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Motorsport

29.03.2019

Sebastian Vettel im Interview: "Die Formel 1 ist extrem"

Sebastian Vettel steht in dieser Saison bei Ferrari unter erhöhter Beobachtung. In seinem fünften Jahr bei dem Rennstall soll es endlich mit dem Titel klappen.
Bild: Hassan Ammar/AP, dpa

Der Saisonstart verlief für Sebastian Vettel enttäuschend. Der 31-jährige Ex-Weltmeister spricht über seine neue Gelassenheit und warum er Schnurrbart trägt.

Täuscht der Eindruck oder sind Sie in diesem Jahr wieder deutlich entspannter als zuletzt? Selbst nach der Enttäuschung von Melbourne wirkten Sie nicht extrem niedergeschlagen – so, als wüssten Sie, dass Sie dieses Jahr ein Auto haben, mit dem Sie um den Titel kämpfen können.

Sebastian Vettel: Wir haben ja erst ein Rennen hinter uns. Das Auto fühlte sich beim Testen in Barcelona wirklich sehr gut an, aber in Australien habe ich dieses Gefühl nie gehabt. Auch wenn der vierte Platz sicher nicht das war, was wir uns vorgestellt hatten, habe ich mir noch keine zu großen Sorgen gemacht.

Von dem  Schnurrbart haben Sie vorhin ein bisschen im Spaß gesagt, er sei eine Hommage an Nigel Mansell. Was steckt denn wirklich dahinter – in Australien war es anfangs ja sogar noch ein Vollbart.

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Vettel: Ja, aber der hat irgendwann zu sehr gejuckt. Dann habe ich ihn abgemacht und nur den Schnurrbart gelassen – so wie ich ihn letztes Jahr bei der FIA-Gala hatte. Eigentlich nur noch für einen Abend, zum Essen gehen – aber dann ist er doch geblieben. Vor kurzem habe ich mir alte Fotos von meinem Vater angeschaut, aus meiner Kinderzeit. Der hatte immer einen Schnurrbart. Damals dachte ich, das will ich nie.

Die letzte Saison war ja nicht einfach für Sie, da gab es Misserfolge, auch ein paar Fehler, viel Kritik. Haben Sie über den Winter etwas besonderes gemacht, um damit umzugehen? Es gibt ein Gerücht, Sie hätten mit einem Psychologen gearbeitet.

Vettel: Ich glaube, man muss kein Genie sein, um zu wissen, dass die ganze Atmosphäre im Team letztes Jahr zeitweise ziemlich angespannt war. Bis zur Sommerpause war noch alles okay, aber dann danach, speziell mit Monza begannen die Probleme. Das war ein schlimmes Rennen, da hätten wir viel mehr herausholen können. Danach haben wir auch in der Entwicklung des Autos die Richtung verloren und zu lange gebraucht, bis wir wieder auf den richtigen Weg gekommen sind. Damit sind auch die Spannungen angestiegen, und es war für alle, auch für mich, kein so erfreuliches Arbeiten wie es vielleicht sein sollte. Und dann kommt auch noch dazu, dass heute immer nur der Erste zählt.

In der Formel 1 wie überall anders auch, oder?

Vettel: Ja. Die Formel 1 ist in dieser Beziehung eben ganz extrem. Natürlich will ich gewinnen, zusammen mit diesem Team. Aber es kann eben nur einer gewinnen. Und Lewis und Mercedes haben uns letztes Jahr fair geschlagen, und wir sind Zweiter geworden. Wir haben verloren, das stimmt, aber wir waren ja trotzdem nicht extrem schlecht. Aber wir haben uns auch selbst so behandelt, als wären wir das gewesen. Vielleicht versuche ich jetzt, das ein bisschen anders anzugehen.

Welche Rolle spielt Mattia Binotto als neuer Teamchef dabei?

Vettel: Ich glaube, es wäre nicht fair, da Vergleiche anzustellen. Mattia ist ganz anders als Maurizio Arrivabene. Dass die beiden nicht das beste Verhältnis hatten, ist ja auch kein Geheimnis. Mattia ist im Team sehr gut bekannt und vernetzt, er ist schon sehr lange bei Ferrari, war schon in den verschiedensten Abteilungen, kennt die Leute. Auch da muss man abwarten. Er ist noch relativ neu in seiner neuen Rolle, aber er hat das volle Vertrauen des Teams – und bis jetzt macht er das sehr gut.

Noch mal zurück – Sie selbst haben also gar nichts Besonderes gemacht?

Vettel: Nein, ich weiß auch nicht, wo die Gerüchte etwa mit dem Psychologen herkamen. Nicht falsch verstehen: Ich finde es absolut nicht negativ, mit Psychologen zu arbeiten, das sind Spezialisten – und man muss dafür nicht krank sein oder massive Probleme haben, um zu ihnen zu gehen. Aber ich glaube auch, wenn man das entsprechende Umfeld hat, ein intaktes Familien- und Privatleben, dann hat man so was wie seine eigenen Psychologen rund um sich. Dann bekommt man die entsprechenden kleinen Hinweise oder manchmal auch Warnungen schon ganz automatisch – man muss nur darauf hören.

Lässt die manchmal unberechtigte Kritik Sie wirklich komplett kalt? Es ging ja jetzt in Italien schon wieder los. Letztes Jahr warf man Ihnen vor, zu aggressiv zu sein, jetzt hieß es, sie hätten sich gegen Verstappen in Australien zu wenig verteidigt...

Vettel: Ich verfolge das kaum. Deshalb kann ich sagen, dass es mich nicht besonders berührt. Zeitweise habe ich ein bisschen mehr gelesen – aber ich bin zu dem Schluss gekommen, dass mir das nicht hilft. Es macht mich nicht schneller oder besser, es erweitert meinen Horizont nicht. Was immer ich noch beweisen muss, muss ich nur mir selbst beweisen. Nicht irgendwelchen anderen Leuten, vor allem nicht denen, die ich überhaupt nicht kenne.

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