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ERC Ingolstadt
03.01.2021

Der ERCI in Straubing: Alles wie (fast) immer

Lieferte trotz der Niederlage in Straubing eine starke Vorstellung ab: Ingolstadts Schlussmann Nicolas Daws (links).
Foto: Johannes Traub

Nachdem es im Testspiel zwischen den Panthern und Straubing Tigers noch mächtig zur Sache gegangen war, bleibt es diesmal ruhig. Dies ändert aber nichts daran, dass das Shedden-Team erneut den Kürzeren zieht. Am Montagabend Heimspiel gegen Mannheim.

Gemessen an seinem Wut-Potenzial ist Doug Shedden am späten Samstagabend seelenruhig. Die Mikrofone für die Pressekonferenz sind unbemerkt schon an, als er im letzten Winkel des Straubinger Eisstadions mit seinem Trainerkollegen Tom Pokel quatscht: Mhm, ja, gute Reihe, die wir da haben. Positiver Corona-Test hier, schöner Forecheck da. Alles klar, Tom, machs gut!

Ganz offiziell sagt Shedden im Interview danach noch recht zufrieden: „Wir haben verdammt großartig gespielt, verdammt großartig. Wahrscheinlich war das von uns der beste Auftritt hier seit langer Zeit.“ Man hatte jetzt nicht unbedingt den Eindruck, dass Ingolstadt soeben 1:3 verloren hatte und eine schwarze Serie ihre Fortführung fand.

Mit der Mannheimer SAP-Arena ist das Stadion am Pulverturm die einzige DEL-Halle, in der Shedden in seinen nun schon drei Jahren als ERCI-Trainer nicht gewinnen konnte. Was hat der Kanadier schon über Straubing geschimpft. „Ich mag diesen Ort und ich mag diese Halle nicht“, hat er mal nach einer Niederlage in Niederbayern gesagt. Und dann war da ja noch diese Sache in der Saison-Vorbereitung. Zwei Testspiele mit „Kriegs-Charakter“. Straubing, das vor allem mit seinen Provokateuren Mitchell Heard, Sena Acolatse und Antoine Laganière pöbelte. Ingolstadt, das sich zunehmend genervt davon zeigte. ERCI-Stürmer Daniel Pietta, der den dunkelhäutigen Acolatse mit einer Affengeste bedachte, nachdem dieser um sich geprügelt hatte. Heard, der danach auf Twitter Piettas Rauswurf forderte. Und Shedden, der drohte: „Acolatse geht auf unsere besten Männer los. Wenn Straubing dieses Spielchen spielen will, dann werden wir uns beim nächsten Mal um Jeremy Williams und Mike Connolly kümmern.“

Teams zeigen 60 Minuten ansehnliches Eishockey

Auch ohne den noch gesperrten Pietta wurde auf dieses erste Wiedersehen geblickt wie auf einen Gladiatoren-Kampf im alten Rom. Und dann? War es eher ein kalter Krieg. Beide Teams rüsteten ab. Ja, Acolatse sprang dem Gegenspieler einmal mit dem Schläger Richtung Brust. Ansonsten 60 Minuten recht ansehnliches Eishockey. Auf den Tribünen froren trotz zweier Paar Socken die Zehen ein. Am Ende gewannen die Tigers. Alles wie immer in Straubing.

Dabei war für Sheddens Team alles gut losgegangen. Mirko Höfflin hatte die Gäste in der 16. Minute zur Führung gestochert. Die Panther zeigten ihr variables Powerhockey. Straubing blieb vor allem mit Pässen tief an die gegnerische blaue Linie gefährlich. Und dann war es ausgerechnet Williams, auf den die Ingolstädter ja ein Extra-Auge werfen sollten, der in Überzahl per Schlagschuss ausglich (18.). Im zweiten Drittel schlich sich Acolatse an, erzielte die Führung, boxte vor Freude dann aber nur die Bande (24.).

Ingolstadts Torhüter Nico Daws zeigt sich selbstkritisch

„Ich hätte beide Tore haben können“, meinte ERCI-Torwart Nico Daws, der mit 20 Jahren sein erstes Profi-Punktspiel absolvierte, selbstkritisch. An ihm ist es nicht gelegen, dass das Schanzer Drama dann wieder seinen Lauf nahm. 45 Mal feuerte Ingolstadt am Ende auf das Tor von Tigers-Goalie Sebastian Vogl und untermauerte damit – bei 26 Versuchen der Straubinger – seinen Status als Team mit den höchsten Schussanteilen der Liga. Doch kein einziges Mal landete der Puck hinter der Linie.

„Wir müssen für mehr Chaos vor dem Kasten sorgen. Wir lassen uns noch zu leicht rumschubsen“, sagte Stürmer Frederik Storm, der mit seiner Reihe um Justin Feser und Petrus Palmu die Ingolstädter Sorgen versinnbildlicht. Fast 60 Mal mehr als ihre Gegner schoss die Linie in den ersten vier Saisonspielen. Nur ein Tor sprang bisher raus. „Sie spielen so gut. Aber sie belohnen sich nicht“, findet Shedden. Und Storm sagt: „Wir drei wissen, dass wir punkten können. Es geht jetzt darum, nicht zu frustriert zu werden. Wenn du deinen Schläger zu fest hältst, wird es noch schwerer, ein Tor zu schießen.“

Straubing hingegen machte es zum 3:1 ganz einfach und traf kurz vor Schluss in den leeren Kasten. Und so musste Shedden einmal mehr erklären, wie frustrierend das doch alles sei gegen die Tigers: „Ich kann meine Spieler nicht mal anschreien, weil sie nicht hart genug arbeiten. Denn sie tun es.“

Noch ein Fragezeichen hinter Neuzugang Ryan Kuffner

Und sie werden es umso mehr bereits am Montag (20.30 Uhr) in der Saturn-Arena tun müssen, wenn mit den Adler Mannheim der Meister 2019 und noch ungeschlagene Spitzenreiter der Gruppe Süd kommt. Ob Ingolstadts neuste Sturm-Ergänzung Ryan Kuffner, der am Samstag nur Tribünengast war, dann bereits eine Spielberechtigung hat, entscheidet sich kurzfristig.

„Wir wissen, wie gut sie sind. Aber so wie wir Schlittschuh laufen, habe ich das Gefühl, dass wir es mit jedem aufnehmen können“, sagt Shedden. Dann stapft er durch das Straubinger Schneetreiben Richtung Mannschaftsbus. Der Rucksack in seiner Hand ist noch offen. Als hätte er gerne noch ein paar Punkte aus Niederbayern mitgenommen.

In eigener Sache: Den aktuellen Bericht von der Partie ERC Ingolstadt gegen Adler Mannheim gibt es unter www.neuburger-rundschau.de/erci.

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