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Augsburger Panther
02.09.2017

Das Ende einer Liebe: Ultragruppe "Augsburg 98" hat sich aufgelöst

Eine der vielen Choreografien von „Augsburg 98“. Hier zu Ehren der verstorbenen Vereinslegende Paul Ambros im Jahr 2015.
Foto: Siegfried Kerpf (Archiv)

Die Ultragruppierung "Augsburg 98" hat sich aufgelöst. Sie legte großen Wert auf Tradition und lehnte Kommerzialisierung ab. Es gab aber noch andere Gründe für den Entschluss.

Der Internetauftritt der ehemaligen Ultragruppierung „Augsburg 98“ ist spärlich. Schnell liest man sich über einen Zehnzeiler, der das Ende der Gruppe bekannt gibt. Ansonsten: Keine Informationen, Bilder oder Berichte. Nichts, was auf die Gründe der Auflösung schließen lassen könnte.

In einer Stellungnahme vom November 2016 hatte sich der Schlussstrich erstmals angekündigt. Dort hieß es: „Die Art und Weise, wie sich die Schraube der Repression, der Kommerzialisierung und der Eventgedanke im Eishockey in immer utopischere Höhen dreht, lässt uns als Gruppe keine andere Möglichkeit mehr, als sämtliche organisierte Unterstützung der Profimannschaft des Augsburger Eislaufvereins ab sofort einzustellen.“

Ultragruppe "Augsburg 98" hatte für imposante Choreografien gesorgt

Leonardo Conti, Marketingspezialist der Panther und Mitglied des Fanbeirats, ist dankbar um die Stimmung, die von „Augsburg 98“ ausging. 19 Jahre hatten die Ultras den Augsburger EV begleitet. Hatten für imposante Choreografien gesorgt und für lautstarke Unterstützung – ob im Curt-Frenzel-Stadion oder auswärts. Besonders in Erinnerung geblieben ist eine Choreografie aus dem September 2015, mit der die Fans der verstorbenen Vereinslegende Paul Ambros gedachten.

„Nichtsdestotrotz haben sie andere Vorstellungen vom Eishockeysport“, sagt Conti. Besonders in Bezug auf das Spannungsverhältnis zwischen Tradition und Eventisierung. Contis oberstes Interesse ist, dass die Panther wettbewerbsfähig bleiben. „Es gibt so viele Angebote in der Stadt Augsburg wie Kinos oder Konzerte, mit denen wir konkurrieren müssen.“

Der Ultra-Gruppierung war das, was sie Profitstreben nennen, ein Dorn im Auge. „In Augsburg gibt es ein sehr traditionsbewusstes Publikum, es wird ja auch noch vom AEV geredet“, sagt auch Stephan Praschl, Vorsitzender des Fanbeirats, bestehend aus den Fanklub-Vorsitzenden und Conti.

Brandschutzmaßnahmen haben Choreografien erschwert

Ursachen für die Auflösung waren neben den kommerziellen Meinungsverschiedenheiten aber auch gesetzliche Vorschriften. Zum Beispiel Brandschutzmaßnahmen, die das Planen und Entwerfen von größeren Choreografien erschwerten. Conti weist darauf hin, dass die Augsburger Panther nicht alles untersagt hätten. „Choreografien durften im Einzelfall auch mal größer sein, als erlaubt“, sagt Conti. Aber beispielsweise der Einsatz von Wunderkerzen, der früher im noch offenen Stadion gestattet war, sei nicht mehr realisierbar.

Conti betont, dass der Verein noch immer Kontakte zu alten „Augsburg 98“-Mitgliedern pflegt. Einige Ehemalige seien noch im Fanklub „Fuggerstadtkollektiv“ tätig. „Es liegt nicht in unserer Hand, etwas zu formen. Aber ich bin guter Dinge, dass sich die Fanklubs kurzschließen und auch in Zukunft für Stimmung und Choreografien sorgen“, erzählt Conti zuversichtlich.

Stephan Praschl wird auch in Zukunft mit einigen ehemaligen Ultras zu tun haben. Zusätzlich zu seinem Amt im Fanbeirat ist er Vorsitzender im „Fuggerstadtkollektiv“. Er geht davon aus, dass aus dem Umfeld von „Augsburg 98“ weiterhin „fähige Fans“ die Stimmung im Stadion mitentfachen. Generell sieht er für die Atmosphäre in der kommenden Saison nicht schwarz. Auch die Umsetzung von Choreografien soll weiter gehen. „Im Rahmen des Fanbeirats sollen da die Gespräche stattfinden. Es bedarf kreativer Leute und eines roten Fadens, aber es wird Zeit brauchen, bis sich etwas entwickelt.“

Stadionverbote nach Schlägerei

Zu einem weiteren Nackenschlag für das Fortbestehen der Ultras, wurde auch das Testspiel zwischen Kaufbeuren und den Augsburger Panthern im August 2016. Schlagzeilen machte damals weniger das Treiben auf dem Eis, sondern außerhalb. Augsburger und Kaufbeurer Fans gingen aufeinander los. Es folgten Stadionverbote, die der Ultragruppierung zu schaffen machten. Auf der einen Seite wegen des fallenden Ansehens, auf der anderen wegen des plötzlichen Mitgliedermangels in ihren Reihen. „Im Fußball-Ultra-Kreis gibt es einen viel größeren Pool an Leuten. Im Eishockey nicht. Durch die Stadionverbote fielen zusätzlich schon mal viele weg“, merkt Praschl an.

Er schätzt die Mitgliederzahl der ehemaligen Gruppe auf 40, hinzukommen noch einige aus dem Dunstkreis. Zudem hätten viele Mitglieder „Augsburg 98“ schlicht deshalb verlassen, weil sie älter wurden und Familien gründeten. „Beides lässt sich schwer vereinbaren“, meint Praschl.

Auf Anfrage unserer Redaktion wollten sich Mitglieder von „Augsburg 98“ nicht äußern.

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