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Augsburger Panther

19.12.2020

Er ist der Kutscher der Panther: Was der Busfahrer des AEV erlebt

Karl-Heinz Ganser zeigt sein Gefährt, mit dem er die Panther zu ihren Auswärtsspielen bringt – so wie hier beim Dolomiten-Cup.
Bild: Siegfried Kerpf

Plus Karl-Heinz Ganser geht nun in seine zehnte Saison als AEV-Busfahrer. Über spektakuläre Fahrten, Stammplätze und einen Sinneswandel.

Der Traum von Thailand treibt Karl-Heinz Ganser schon länger um. Dort nicht mehr nur als Urlauber zu leben, sondern dauerhaft – ja, das hätte was. "Die Landschaft, die Leute, das Essen, die Kultur", zählt der 61-Jährige auf, was ihm am Geburtsland seiner Frau gefällt.

"Das würde eigentlich alles passen." Das "würde" und das "eigentlich" haben aber einen Grund: Ganser ist Busfahrer der Augsburger Panther – und das so leidenschaftlich, dass der Traum von Thailand warten muss. Stattdessen geht der Füssener am Sonntag, 20. Dezember, mit der Auswärtsfahrt nach München, in seine zehnte Saison als Panther-Chauffeur.

Der Platz am Panther-Steuer war zunächst nur ein Aushilfsjob: Für das Bus-Unternehmen des inzwischen verstorbenen Füssener Ex-Nationalspielers Toni Kehle erledigte Ganser, eigentlich Postbeamter, schon länger gelegentlich Fahrten. Danach fuhr er fuhr fas Unternehmen Blau Weiß, als 2010 der Auftraggeber AEV hieß. Wann genau das war und wohin die Fahrt ging, weiß Ganser nicht mehr.

In seiner Freizeit ist der AEV-Busfahrer Ganser Ordner beim EV Füssen

Nur, dass der Trainer Larry Mitchell hieß – und die Skepsis anfangs groß war: "Eine DEL-Mannschaft quer durch Deutschland zu kutschieren, war für mich eigentlich unvorstellbar. Meine Sache ist das traditionelle Eishockey – die DEL habe ich lange als reines Söldnertum angesehen, als andere, abgehobene Welt", so Ganser, der, so oft es geht, als Ordner beim EV Füssen mithilft.

Nicht nur am Steuer für die Panther wichtig: Karl-Heinz Ganser tritt zudem auch als Betreuer und Seelentröster auf.
Bild: Siegfried Kerpf

Doch das Misstrauen war schnell verflogen: "Zwischen den Jungs in Füssen und Augsburg gab es kaum einen Unterschied. Die waren und sind fast alle von einem Schlag, ohne Allüren oder Sonderwünsche", beschreibt Ganser. Dessen hemdsärmelige und gesellige Art wiederum fand beim AEV Anklang, vor allem beim damaligen Geschäftsführer Max Fedra. "Er sagte: ,So einen Verrückten brauchen wir.’ Kurz darauf war ich fester Busfahrer."

Karl-Heinz Ganser ist bei den Augsburger Panthern Busfahrer, Betreuer und Seelentröster

Seitdem hat sich im Team um das Team einiges verändert, der Betreuerstab ist größer und professioneller geworden. Das Jobprofil von Karl-Heinz Ganser ist dagegen nahezu gleich. Er ist Busfahrer, Betreuer und Seelentröster in Personalunion: "Meine Hauptaufgabe ist mit der unfallfreien Ankunft am Stadion eigentlich vorbei. Auch danach achte ich aber darauf, dass ein Rad ins andere greift." Bedeutet: Flaschen füllen, Eis holen, Taschen herrichten – und Mut machen, wo es nötig ist.

"Gerade für jüngere Spieler bin ich auch Ansprechpartner, wenn es mal nicht so läuft", verrät Ganser, der viele Füssener Spieler wie Simon Sezemsky oder Daniel Schmölz von klein auf kennt. Er erinnert sich gut an die Saison 2017/2018. Eigengewächs Marco Sternheimer stand damals bereits im AEV-Kader, bekam aber nur wenig Spielzeit und wurde an den ERC Sonthofen verliehen. "Wir haben uns damals viel unterhalten, weil Marco mehr spielen wollte. Ich habe ihm aber immer gesagt, dass seine Chance kommt. Und so war es", berichtet Ganser. Inzwischen hat Sternheimer 87 DEL-Spiele auf dem Buckel – und seinen Stammplatz im Bus von Ganser sicher.

Der AEV-Busfahrer kennt die Vorlieben der Panther-Spieler

Die Sitzordnung im zweistöckigen Bus ist klar: Unten sind die Betreuer, das Trainer-Team um Tray Tuomie und Sportmanager Duanne Moeser, oben die Spieler. Fast alle haben – ausnahmsweise – einen Stammplatz: Thomas Jordan Trevelyan und Simon Sezemsky sitzen zum Beispiel am liebsten ganz vorne, mit freiem Blick auf die Straße. Steffen Tölzer und Thomas Holzmann machen es sich dagegen lieber hinten bequem. "Wenn viele neue Spieler dazukommen, dürfen die älteren zuerst rauf, um sich ihren Platz auszusuchen", erklärt Ganser das Prozedere zu Beginn jeder Saison. "Danach geht es nach Alter. Die Jungen müssen schauen, wo etwas frei bleibt."

Danny Kristo (rechts) wechselte im Januar 2021 aus der KHL zum AEV.
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Das ist der AEV-Kader für die Saison 2020/21
Bild: Siegfried Kerpf

Ist der Bus dann unterwegs, beschäftigt sich jeder auf seine Weise: Die Spieler karteln, lesen, hören Musik oder ruhen sich aus. Die Trainer bereiten sich per Videoanalyse auf den bevorstehenden Gegner vor, diskutieren taktische Varianten und besprechen Personalien. Geht der Matchplan auf und die Panther gewinnen, wirkt sich das naturgemäß auch auf die Stimmung im Bus aus. Aber: "Zum Feiern bleibt keine Zeit", weiß Ganser. "Die Spieler müssen ihre Akkus schnell wieder aufladen, am nächsten Tag steht oft eine Trainingseinheit an." Wirklich? Kein Bier nach einem Derby-Sieg in München? "Gut, ja, manchmal vielleicht, und dann nur eins. Standard ist das nicht", räumt Ganser ein.

Die Fahrten in der CHL mit dem AEV waren das Highlight

Auf die Frage, welche seiner Fahrten die außergewöhnlichsten waren, hat Ganser zwei Antworten: Da sind die Champions League-Trips, natürlich. Ganser fuhr die Panther im vergangenen Jahr zu den Spielen in Liberec und Biel. "Das waren Feiertage", erinnert sich der 61-Jährige. "Diese freudige Anspannung war großartig. Das kleine Augsburg auf der großen Bühne und dann auch noch so erfolgreich – wir waren alle enorm stolz."

Er ist der Kutscher der Panther: Was der Busfahrer des AEV erlebt
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So lief das erste Training der Augsburger Panther nach der Corona-Pause
Bild: Ulrich Wagner

Auf die zweite besonders denkwürdige Fahrt ist Ganser eher weniger stolz. Eine Heimreise, 2013 oder 2014: "Nach einer Pause an der Raststelle sind wir wieder losgefahren. Erst auf der Autobahn kam von oben eine Stimme, dass jemand fehlt." Es war Daryl Boyle, der es wegen Magenproblemen nicht rechtzeitig zur Abfahrt geschafft hatte. "Dabei habe ich mehrfach gefragt, ob alle da sind", versichert Ganser, als müsste er sich rechtfertigen, und betont: "Keiner hatte getrunken."

Auf die nun anstehende, erste Auswärtsfahrt nach der Corona-Pause freut sich Ganser schon lange. Den Panther-Bus zu fahren, sei für ihn "Leidenschaft, mein Hobby, meine Aufgabe. Das hat mir ziemlich gefehlt. Hätte ich vor neun Jahren, als alles anfing, so nicht gedacht."

Wie lange er noch am AEV-Steuer sitzt, weiß er nicht genau. Drei weitere Jahre gilt sein Führerschein, danach steht eine für Busfahrer verpflichtende Gesundheitsuntersuchung an. Die Lizenz noch einmal zu verlängern, um fünf Jahre, kann er sich vorstellen. "Mit 70 ist dann aber Schluss." Mit dem Traum von Thailand vor Augen dürfte das dann auch nicht allzu schwerfallen.

Dieser Artikel ist Teil unserer Beilage zur DEL-Saison 2020/21, die am 17. Dezember in den Lokalausgaben Augsburg, Augsburg-Land, Aichach, Friedberg und Schwabmünchen kostenlos der Zeitung beilag.

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