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Augsburger Panther

04.02.2020

Panther-Chef Sigl: "Jetzt dürfen keine weiteren Verletzten hinzu kommen"

Eishockey wird an 365 Tagen im Jahr gearbeitet sagt Panther-Hauptgesellschafter Lothar Sigl.
Bild: Ulrich Wagner

Plus AEV-Chef Lothar Sigl spricht über das Budget, die Kaderplanung und die Anstrengungen der Konkurrenz vor der Wiedereinführung von Auf- und Abstieg in der DEL.

Acht von 21 Spielen waren mit 6179 Zuschauern im Curt-Frenzel-Stadion ausverkauft. Die Augsburger Panther rangieren mit einem Schnitt von 5539 Besuchern in der Deutschen Eishockey-Liga hinter den großen vier Köln (13240), Berlin (12891), Mannheim (11640) und Düsseldorf (8509) auf Platz fünf. Wie schmeckt das Hauptgesellschafter Lothar Sigl?

Lothar Sigl: Klar freut es mich, dass das Interesse der Zuschauer und der Öffentlichkeit da ist. Wir haben über viele Jahre hart gearbeitet und der sportliche Erfolg mit dem Halbfinaleinzug im vergangenen Jahre hilft uns. Der Besucher merkt, dass die Spieler sich reinhängen und viele Leute um den Klub herum viel Engagement aufbringen. Das ist eine Genugtuung für uns. Sportlich haben wir uns zu Hause wieder stabilisiert, wie sechs Heimsiege in Folge zeigen. Das liegt auch an unseren Fans. Jede Gastmannschaft weiß, dass die Zuschauer in Augsburg sofort da sind, sobald etwas auf dem Eis passiert und dass es schwer ist, hier zu gewinnen.

Meist sind die Sitzplätze, also die teurere Kategorie, zuerst vergriffen. Woran liegt das?

Panther-Chef Sigl: "Jetzt dürfen keine weiteren Verletzten hinzu kommen"

Sigl: Das Phänomen kennt man aus fast allen DEL-Standorten. Der Komfortfaktor mit einem sicheren Sitzplatz, zu dem man erst spät kommen kann, ist ein gutes Argument. Wir verzeichnen in fast allen DEL-Stadien einen Zuschauerzuwachs. Und: Die Leute kommen darauf, dass Eishockey eine spektakuläre Sportart ist, die live kaum zu toppen ist. Wenn die Zuschauer dann noch ein wenig die Regeln kennenlernen und die Feinheiten sehen, dann ist es ein tolles Erlebnis.

Zehn Spieltage vor Ende der DEL-Punktrunde liegt die Mannschaft auf dem zehnten Platz, dem letzten Rang, der zur Play-off-Teilnahme berechtigt. Sind Sie zufrieden?

Sigl: Ich habe den Sommer über gewarnt, dass man von einer guten Saison nicht auf die nächste schließen kann. Das ist nicht Mathematik, das ist Sport. Wir haben eine Statistik ausgegraben, die besagt, dass die Panther in den vergangenen zwanzig Jahren nur zwei Mal jeweils einem Play-off-Jahr direkt eine weitere Play-off-Teilnahme folgen ließen. Das ist eine normale Geschichte. Dazu kommt – das will keiner hören, ist mir aber egal – die Teilnahme in der Champions Hockey League. Das waren anstrengende acht Spiele, die allesamt Play-off-Charakter hatten. Das können die beiden anderen deutschen CHL-Teilnehmer Mannheim und München besser wegstecken, weil sie mehr Qualität und Tiefe im Kader besitzen. Ich bin froh, dass wir uns jetzt sportlich gefangen haben. Wir haben es selbst in der Hand, unser Saisonziel Nummer eins zu erreichen.

Das da wäre?

Sigl: Ziel Nummer eins ist es, eine Play-off-Runde, also Platz zehn, zu erreichen. Vielleicht schaffen wir Saisonziel zwei, das wäre das Heimrecht in der ersten Play-off-Runde. Vielleicht läuft es so gut, dass wir Saisonziel drei noch packen, also entweder über die erste Play-off-Runde oder direkt ins Viertelfinale einzuziehen. Momentan arbeiten wir an Ziel eins, und das Gute ist, dass wir es selbst in der Hand haben. Aber: Momentan haben wir mit Christoph Ullmann, Mitch Callahan und Alex Lambacher drei Langzeit-Verletzte im Sturm. Uns tut jeder Ausfall weh, da dürfen keine weiteren Verletzten hinzukommen.

In den vergangenen Tagen gab der Klub die Vertragsverlängerungen von Thomas J. Trevelyan, Olivier Roy, Simon Sezemsky, John Rogl oder Marco Sternheimer bekannt. Mit dem Kanadier Roy war erst ein Ausländer dabei. Wie gehen Sie vor?

Sigl: Grundsätzlich orientieren wir uns am Markt. Der deutsche Spielermarkt ist sehr viel schwieriger als der internationale. Von daher kommen meist zuerst die deutschen Spieler an die Reihe. Grundsätzlich beschäftigt mich das Thema zwölf Monate im Jahr. Man muss immer Augen und Ohren offen halten. Das hört nie auf. Mit den Beratern ist man permanent im Gespräch.

Der Trainer ist die wichtigste Personalie, wie sieht die Zukunft von Tray Tuomie aus?

Sigl: Wir konzentrieren uns auf die letzten Wochen. Es ist für alle Beteiligten leichter, aus einer Erfolgsposition miteinander zu reden. Im vergangenen Jahr hatten wir mit Tabellenplatz drei extremen Erfolg und alle waren euphorisiert. Deshalb konnten wir sehr viele Spieler halten. Ich bin gespannt, wo wir aktuell landen werden und danach bleibt genügend Zeit, um mit den Leuten zu reden. Aus meiner Sicht will niemand im Augenblick Augsburg wirklich verlassen.

„Es ist schwer, hier zu gewinnen“, sagt Panther-Hauptgesellschafter Lothar Sigl über die wiedererlangte Heimstärke der Augsburger Panther.
Bild: Siegfried Kerpf

Trainer Tuomie erntet inzwischen bei jeder Team-Vorstellung vor den Heimspielen mehr oder weniger Pfiffe von den Fans. Was sagt der Klubchef dazu?

Sigl: Das muss jeder Zuschauer mit sich ausmachen. Tray Tuomie ist jetzt vier Jahre bei uns, ich weiß genau, wie er arbeitet und mit welchem Engagement das komplette Trainerteam die Arbeit anpackt. Deshalb ist es für mich unbegreiflich, dass solche Reaktionen kommen. Der Zuschauer hat jedoch seine eigene Meinung und seine Eintrittskarte bezahlt. Deshalb hat er auch das Recht zu pfeifen. Aber das ist ein eigenes Thema, das die Öffentlichkeit oder die Zuschauer meinen, etwas besser beurteilen zu können als wir, die wir jeden Tag miteinander in Kontakt sind. Ich sehe das vielleicht etwas geerdeter. Für manche ist es ja nur etwas Eishockeyspielen und eine Tabelle. Als Verein kann ich das nicht als Volksabstimmung nehmen.

Wie stark wird sich das Gesicht der Mannschaft verändern?

Sigl: Es ist zu früh, darüber etwas zu sagen. Wir sind mit allen Spielern oder ihren Beratern im Gespräch. Jeder kennt die Himmelsrichtungen, wobei es Spieler mit größeren und kleineren Chancen auf eine Vertragsverlängerung gibt. Wir haben viele Personalien noch nicht final entschieden.

Können Stützen wie Drew LeBlanc oder Brady Lamb gehalten werden?

Sigl: Wir kommentieren keine Personal-Spekulationen. Aber natürlich wissen unsere Schlüsselspieler, dass wir gerne mit ihnen weiter arbeiten würden.

Brady Lamb ist der Abwehrchef der Panther - und das schon seit 2014.
14 Bilder
Der bisherige AEV-Kader für die Saison 2020/21
Bild: Siegfried Kerpf

In der kommenden Saison führt die DEL den Auf- und Abstieg wieder ein. Hat das Auswirkungen auf Ihre Kaderplanung?

Sigl: Wir werden unsere Politik nicht verlassen und uns weiter an unser Budget halten. Für uns geht es im Moment darum, unseren Finanzrahmen frühzeitig abzusichern.

Mit welchem Gesamtetat planen die Panther für die kommende Saison?

Sigl: Wir streben an, die Marke von sieben Millionen Euro zu knacken. Ich höre von Konkurrenten, die teilweise in der Tabelle hinter uns liegen, dass sie den Geldsäckel richtig öffnen können und in der Lage sind, ihren Etat von einer Saison auf die andere um einen siebenstelligen Betrag aufzublasen. Das können wir nicht und sind auch nicht bereit, irgendwelche Verrücktheiten zu machen. Die Konkurrenten fahren schon Vollgas und werfen jetzt vor der Wiedereinführung von Auf- und Abstieg den Turbolader an.

Wie schätzten Sie als Mitglied des DEL-Aufsichtsrates die finanziell schwierige Situation in Krefeld ein? Der Klub soll Rückstände von rund einer Million Euro angehäuft haben. Bleiben die Pinguine in der Liga?

Sigl: Ich weiß, was die Medien schreiben, ich habe ein paar Hintergrundinformationen. Ich hoffe wie die gesamte Liga, dass man sich einigen wird. Es wäre ja tragisch, wenn sie Gesellschafter und Geldgeber parat hätten, aber eine Einigung an internen Streitigkeiten scheitert. Das müssen die Krefelder regeln. Im Fall Nürnberg gehen nach dem Ausstieg von Schmuckhersteller Thomas Sabo die Gerüchte um, dass das Konstrukt nicht stabil sei. Aber man kann auch mit einem kleineren Budget in der DEL spielen. Das machen wir seit Jahren. Man muss dann nur ehrlich zu seinen Zuschauern sein. Man kann nicht hergehen und sagen, dass man mit seinen paar Kröten Meister werden will.

Die Spieler gehen in die Länderspielpause, was macht der Hauptgesellschafter?

Sigl: Ich fahre zu einem Panther-Termin, der drei Stunden dauern wird. Danach folgt Telefonarbeit in aller Herren Länder, das geht wegen der Zeitverschiebung bis spät in den Abend. Am Dienstag Vormittag stehen drei Gespräche im Plan. Eishockey wird 365 Tage im Jahr gearbeitet.

Lesen Sie dazu auch den Kommentar: AEV: Nach der Pause wartet ein Kraftakt.

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