnert"

Der Deutsche Fußball-Bund (DFB) habe es seiner Meinung nach bislang versäumt, aus dem Scheitern bei der Weltmeisterschaft die richtigen Schlüsse zu ziehen: "Ich fühle mich an die WM 1998 und die EM 2000 erinnert, als die Nationalmannschaft am Boden lag." Nun müsse erneut über eine Gesamtstrategie nachgedacht werden: "Ich wundere mich sehr, dass der DFB sich bisher nicht zur Zukunft geäußert hat."

Handlungsbedarf, etwa in der Förderung des Nachwuchses, gebe es seiner Meinung nach genug: "Wir haben den Pass mit der Innenseite gelehrt, leider haben wir dem Nachwuchsspieler, salopp gesagt, auch die Unterhosen gebügelt." Dieses Rundum-sorglos-Paket räche sich nun: "Kein Wunder, dass uns Typen fehlen, wenn 16-Jährige nach Medienschulungen gestelzte Worthülsen von sich geben und nichtssagend und konturlos werden. Wir müssen Spieler als Persönlichkeiten entwickeln, aber auch deren Trainer."

Was Andreas Rettig zu Horst Seehofer, FCA-Spieler Martin Hinteregger und zur Debatte um Mesut Özil sagt, lesen Sie im kompletten Interview mit unserer Redaktion. Es erscheint am Montag.

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