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Eishockey

25.09.2020

Köln-Spieler Oblinger: Was Leon Draisaitl zum besten Spieler der Welt macht

Nicht nur wegen seiner 43 Tore und 67 Vorlagen wurde Edmonton-Stürmer Leon Draisaitl in diesen Tagen ausgezeichnet.
Bild: Lynne Sladky, AP/dpa

Plus Kölns Alexander Oblinger erzählt, wie man gegen Edmonton-Star Leon Draisaitl besteht. Warum sich auch DEB-Sportdirektor Schaidnagel über die Auszeichnung freut.

Auf dem Eis sprintet und schwitzt Alexander Oblinger täglich in der Eishalle der Kölner Haie. Noch ist nicht sicher, ob die Deutsche Eishockey-Liga am 13. November loslegt. Das Training läuft und vielleicht kommt in den nächsten Wochen auch wieder Leon Draisaitl dazu, wie in jedem Herbst. In den vergangenen Jahren bereitete sich der 24-Jährige regelmäßig in seiner Geburtsstadt auf seine Arbeit in Nordamerika vor. Dann sucht auch Oblinger das Duell mit dem Star der Edmonton Oilers. „Am liebsten spiele ich gegen Leon. Das ist die schwerste Eins-gegen-eins-Situation, die du haben kannst. Wenn du da nicht alles gibst, hast du schon verloren“, erzählt der 31-jährige Außenstürmer und fügt an: „Gegen Leon lernst du am meisten.“

Misst sich am liebsten mit dem wertvollsten NHL-Spieler: Alexander Oblinger von den Kölner Haien.
Bild: dpa

Draisaitl ist nicht nur ein guter, seit Dienstag ist er der beste Eishockeyspieler der Welt. Die National Hockey League zeichnete den Angreifer als „Most Valuable Player“, als wertvollsten Spieler mit der Hart-Memorial-Trophy aus. Nicht nur mit 43 Toren und 67 Vorlagen hatte der gebürtige Kölner geglänzt. Seine Spielmacher-Qualitäten honorierten die NHL-Kollegen mit der Wahl zum herausragenden Spieler der Saison. Talent und harte Arbeit auf dem Eis werden vorausgesetzt in der besten Eishockey-Liga der Welt. „Was Leon auszeichnet, ist sein unglaublicher Überblick. Er trifft im richtigen Moment die richtigen Entscheidungen“, erzählt Alexander Oblinger, der zu Familie Draisaitl noch einen weiteren Bezug hat. „Sein Vater Peter hat mich damals als Trainer nach Köln geholt“, erzählt der gebürtige Augsburger, der nie für die Panther die Schlittschuhe geschnürt hat.

Draisaitl ist „ein bodenständiger Typ geblieben“

Nach seiner Eishockey-Ausbildung in Mannheim und Köln stürmte der 31-Jährige in der DEL für Nürnberg, Ingolstadt, Straubing und seit 2018 die Kölner Haie. Dort lernte er auch Draisaitl kennen. Nach dem Training ging es mit anderen Haie-Kumpels gemeinsam zum Essen oder auf einen Kaffee. „Leon ist im Eishockey ein Superstar, mittlerweile sogar ein Weltstar. Aber er ist ein bodenständiger Typ geblieben, sehr umgänglich“, erzählt Oblinger.

Draisaitl erfuhr in seinem Urlaub auf Mallorca von seiner Auszeichnung. Ende der Woche will er nach Deutschland zurückkehren. Da die NHL-Saison wegen der Corona-Pandemie möglicherweise erst im Dezember startet, kamen Spekulationen auf, dass die Nummer 29 der Oilers für ein deutsches DEL-Team auflaufen könnte. „Das kann ich derzeit nicht wirklich beantworten. Ich hatte keine Gespräche mit irgendwelchen Teams. Ich weiß auch nicht, wie die Regeln sind, und habe mich damit auch nicht beschäftigt. Ich fange vielleicht mit dem Eislaufen an mit dem Team meiner Heimatstadt, aber das ist auch alles“, sagte Draisaitl der Deutschen Presse-Agentur. Weltweit ist die Unsicherheit groß in der Puck-Branche. In England sagte die Liga bereits jetzt die komplette Spielzeit ab. Die DEL will am 13. November starten, doch unter den gegenwärtigen Bedingungen mit einer höchstens 20-prozentigen Zuschauerauslastung der Hallen wackelt die Saison.

Das deutsche Eishockey braucht Hilfe

„Das deutsche Eishockey braucht dringend Hilfe. Die Situation ist frustrierend. Es ist sehr, sehr schade, dass Eishockey nicht den Stellenwert hat, den es eigentlich verdient“, sagt Leon Draisaitl. Der 24-Jährige trägt allerdings kräftig dazu bei, dass die Sportart in Deutschland aus dem Schatten des allgegenwärtigen Fußballs tritt. „So eine Auszeichnung ebnet den Weg, dass auch wir deutlich wahrgenommen werden. Herzlichen Glückwunsch an Leon. Er ist einer von uns, dem eine solche Ehre zuteilwird“, sagt Stefan Schaidnagel. In den vergangenen Jahren besuchte der Sportdirektor des Deutschen Eishockey-Bundes den Nationalstürmer mehrmals in Nordamerika. Kontaktpflege zu den Nationalspielern in Übersee gehört zu Schaidnagels Aufgabengebiet.

Olympia 2022 in Peking mit allen NHL-Stars

Ein Thema in den Gesprächen sind die Winterspiele 2022 in Peking. Als die deutsche Mannschaft 2018 in Pyeongchang sensationell Silber holte, stellte die NHL keine Profis ab. In China sind die Besten der Besten allerdings wieder dabei, also auch Draisaitl. „Aus den Unterhaltungen mit ihm weiß ich, dass er Peking absolut im Fokus hat. Er ist heiß auf Olympia und die Duelle mit den anderen Nationen“, sagt Schaidnagel.

Obwohl dann alle großen Eishockey-Nationen wie Kanada, Schweden, Finnland, Tschechien und Russland ebenfalls ihre Topspieler aufbieten, rechnet sich der DEB-Sportdirektor Chancen aus. „Wir haben bis zu neun NHL-Profis im Nationalkader, darunter zwei starke Torhüter und den wertvollsten NHL-Profi – man muss uns erst einmal schlagen.“ Ein Rezept, wie dem Besten beizukommen ist, kennt Alexander Oblinger aus dem gemeinsamen Training: „Du darfst Leon nur wenig Raum und noch weniger Zeit geben, dann kann man auch gegen ihn gewinnen. Aber das ist leichter gesagt als getan.“

Lesen Sie dazu auch: Saisonstart in Gefahr: Eishockey-Klubs machen Druck

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