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FC Augsburg

26.02.2020

Besuch im Kinderheim Friedberg: Ganz besondere 90 Minuten für Marco Richter

Marco Richter und sein begehrtes Autogramm
Bild: Christian Kolbert

Plus Warum sich der Bundesliga-Profi des FC Augsburg viel Zeit nimmt, um mit Kindern und Jugendlichen im Kinderheim Friedberg zu trainieren.

Tim läuft in dem kleinen Tor im Turnraum im Keller des Friedberger Kinderheimes zur Hochform auf. Immer wieder wirft er sich in die Schüsse und hält einen Ball nach den anderen. Verständlich, dass sich der Jugendliche so anstrengt, versucht er doch, mit Marco Richter einen gestandenen Bundesliga-Profi zu stoppen. Doch der Offensivspieler des FC Augsburg verzweifelt langsam. „Super, Tim!“, lobt der 22-Jährige, und ab und zu entfährt ihm auch ein: „Das gibt es doch nicht!“

FCA-Profi Marco Richter besucht junge Kicker im Kinderheim Friedberg

Es war am vergangenen Donnerstag ein besonderer Nachmittag für die rund 20 Kinder aus den drei heilpädagogischen Wohngruppen des Kinderheimes. Dort sind Kinder und Jugendliche im Alter von 6 bis 16 Jahren untergebracht, die aus unterschiedlichsten Gründen vorübergehend oder dauerhaft nicht bei ihren Eltern leben können. „Für die Kinder ist es wichtig, dass sie auch mal wahrgenommen werden. Dass sie in der Schule davon erzählen können, was andere nicht erleben können“, sagt Jürgen Hammer, dem Bereichsleiter des Kinderheimes. „Sie werden sicher hören, das stimmt doch gar nicht, und dann können sie ihr Autogramm oder ein Selfie mit Marco zeigen“, sagt der Familientherapeut.

Dass Marco Richter sich am trainingsfreien Nachmittag auch mit Fußball beschäftigt, hat etwas mit seiner Berater-Agentur SportsTotal zu tun. Sie zählt zu den bedeutendsten in Fußball-Deutschland. Unter anderem steht bei ihr auch Weltmeister Toni Kroos unter Vertrag, aber auch die FCA-Spieler Philipp Max, André Hahn und eben auch Marco Richter.

Besuch im Kinderheim Friedberg: Ganz besondere 90 Minuten für Marco Richter

Dass sich Max und Richter noch nicht so lange von SportsTotal vertreten lassen, ist kein Zufall. SportsTotal sieht bei beiden Profis enormes Entwicklungspotenzial. Soll heißen: Ein Wechsel zu einem größeren Verein in der Bundesliga oder ins Ausland hätte für beide Seiten Vorteile. Finanzielle und sportliche. Auch der FCA könnte profitieren, wenn die Ablösesumme stimmt. Darum ist es nicht verwunderlich, dass SportsTotal den Markt intensiv mit seinen vielfältigen Kontakten sondiert, dass Richter und Max seit Monaten immer wieder als Wechsel-Kandidaten mit verschiedensten Klubs in Verbindung gebracht werden. Diese Spekulationen sind aber oft gar nicht im Sinne der Berater. Denn die verdienen ihr Geld erst bei abgeschlossenen Deals und nicht, wenn nur darüber geredet wird.

Aber SportsTotal kümmert sich nicht nur um die geschäftlichen Angelegenheiten seiner Profis. Man sieht ihre Betreuung ganzheitlich.

Dazu gehört es auch, dass die privilegierten Klienten der Agentur ihre Popularität auch nutzen, um Gutes zu tun. Oft im Verborgenen, manchmal auch in aller Öffentlichkeit. So betreibt SportsTotal seit kurzem eine Stiftung, die auch die Kinder-, Jugend- und Altenhilfe unterstützt. Bei der ersten Spendengala im Dezember in Köln mit viel Glitzer und Glamour, zu der auch die FCA-Spieler eingeladen waren, kam Marco Richter auf die Idee, in seiner Heimatstadt etwas für hilfsbedürftige Kinder zu tun. „Ich weiß, wie privilegiert wir als Profis sind. Und ich weiß, dass ich ohne meine Familie das alles nie erreicht hätte“, erzählt Richter.

So haben sich Vater Christian und Mutter Daniela für Marco Richter als Fußballprofi eingesetzt

Vater Christian und Mutter Daniela richteten das Familienleben jahrelang nach Marcos Sport aus, versuchten aber auch, den Ansprüchen ihrer Töchter Vivian und Sophia gerecht zu werden. So kutschierten sie Marco sieben Jahre zum Training und den Spielen beim FC Bayern München. Dort spielte Marco von den F-Junioren (7 bis 8 Jahre), ehe er als jüngerer C-Junior mit 14 Jahren zum FCA wechselte.

Noch heute ist es so, dass seine Eltern fast bei jedem Heimspiel im Stadion sind. „Dann fühle ich mich einfach besser“, sagt er. „Meine Familie ist das Wichtigste für mich“, betont er und fügt dann nachdenklich an: „Ich weiß auch, dass es viele Kinder gibt, die nicht wissen, was Familie ist, die nicht so behütet aufgewachsen sind wie ich. Denen wollte ich etwas zurückgeben.“ Und was lag da näher als das Friedberger Kinderheim. „Ich bin gegenüber in die Mittelschule gegangen und daher kenne ich diese wichtige Einrichtung“, sagt Richter.

„Marco ist auf uns zugekommen mit der Bitte, da etwas zu tun. Es ist bemerkenswert, dass Marco schon mit 22 so reflektiert ist“, sagt Kai Psotta, der bei SportsTotal für die Augsburger Spieler zuständig ist. „Es muss auch nicht immer eine Spende sein. Manchmal ist es viel wichtiger, gerade solchen Kindern Aufmerksamkeit und einfach Zeit zu geben.“

Die nimmt sich Richter. Er organisiert ein Spiel, teilt die Teams ein, unterschreibt die Fußbälle, die er selbst organisiert hat, verteilt seine Autogrammkarten und steht für Selfies zur Verfügung.

Fast genau 90 Minuten dauert die Trainingseinheit. Am Ende wünschen ihm die Kinder noch viel Erfolg für das Auswärtsspiel bei Bayer Leverkusen. Es half nicht. „Das werden jetzt aber knallharte Wochen für uns“, wusste Richter schon zuvor. Das 0:2 in Leverkusen war ein kleiner Vorgeschmack auf die kommenden Wochen. Am Samstag (15.30 Uhr) erwartet der FCA in der WWK-Arena Borussia Mönchengladbach, dann geht es weiter gegen Bayern München, VfL Wolfsburg und Schalke 04.

Die Wahl zum Sportler des Jahres 2019 fand am Donnerstag im Rathaus der Stadt Augsburg statt. Die Augsburger Panther gewannen dabei gleich doppelt.
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Das war die Augsburger Sportlerwahl des Jahres im Rathaus
Bild: Siegfried Kerpf

Marco Richter steht beim FCA gegen Borussia Mönchengladbach unter besonderer Beobachtung

Die nächste Möglichkeit bietet sich dazu am Samstag. Für ihn selbst ist es auch eine wichtige Partie. Denn bei Gladbach soll der junge, talentierte Offensivspieler, der in dieser Bundesliga-Saison bisher vier Treffer erzielt hat, auf der Beobachtungsliste sehr weit oben stehen. Doch Richter muss zeigen, dass er konstant gute Leistungen erbringen kann. Damit tut er sich in dieser Saison, wie alle seine Mannschaftskameraden, schwer.

Doch all das ist kein Thema an diesem Nachmittag. Zum Schluss bittet Tim, der bei den C-Junioren des TSV Friedberg im Sturm spielt, ihn noch einmal, auf ihn zu schießen. „Ich bin ein großer Fan von Marco“, sagt Tim. Er hält auch den letzten Ball und lässt sich dann noch ein Autogramm von Marco Richter auf seinen rechten Unterarm geben. Es ist ein besonderes Geschenk. Denn Tim feierte an diesem Tag seinen 15. Geburtstag.

Lesen Sie dazu auch: FCA-Coach Schmidt scheitert mit Taktik gegen Leverkusen - und will doch daran festhalten

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