1. Startseite
  2. Sport
  3. Eishockey
  4. Augsburger Panther
  5. Lothar Sigl und Larry Mitchell: Wie weh die Trennung vom AEV tat

Interview

01.10.2019

Lothar Sigl und Larry Mitchell: Wie weh die Trennung vom AEV tat

Zwei, die sich bestens kennen: Panther-Boss Lothar Sigl und Larry Mitchell, Sportdirektor beim ERC Ingolstadt.
Bild: Ulrich Wagner

Plus Larry Mitchell war sieben Jahre Trainer in Augsburg. Jetzt ist er Sportdirektor in Ingolstadt. Vor dem Derby haben wir ihn und Panther-Boss Sigl an einen Tisch gesetzt.

Herr Mitchell, Sie waren von 13. Dezember 2007 bis 1. Dezember 2014 Cheftrainer der Augsburger Panther und kennen Lothar Sigl daher schon seit vielen Jahren. Wie würden Sie Ihr heutiges, aber auch früheres Verhältnis beschreiben?

Larry Mitchell: Bevor mich Lothar vom EV Landsberg zu den Panthern geholt hat, haben wir uns persönlich nicht gekannt. Fakt ist, dass er mir damals die Chance ermöglicht hat, in der DEL zu arbeiten. Und dafür bin ich ihm auch heute noch dankbar. Während den sieben Jahren in Augsburg habe ich mit Lothar wohl mehr gesprochen als mit meiner Lebensgefährtin (lacht). Wir haben nahezu jeden Tag miteinander telefoniert. Das Schöne an unserem Arbeitsverhältnis war: Lothar hat mich im sportlichen Bereich einfach arbeiten und Entscheidungen treffen lassen. Und das ist genau das, was ein Trainer sich wünscht – zumal er in guten und schlechten Zeiten ohnehin seinen Kopf hinhalten muss! Jetzt, wo wir für verschiedene Klubs arbeiten, telefonieren wir natürlich nicht mehr täglich (lacht). Aber zwei- bis dreimal pro Monat tauschen wir uns nach wie vor aus. Dabei geht es nicht unbedingt um unsere Vereine, sondern vielmehr um das Eishockey oder die Liga allgemein.

Sigl: Das sehe ich ähnlich! Ich würde unser Verhältnis als freundschaftlich professionell charakterisieren. Auch als wir uns im Dezember 2014 voneinander getrennt haben, hat es absolut kein böses Blut gegeben. Im Gegenteil. In meinen Augen waren es für die Augsburger Panther sieben unheimlich wichtige Jahre, in denen wir uns Schritt für Schritt immer weiter professionalisiert haben, was im Anschluss von seinen Nachfolgern entsprechend fortgeführt wurde. Was die Gegenwart betrifft: Wie Larry schon gesagt hat, macht im Tagesgeschäft jeder sein eigenes Ding. Aber ligaübergreifend gibt es immer wieder Themen, bei denen wir gleicher Meinung sind oder uns abstimmen. Was mir aber grundsätzlich wichtig ist: Ich habe auch zu allen anderen Trainern, die schon in Augsburg waren, nach wie vor Berührungspunkte und kann mich mit ihnen austauschen.

Herr Sigl, warum waren Sie im Dezember 2007 fest davon überzeugt, dass der damalige Landsberger Zweitliga-Trainer Larry Mitchell der richtige Mann für die vakante Position des Panther-Headcoaches sei?

Sigl: Ich habe eigentlich immer ein gutes Gefühl bei jungen Trainern, die noch nicht verbraucht sind beziehungsweise nicht schon zuvor bei unzähligen anderen Klubs tätig waren. Auf diese Weise habe ich schon immer versucht, den jeweils passenden Coach für die Panther zu finden. Sowohl die Erfolge, die Larry bereits aufzuweisen hatte, als auch sein Insider-Wissen auf dem Spielermarkt waren für uns damals eine extrem wichtige Geschichte, zumal bei uns ja ein kleiner personeller Umbruch bevorstand. Da der Trainer-Markt ja doch sehr groß ist, muss man sich bei seiner solchen Entscheidung letztlich auch auf das Bauchgefühl verlassen. Nachdem ich mich dann mit Larry getroffen und ein Grundkonzept erarbeitet hatte, ist bei mir der Eindruck entstanden, dass er für diese Aufgabe regelrecht brennt. Natürlich war es – sportlich betrachtet – schon ein gewisser Sprung von Landsberg nach Augsburg. Doch ich habe diese Entscheidung in keiner Sekunde bereut.

Die AZ-Redakteure Andreas Kornes (links) und Dirk Sing (rechts) im Gespräch mit Lothar Sigl und Larry Mitchell.
Bild: Ulrich Wagner

Wie war bei Ihnen, Herr Mitchell, die erste Reaktion, als Sie vom konkreten Interesse der Augsburger Panther erfahren haben?

Mitchell: Bei mir ging es zu diesem Zeitpunkt ziemlich turbulent zu, da auch schon andere DEL-Vereine Interesse an meiner Person gezeigt hatten. Als sich dann Lothar bei mir gemeldet hat und ich beim Vorstellungsgespräch in Augsburg war, wollte ich definitiv in der DEL arbeiten. Speziell die Aufgabe bei den Panthern hat mich sehr interessiert, da ich das Geschehen dort – schon allein aufgrund der räumlichen Distanz von Landsberg nach Augsburg – immer verfolgt habe. Hinzu kam, dass mit Steffen Tölzer, Patrick Buzas und Dennis Endras zu diesem Zeitpunkt bereits Akteure von den Panthern bei uns in Landsberg waren, obwohl es noch keine typische Kooperation wie heute zwischen den Klubs gegeben hat. Dennoch haben wir auf diesem Weg bereits zusammengearbeitet, wodurch es quasi indirekt diese Verbindung zwischen uns gab.

Wie kann man sich denn die Zusammenarbeit zwischen Ihnen vorstellen? Verliefen diese sieben Jahre durchwegs harmonisch oder sind auch hin und wieder mal die Fetzen geflogen?

Mitchell: Na ja, wir waren natürlich nicht immer der gleichen Meinung. Aber wie vorher bereits gesagt: Lothar hat mir sein Vertrauen geschenkt und mich machen lassen, war aber gleichzeitig immer da, wenn ich seine Hilfe gebraucht oder Fragen gehabt habe. Meine Empfindung war, dass sich Lothar eigentlich nie zu Dingen geäußert hat, wenn ich ihn nicht darum gebeten habe. Im Laufe der Zeit wurde unser gegenseitiges Vertrauen dann größer, wodurch ich ihn immer öfter – auch wenn ich letztlich die Entscheidung treffen musste – nach seiner Meinung gefragt habe.

Sigl: Für mich ist das selbstverständlich, dass alle bei uns in Ruhe arbeiten können. Es gibt in der Tat nur ganz wenige Dinge, bei denen die Vereinsführung eingreift – beispielsweise bei finanziellen Dingen oder wenn Ideen kommen, die nicht zu Augsburg passen. Letztlich hat jeder Trainer sehr schnell eingesehen und verstanden, was bei uns machbar ist und was nicht. Von dem her gab es diesbezüglich auch nie großen Diskussionsbedarf.

Mitchell: Ja, das stimmt. Mit der Zeit habe ich dann schon gewusst, ob ich einen bestimmten Spieler überhaupt vorschlagen soll. Obwohl Lothar letztlich die Verträge ausgehandelt hat, habe ich ungefähr schon gewusst, was die Spieler verdienen. Wenn dann ein potenzieller Neuzugang das Doppelte haben wollte, war mir klar, dass ich seine Verpflichtung erst gar nicht in Erwägung ziehen brauchte.

Das sportliche Highlight der „Ära Mitchell“ war sicherlich der Einzug ins DEL-Finale 2010 gegen die Hannover Scorpions (0:3). Hat dieser große Erfolg das Eishockey in Augsburg und den Verein nachhaltig verändert?

Sigl: Das hat uns natürlich schon viele Jahre begleitet – vor allem auch die Saison danach (lacht/Anm. d. Red.: Die Panther belegten in der darauffolgenden Spielzeit den letzten Platz nach der Hauptrunde). Die Erwartungshaltung der Fans oder Sponsoren ist auf einmal riesengroß. Das Ganze kann man durchaus mit unserer vergangenen Saison vergleichen. Wer glaubt, dass solche Erfolge in dieser Liga problemlos zu wiederholen seien, der irrt gewaltig. Man darf nicht vergessen, dass es in der DEL noch 13 weitere Klubs gibt, die genauso hart für den Erfolg arbeiten. Man muss sich schlichtweg in jeder Partie jeden einzelnen Zähler hart ergattern.

Die Folge-Saison 2010/2011 war für die Panther von den Grundvoraussetzungen her ohnehin keine einfache...

Sigl: Absolut! Wir konnten auf diese Vizemeisterschaft im Grunde überhaupt nicht aufbauen. Das war zu einem Zeitpunkt, als bei uns der Stadionumbau begann und wir unser erstes Heimspiel erst im Oktober oder November austragen konnten. Unsere Trainingseinheiten fanden damals in Haunstetten statt. Das ist mit heute natürlich nicht mehr zu vergleichen. Was das Tagesgeschäft betrifft, sind wir jetzt schon in einer komfortableren Situation.

Mitchell: Was man zudem nicht vergessen darf: Wir haben neun von zehn ausländischen Akteuren verloren, da wir aus finanziellen Gründen keinen halten konnten. Mit Darin Olver, Brett Engelhardt, Tyler Beechey oder Chris Collins hatten wir Jungs in unseren Reihen, die ligaweit zu den Topscorern zählten. Diese Qualität gleichwertig zu ersetzen, war seinerzeit schwierig bis nahezu unmöglich.

Würden Sie sagen, dass diese Final-Teilnahme Ihr bislang größter sportlicher Erfolg oder die dortige Niederlage vielmehr die größte Enttäuschung war?

Mitchell: Es war definitiv ein riesengroßer Erfolg. Dass die Augsburger Panther als kleiner Verein ein solches Finale erreichen, wurde ja nicht nur in Deutschland, sondern ganz Europa wahrgenommen. Aber klar, wenn du schon einmal soweit gekommen bist, möchtest du natürlich auch gewinnen – zumal die Hannover Scorpions in den Play-offs nach Mannheim, Berlin und Wolfsburg spielerisch eigentlich unser schwächster Gegner waren! Unter dem Strich muss man aber sagen: Sie haben diese Serie mit 3:0 und somit auch die Meisterschaft verdient gewonnen. Trotz allem war es einfach schön zu sehen, welch große Euphorie wir in der Stadt in diesem Zeitraum ausgelöst haben.

Larry Mitchell: "Die Augsburger Panther waren mein Baby!"

Larry Mitchell über seine Zeit in Augsburg: "Die Panther waren mein Baby!"
Bild: Ulrich Wagner

Kein schöner Moment war sicherlich die Beurlaubung von Larry Mitchell am 1. Dezember 2014. Kann man sagen, Herr Sigl, dass das die bis dahin schwerste und härteste Entscheidung in Ihrer Position als Panther-Chef war?

Sigl: Wenn man sich nach einem solch langen Zeitraum von einem Trainer trennt, dann tut das sicherlich auch weh. Fakt ist, wenn man lange zusammenarbeitet und in den Sommerpausen mit den Vertragsverhandlungen beginnt, fragt man sich nach vier oder fünf Jahren schon, ob das Ganze tatsächlich noch Sinn macht. Denn oft endet dann eine Zusammenarbeit in dieser Branche genau so, wie man es eigentlich nicht will. Damals hat sich die Situation dann leider so entwickelt, dass wir wohl ohnehin nach der Saison 2014/2015 getrennte Wege gegangen wären. Wir haben uns dann relativ einfach und freundschaftlich dazu entschieden, diesen Schritt vorzuziehen, bevor möglicherweise irgendwann auch das Persönliche darunter leidet. Wie gesagt, eine derartige Entscheidung ist sicher einige Wochen lang schmerzhaft. Aber danach geht das Leben für beide Seiten auch weiter.

Mitchell: Ich sehe das genauso! Heutzutage liest man oft zurecht, dass sich Trainer oder Spieler nicht mehr mit ihrem jeweiligen Klub identifizieren können. Ich kann mit Fug und Recht behaupten, dass ich mich seinerzeit zu 1000 Prozent mit den Augsburger Panthern identifiziert habe! Als es dann nicht nach Wunsch gelaufen ist, habe ich mich derart hineingesteigert, dass ich gesundheitlich stark angegriffen war. Im Grunde waren die Panther mein Baby! Und wenn dann der erhoffte Erfolg ausbleibt, ist das schwer zu akzeptieren. Natürlich möchte man bei einem Klub, den man mit aufgebaut hat, am liebsten ewig bleiben. Aber wie Lothar es beschrieben hat, ist diese Trennung professionell und schnell über die Bühne gegangen. Da ist von beiden Seiten absolut nichts hängen geblieben.

Weitere Seiten
  1. Lothar Sigl und Larry Mitchell: Wie weh die Trennung vom AEV tat
Themen folgen

Sie haben nicht die Berechtigung zu kommentieren. Bitte beachten Sie, dass Sie als Einzelperson angemeldet sein müssen, um kommentieren zu können. Bei Fragen wenden Sie sich bitte an moderator@augsburger-allgemeine.de.

Bitte melden Sie sich an, um mit zu diskutieren.

Das könnte Sie auch interessieren