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ERC Ingolstadt

24.11.2019

Ein Sieg dank Schlaftabletten

Jubel bei den Panthern: Der ERC Ingolstadt besiegte Tabellenführer Red Bull München mit 6:4, obwohl er nach dem ersten Drittel mit 0:3 zurücklag.
Foto: Johannes Traub

Nach einer spektakulären Aufholjagd gewinnt der ERC Ingolstadt mit 6:4 gegen München. Über Coaches, Konter und das vielleicht perfekte Drittel.

Wer den Erfolg des EHC RedBull München erklären will, der kommt nicht umhin, auch über Don Jackson zu reden. Seit fast anderthalb Dekaden coacht der US-Amerikaner die Deutsche Eishockey Liga (DEL) in Grund und Boden. 14 Saisons, neun Meisterschaften, sechs mit Berlin, drei mit München. Die RedBulls sind nicht nur deshalb so dominant, weil fleißig Geld vom Brauseabfüller fließt, sondern auch, weil sie einen der Besten hinter der Bande haben.

Vielleicht hätte der ruhige Jackson gestern mit irgendeinem Kniff, einer taktischen Spielerei, einer Standpauke in der Kabine noch den Spielverderber in der Saturn-Arena geben können. Ingolstadts Ville Koistinen hätte dann nicht mit Vokuhila-Perücke eine Ehrenrunde gedreht, Hans Detsch zu Schlagersongs den Animator vor der Fankurve gegeben, Wayne Simpson nicht gesagt: „Wir sind davon überzeugt, dass wir ein komplettes Team sind.“ Aber Jackson war nicht da. Aus „privaten Gründen“, wie es hieß. Und so siegte der ERC Ingolstadt mit 6:4 (0:3, 4:0, 2:1) gegen Jackson-lose Münchner.

ERC Ingolstadt wird anfangs vorgeführt

Dabei hatte wohl keiner mehr einen Pfennig auf diesen ERC gesetzt, der anfangs vorgeführt wurde, der immer einen Schritt langsamer war – auf dem Eis und im Kopf. Trevor Parkes nutzte Colton Jobke als Sichtschutz und traf zum 0:1 (2.). Frank Mauer verlud im Solo den in den Panther-Kasten zurückgekehrten Jochen Reimer nach einem Fehlpass von Kris Foucault (4.). Der Ex-Ingolstädter Patrick Hager traf im Powerplay aus dem Slot (11.). 0:3 nach 20 Minuten gegen den Tabellenführer, der bis dato nur sechs Punkte hat liegenlassen. Aufholen? Noch Paroli bieten? Unmöglich, auch gegen ein München ohne Jackson.

Und dann kam das zweite Drittel, dann kam eine anderthalbminütige doppelte Überzahl, dann kam Mike Collins, auf Maury Edwards, auf Kris Foucault. Das Netz zappelte, die Zuschauer jubelten zaghaft, 1:3 (23.). „Wir hatten nichts mehr zu verlieren“, wird Foucault später sagen. München zog jetzt zu viele Strafen. Mirko Höfflin, wieder im Powerplay, guckte EHC-Goalie Kevin Reich aus und schoss in den kurzen Winkel (27.). Keine Minute später: Simpson lauerte an der gegnerischen blauen Linie, hämmerte seine Kelle auf’s Eis – hier, alles frei! – Fabio Wagner hörte, passte quer über die Fläche, Zwei-auf-Eins-Konter Ingolstadt. Simpson legte dem mitgelaufenen Tim Wohlgemuth seinen achten Saisontreffer auf, der Ausgleich (28.). Die Saturn-Arena: ein Tollhaus.

ERC Ingolstadt überzeugt im zweiten Drittel

München blieb dennoch dominant, der ERC hoffte auf Gegenstöße – und die exorbitanten Fähigkeiten des wohl besten Neuzugangs seit Langem: Simpson. Wieder erkannte der Amerikaner die Kontergelegenheit. Er verzögerte geschickt, zog ab, und Collins besorgte per Nachschuss die Führung (35.). Shedden sah „wohl unser bestes Drittel der gesamten Saison. Es schien, als hätten wir Schlaftabletten an München verteilt.“

Doch im Schlussabschnitt war der Tabellenführer wieder hellwach, belagerte das Tor von Reimer. Der aber hielt stand. Die vermeintliche Erlösung für die Panther kam dann mit einem „bing!“. Foucault scheiterte noch im Alleingang an Reich, dann vernaschte Matt Bailey den Gäste-Keeper aus spitzem Winkel mit einem Lattentor ins kurze Eck (55.). Kopfschütteln bei Münchens Philip Gogulla, kurz darauf dann doch noch mal Jubel: Einen Schuss von Yasin Ehliz ließ Reimer in Unterzahl passieren (58.). Red Bull nahm Reich vom Eis, foulte dann Brett Olson beim Versuch, ins verwaiste Tor einzuschießen. Die – wie sollte es mit ERC-Beteiligung in diesem Jahr auch anders sein – verrückte Partie endete mit einem technischen Treffer (60.).

„Nach dem ersten Drittel habe ich die Jungs gefragt: So wollt ihr gegen ein Top-Team gewinnen? Ihr müsst Herz zeigen und sie aus ihrer Komfortzone bringen. Denn sie spielen ihr System sehr diszipliniert“, sagte Shedden danach. Die Panther folgten. Auch Doug Shedden kann coachen. Einen zweiten freien Tag will er seinem Team dennoch nicht zugestehen. „Er will, dass wir nicht zu hoch fliegen“, verriet Foucault.

ERC Ingolstadt Reimer – Wagner, Koistinen; Edwards, Jobke; Sullivan, Friesen; Schütz – Collins, Olson, Foucault; Simpson, Wohlgemuth, D’Amigo; Elsner, Bailey, Höfflin; Detsch, Olver, Taticek – Tore 0:1 Parkes (2.), 0:2 Mauer (4.), 0:3 Hager (PP1), 1:3 Foucault (23./PP2), 2:3 Hoefflin (27./PP1), 3:3 Wohlgemuth (28.), 4:3 Collins (35.), 5:3 Bailey (55.), 5:4 Ehliz (58./PP1), 6:4 Olson (60/EN) – Zuschauer 3800.

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