Newsticker

RKI meldet am Sonntag 14.611 neue Corona-Fälle
  1. Startseite
  2. Sport
  3. Supercup und Co.: Was wir uns alles vorgaukeln lassen

Supercup und Co.: Was wir uns alles vorgaukeln lassen

Kommentar Von Tilmann Mehl
01.10.2020

Der Mensch ist zugänglich für Illusionen. Dass der Supercup aber super sein soll, ist dann doch ein wenig dick aufgetragen. Damit steht er aber nicht alleine da.

Der Super Cup ist ja nichts anderes als ein offensichtlicher Etikettenschwindel. Was bitte ist super, wenn der allen nationalen Konkurrenten enteilte Pokalsieger und Meister gegen Dortmund vor leeren Rängen spielt? Zu einem Zeitpunkt, an dem die Trainer ihre Teams viel lieber zur gemeinsamen Arbeit auf dem Vereinsgelände versammeln würden. Der Mensch lässt sich gerne etwas vorgaukeln. Sigfried und Roy, David Copperfield und Wirecard-Manager haben so Reichtümer erwirtschaftet. Es ist ja auch erlaubt, ein wenig hochzustapeln. Wenn es nicht nur sauber, sondern auch noch rein werden soll. Gummibären, die Kinder und Erwachsene gleichermaßen froh machen. Die zarteste Versuchung seit es Schokolade gibt. Ist natürlich alles maßlos übertrieben, führt die Kunden aber an das richtige Supermarktregal.

Fußballfans sind nicht anders. Über acht Millionen Zuschauer verfolgten am Fernseher das Duell zwischen dem FC Bayern und Borussia Dortmund. Super-Quote für den Super Cup. Ehrlicherweise hätte die Partie lauten müssen: Ewig hungriger Dauersieger trifft auf feinfüßige Teenie-Truppe, die in München nie gut ausschaut – und außerdem geht es um nichts. Lässt sich natürlich nur schwerlich verkaufen.

Der Fuji-Cup: Das wusste man, was drin steckt

Früher war der Fußball noch ehrlicher (Bundesliga-Skandal und Büchsenwurf mal ausgenommen).

 In den 80er und 90er Jahren spielten vier Teams vor der Saison den Fuji Cup aus. Ein Vorbereitungsturnier, gesponsort von einer japanischen Firma, um Fotoapparate zu verkaufen.

Der Uefa Cup hieß in grauer Vorzeit nicht Europa League, sondern Messestadt-Pokal. Eingerichtet einzig aus dem Grund, Städte mit internationalen Handelsmessen bekannter zu machen. Fraglich, ob den in Sinsheim spielenden Hoffenheimern die Teilnahme erlaubt worden wäre. Immerhin aber gastiert demnächst die Messe „Hochzeitsträume“ in der Bundesliga-Stadt.

Als die Champions League noch der Europapokal der Landesmeister war, durften tatsächlich nur teilnehmen: die Landesmeister. Die Bayern führte der Modus unter anderem nach Craiova, Växjö (Heimat des Östers IF) oder Zabrze. Da wurde noch was für die Geografie-Kenntnisse gemacht. An der Champions League nehmen nun 32 Mannschaften teil. Der kleinere Teil davon ist wirklich Champion. Macht aber nix, der Super Cup ist ja auch nicht super.

Lesen Sie auch:

Wir wollen wissen, was Sie denken: Die Augsburger Allgemeine arbeitet daher mit dem Meinungsforschungsinstitut Civey zusammen. Was es mit den repräsentativen Umfragen auf sich hat und warum Sie sich registrieren sollten, lesen Sie hier.

Themen folgen

Sie haben nicht die Berechtigung zu kommentieren. Bitte beachten Sie, dass Sie als Einzelperson angemeldet sein müssen, um kommentieren zu können. Bei Fragen wenden Sie sich bitte an moderator@augsburger-allgemeine.de.

Bitte melden Sie sich an, um mit zu diskutieren.

Das könnte Sie auch interessieren