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Doping

01.04.2020

So paradiesisch sind die Zeiten für Doping-Betrüger

Weil die Dopingkontrollen derzeit ausgesetzt sind, kann gedopt werden, ohne Gefahr zu laufen, dabei erwischt zu werden.
Bild: Patrick Seeger (dpa)

Wegen des Coronavirus finden keine Dopingkontrollen statt. Das lädt Betrüger ein. Die Nada arbeitet an einem alternativen Test. Experten zweifeln aber.

Es ist eine Situation, wie sie der Sport seit den 1970er Jahren nicht mehr kennt. Der Anti-Doping-Kampf liegt brach. Inmitten der Coronakrise hat die dafür zuständige Nada alle Kontrollen eingestellt. Zu groß ist das Risiko, dass sich Kontrolleure und Sportler gegenseitig mit dem Virus anstecken. Die Nada teilt auf Anfrage mit, sie arbeite an "innovativen Lösungen, um die sauberen Sportlerinnen und Sportler während der Coronakrise zu unterstützen".

Eine Alternative soll der "Dried Blood Spot (DBS) Test" sein. Es handelt sich dabei um eine Technik mit mehr als 50 Jahren Tradition, die beim Neugeborenen-Screening zur Erkennung von Stoffwechselstörungen eingesetzt wird. Der Athlet müsste einen Tropfen Blut auf einen Teststreifen träufeln und diesen dann an das Labor der Deutschen Sporthochschule in Köln schicken. Dieses verfügt über die notwendige technische Ausstattung, um die in einem Blutstropfen enthaltenen Substanzen zu untersuchen. Man muss allerdings kein Fachmann sein, um zu erkennen, dass bei dieser Methode dem Betrug Tür und Tor geöffnet wären.

Wie soll dieser Test sicher sein?

Zwar sollen die Sportler den Vorgang offenbar filmen, um zu dokumentieren, dass das Blut tatsächlich von ihnen stammt und an besagtem Tag entnommen wurde. Wer wollte aber dennoch garantieren, ob der Tropfen, der im Labor ankommt, auch der ist, der tags zuvor aus dem Finger des Athleten tropfte?

Die Problematik sieht auch einer der renommiertesten deutschen Doping-Forscher. Professor Fritz Sörgel, Leiter des Instituts für Biomedizinische und Pharmazeutische Forschung in Heroldsberg bei Nürnberg, hält das Aussetzen der direkten Kontrollen bei Sportlern dennoch für alternativlos. "Es ist momentan eben so, und das wird auch noch einige Zeit so bleiben", sagt er.

Fritz Sörgel befürchtet, dass Dopern noch lange die Möglichkeit haben, zu betrügen
Bild: Daniel Karmann/dpa

Die Problematik sei nun, dass Doper die wettkampffreie Zeit völlig ungestört nutzen können. "Wer will, kann jetzt nachhelfen. Und zwar über einen Zeitraum, wie wir ihn seit Montreal 1976 nicht mehr kennen. Bei allen Schwächen, die das System hat, gab es seit damals zumindest den Versuch, Doping in den Griff zu bekommen."

Den Versuch der Nada, die Situation mit dem DBS-Test irgendwie in den Griff zu bekommen, sieht er kritisch. Der Test selbst sei zwar gut, auch wenn die Nachweisempfindlichkeit angesichts der geringen Menge nicht mit einer normalen Blutprobe vergleichbar sei. "Aber es stellt sich natürlich die Frage, wie es mit der Fälschungssicherheit ist." Es seien auch schon vermeintlich fälschungssichere Urinfläschchen geöffnet und wieder verschlossen worden. "Also wird es auch hier Wege geben, das System auszutricksen", sagt Sörgel. Eine Lösung des Dilemmas hat aber auch er nicht parat. "Ich wüsste nicht, wie wir es sonst machen sollen."

Jetzt dopen - in einem Jahr davon profitieren

Auch der Doping-Experte Hajo Seppelt weiß keinen Ausweg. "Ich finde es richtig, dass die Nada in Deutschland alles unternimmt, um zu versuchen, handhabbare Lösungen zu finden und die Kontrolllücke zu schließen. Aber natürlich dürfte die Nada auch wissen, dass diese Selbsttests nur suboptimal sein können", sagte der Investigativjournalist der Mainpost.

Hajo Seppelt hält die derzeitige Phase für ein optimales Schlupfloch für Betrüger.
Bild: car tba fdt

Man dürfe sich nichts vormachen: Dopingkontrollfreie Phasen seien ein ideales Schlupfloch für potenzielle Betrüger. Seppelt: "Das gilt für jedes Land der Welt. Wir können davon ausgehen, dass Doping auch Langzeiteffekte hat, wie Tierversuche mit muskelaufbauenden Präparaten gezeigt haben. Wenn man sich jetzt beim Krafttraining zu Hause die Anabolika reinschiebt und kein Kontrolleur vorbeikommt, dann kann man einen erheblichen Kraftzuwachs gewinnen, von dem man unter Umständen auch noch in einem Jahr ein Stück weit profitieren kann."

Da viele verbotene Substanzen nur für einen gewissen Zeitraum nachweisbar sind, ist das Risiko, erwischt zu werden, äußerst gering. Paradiesische Zeiten für Doper.

Lesen Sie auch: Doping-Arzt Eufemiano Fuentes: Der Pate im Radsport

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