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FC Augsburg

09.08.2020

Die große Show: Wie die Choreographien der FCA-Ultras entstehen

Ein Bild, das es zumindest zu Beginn der neuen Saison nicht geben wird: Beim ersten Heimspiel der vergangenen Saison gegen Union Berlin präsentierten Fans des FC Augsburg eine beeindruckende Blockfahne, die Kaiser Augustus zeigt.
Bild: Ulrich Wagner

Plus Mit ihren Choreografien sind organisierte Fans längst Teil des Erlebnisses Bundesliga geworden. Ein Wissenschaftler erklärt, warum das auch Spannungen bergen kann.

Es war ein beeindruckendes Bild, das die Fans des FC Augsburg beim ersten Heimspiel der vergangenen Saison gegen Union Berlin präsentierten: Die komplette Stehplatztribüne wurde von einer Blockfahne umfasst. Hinter dem Banner erschien der Namenspatron der Stadt Augsburg, Kaiser Augustus, im Vordergrund ein Spruch, der an die Gladiatorenspiele angelehnt war: „Lasset die Spiele beginnen.“

Wie viel Arbeit hinter dieser Choreografie steckte, lässt sich nur erahnen. Einen Einblick in die Arbeit der organisierten Fanszene gab nun eine Veranstaltung, die Teil des Friedensfestprogramms der Stadt Augsburg war. Das Fanprojekt des Stadtjugendrings lud dazu zwei Vertreter der aktiven Fanszene, den Sozialwissenschaftler Vinzenz Thalheim der Universität Kassel sowie vom FC Augsburg Fanbetreuer Markus Wiesmeier und den Sicherheitsbeauftragten Edgar Schweininger ein. In Zeiten der Corona-Pandemie war die Vortrags- und Diskussionsrunde ausschließlich als Live-Stream zu sehen.

Eine Choreographie der FCA-Ultras folgt starren Regeln

Wie vieles im Wertekanon der Ultras, den treuesten der Fans, folgt auch eine Choreografie starren Regeln. Dazu gehört, dass die Finanzierung immer aus der eigenen Tasche stammen muss – und dass auch das am aufwendigsten bemalte Banner genau ein Mal verwendet werden soll. Jede Choreografie, die über Monate hinweg am Computer entwickelt, in unzähligen Stunden umgesetzt und im Stadion per Generalprobe getestet wurde, wird nach ihrer Benutzung weggeworfen. Michi, einer der FCA-Fans, formulierte das so: „Es ist ein trauriges Ende für eine tolle Sache.“

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Das vorrangige Ziel der Ultras ist es, mit den Aktionen die eigene Mannschaft zu unterstützen – nach Ansicht von Vinzenz Thalheim verändert sich damit aber auch die Rolle der aktiven Fanszene. „Die Ultras haben die Stadionveranstaltung verändert: Die Leute gehen auch ins Stadion, um diese Show zu sehen.“

Letztlich findet innerhalb des Fußballspiels eine zweite Veranstaltung statt. Aus Zuschauern werden damit auch Handelnde, Mitgestalter – ein Umstand, den Thalheim als „Hausherren-Dilemma“ bezeichnet. Der Begriff des Hausherren sei dabei natürlich nicht im eigentlichen, juristischen Sinn zu sehen, sondern als Metapher.

Im Idealfall können sich beide „Hausherren“ mit ihren Aktionen ergänzen: Die Fans zeigen eine starke Choreografie, der FCA gewinnt das Spiel vielleicht auch wegen der daraus resultierenden Extra-Motivation. Schwierig könne es dann werden, wenn der Verein eine Choreografie nicht erlaube oder die Fans sich nicht ausreichend geschätzt fühlen, so Thalheim.

Pyrotechnik - ein Dauerthema zwischen dem FC Augsburg und seiner Fanszene

Dass es eine Konkurrenz zwischen organisierter Fanszene und dem FC Augsburg gebe – dem widersprachen an diesem Abend sowohl die Fan-Vertreter als auch die des FCA. Markus Wiesmeier, der Fanbeauftragte, sagte: „Wir haben ein Vertrauensverhältnis und wissen: Auf unsere Ultras können wir uns verlassen.“ Dennoch gebe die Fanszene im Kampf gegen Rassismus und Rechtsradikalismus den Ton an. Dass diese Tendenzen in Augsburg keine Chance haben, sei auch das Verdienst der Ultras.

Ein Dauerthema zwischen Fanszene und Vereinen ist hingegen der Einsatz von Pyrotechnik: Für die Ultras ist es Teil ihres Selbstverständnisses, für den Verein bedeutet jeder Böller eine Strafzahlung. In Augsburg verzichtet die Fanszene darauf, Feuerwerkskörper im Stadion zu zünden – wenn es im Augsburger Block qualmt, dann bei Auswärtsspielen. Dass, wie beim Hamburger SV geschehen, der Einsatz von Pyrotechnik in speziell dafür vorgesehenen Bereichen innerhalb des Stadions erlaubt ist, können sich einige aus der Augsburger Fanszene vorstellen und plädieren dafür, Erfahrungswerte zu sammeln. Edgar Schweininger, der Sicherheitsbeauftragte des FCA, sieht das kritischer: „Wir wissen, dass in vielen Stadien in Deutschland Behörden diese Erlaubnis nicht geben würden, weil die baulichen Voraussetzungen dafür gar nicht gegeben sind.“ Die Folge sei eine uneinheitliche Lage.

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