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Biathlon-WM

19.02.2020

So stieg Dorothea Wierer in die Weltklasse auf

Der Erfolg schmeckt immer gut: Dorothea Wierer hat bereits zwei Goldmedaillen gewonnen.
Bild: Andreas Pranter, Witters

Dorothea Wierer ist der Star der Titelkämpfe. Das liegt neben ihrer sportlichen Klasse auch an ihrer offenen Art. Ihre Trainer verzweifelten teilweise an ihr.

Ihr gehört der Platz auf den Titelseiten. Selbst in der fußballlastigen Gazzetta dello Sport. Dorothea Wierer. Der Name über ihrem Foto ist golden eingefärbt. Nach Silber in der Mixed-Staffel, Gold in der Verfolgung und ihrem zweiten WM-Titel im Einzel ist die 29-Jährige nicht mehr nur in Südtirol das Gesicht von Antholz, auch den Rest Italiens erobert die Frau aus Niederrasen mit ihren Triumphen. Selbst der Ministerpräsident meldet sich via Twitter – und freut sich auf das Treffen am Wochenende mit „Doro“, wie sie alle nennen.

Das ist keine Selbstverständlichkeit für eine Wintersportart, die lange Jahre auf den alpin geprägten Norden des Landes begrenzt war. Die WM-Quoten im Sportkanal der RAI klettern rasant und sind mit 535 000 Zuschauern top. Unter den Zuschauern mehren sich die italienischsprachigen Fans, selbst bei nationalen Promis ist es Kult, zum Biathlon zu gehen. „Ich hoffe, dass die Weltcuprennen bald im nationalen Fernsehen übertragen werden, nur dann haben wir eine Chance, noch mehr in die italienischen Wohnzimmer zu kommen“, sagt Wierer.

Sogar der Ministerpräsident gratulierte Dorothea Wierer

Nach ihrem ersten WM-Titel in Östersund erhielt sie eine WhatsApp von Slalom-Legende Alberto Tomba, nach dem zweiten gratulierte schon der Regierungschef. Nach Silber in der Mixed-Staffel und Gold in der Verfolgung darf sich Italiens erste Biathlon-Gesamtweltcupsiegerin nun Doppelweltmeisterin nennen. Überall wird sie herumgereicht, begrüßt, gefeiert. Das Entscheidende: Der Druck ist weg. „Seit dem ersten Gold ist ein riesiger Rucksack abgefallen, mit einer gewissen Lockerheit ist alles möglich“, sagt Wierer.

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Die Sponsoren haben die attraktive Campionessa, die zu ihrem Permanent-Makeup ebenso steht wie zu ihrem Faible für Mode („mir gefällt es, auch die frauliche Seite zu zeigen, nicht nur, sich auf der Strecke zu schinden“), längst entdeckt. Doch als sie mit dem Helikopter eines ihrer Sponsoren im Januar zum Weltcup nach Oberhof flog, verscherzte sie es sich mit manch Bodenständigem in der Heimat nach dem Motto: Jetzt hebt sie ab. Auch die sozialen Medien bedient sie nicht ungern, mal mit Foto im Bikini, mal beim Shoppen – wissend, dass es Teil des Geschäfts ist. Wierer wird inzwischen auch auf der Straße erkannt und angesprochen. Sie hat gelernt, schnell nachzudenken, ehe sie sich äußert. Und spürt, welche Wucht ihre Worte nun besitzen. „Es ist schwierig eine Karriere aufzubauen, aber man kann sie schnell ruinieren“, sagt Wierer.

Wierer bezeichnet sich selbst als Lebefrau

Die Belastung rund um das Saisonhighlight ist enorm, aber am Druck zerbricht eine Dorothea Wierer nicht. Biathlon darf nicht alles in ihrem Leben sein, wie die Ehefrau von Langlauftrainer Stefano Corradini seit Jahren betont. Offen bezeichnet sich Wierer als „Lebefrau“. Das hat ihre Trainer manche Nerven gekostet: „Sie macht gerne mal Party“, sagt Andreas Zingerle, „das tut ihr und ihrem Kopf gut, sich mal gehen zu lassen.

Aber im Training arbeitet sie sehr ernsthaft. Sie ist sehr gereift.“ In Antholz entzieht sich Wierer nach Siegerehrungen flugs, verschwindet aus dem Rummel, um Ruhe zu finden. Die sorglosen Zeiten zu Beginn ihrer Karriere sind vorbei. Nach Olympia-Bronze 2014 in Sotschi realisierte sie, wie limitiert die Phase als Leistungssportlerin sein kann. Sie bekam im letzten Moment die Kurve und sagt: „Ich bin auf den Weg abgebogen, der mich hierher geführt hat. Es war eine gute Entscheidung. Ich hatte Glück.“

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