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FC Augsburg
23.11.2020

Analyse: Der FCA braucht noch mehr Kreativität

Marco Richter feiert mit seinen Kollegen Rani Khedira, Felix Uduokhai und Daniel Caliguiri den Ausgleich zum 1:1 gegen Mönchengladbach. Doch Werbung für sich selbst konnte Richter kaum machen.
Foto: Federico Gambarini, dpa

In Mönchengladbach haben die Augsburger überraschend viel Ballbesitz. Gerade im letzten Drittel aber tun sie sich noch mit den richtigen Entscheidungen schwer.

Tobias Strobl war immer wieder zu hören. „Gut gemacht, Iago“ oder „Rani, weiter nach links“. Die Kommandos von Strobl hallten durch den leeren Gladbacher Borussia-Park. Strobl ist ein Mann der lauten Worte – auf dem Platz. Er liebt das Organisieren, das Verschieben der Mitspieler und dem Spiel des FC Augsburg eine Struktur zu geben. Der 33-Jährige hatte diesmal 56 Ballkontakte, von seinen 47 Pässen kamen 41 an. Das ist eine gute Quote und zeigt Strobls Passsicherheit. Was sie aber nicht zeigt, ist, in welche Richtung der Mittelfeldspieler die Bälle passt.

Eher riskant nach vorne, oder doch lieber eher zurück oder quer? Zu Strobls Stellenbeschreibung im defensiven Mittelfeld gehört es, dass er für eine Kompaktheit im Verbund mit Nebenmann Rani Khedira sorgt. Dass er mit Ruhe und Übersicht Angriffe vorbereitet. Ein überraschender Pass in die Spitze kommt dabei selten vor. Solche Aktionen liegen in den Händen eines Spielmachers.

FCA-Trainer Herrlich: Ballbesitzzeiten sagen nicht alles aus

Augsburgs Trainer Heiko Herrlich hatte beim 1:1 in Mönchengladbach mit Alfred Finnbogason sowie Florian Niederlechner eine Doppelspitze aufgeboten, dazu auf den Außenbahnen Daniel Caligiuri und Ruben Vargas. Unterstützt wurden die von den defensiven Mittelfeldakteuren Strobl und Khedira, der für den erkrankten Carlos Gruezo in die Startelf gerutscht war. 48 Prozent Ballbesitz hatten die Augsburger am Ende zu verzeichnen, deutlich mehr als in etlichen Spielen zuvor in dieser Saison.

Gerade bei einem Champions-League-Teilnehmer wie Mönchengladbach ist das eine beachtliche Quote. Herrlich sagte aber auch: „Ballbesitzzeiten sagen nicht alles aus. In der ein oder anderen Situation fehlt uns noch die richtige Entscheidung, um ins letzte Drittel zu kommen, denn da ist es letztlich wichtig.“ Er erinnerte sich an zwei Szenen aus der ersten Hälfte, als Daniel Caliguri auf der rechten Seite Robert Gumny übersah. „Sonst hätten vielleicht Großchancen entstehen können“, sagte Herrlich, der einräumt, dass gerade beim kreativen Spiele nach vorne „noch viel Luft nach oben ist, um uns noch mehr Tormöglichkeiten zu erspielen.“

Tobias Strobl hat auch in Mönchengladbach viel organisiert. Hinterher sprach der Augsburger von einer starken Leistung.
Foto: Stefan Puchner, dpa

Strobl sprach hinterher von einer starken Leistung. „Wir haben stark gespielt und hatten viele Ruhe am Ball.“ Sport-Geschäftsführer Stefan Reuter hat eine positive Entwicklung in dieser Saison festgestellt. Aber auch er musste am Samstag zugeben: „Wir haben uns nur wenige klare Torchancen herausgespielt.“ In der Summe waren es drei. Nach 20 Sekunden stand Alfred Finnbogason alleine vor dem Tor, in der 73. Minute Rani Khedira, beide scheiterten an Torwart Yann Sommer. In der 88. Minute vollstreckte Daniel Caliguri zum 1:1 nach einem schweren Patzer in der Gladbacher Hintermannschaft. Das war Caligiuris drittes Saisontor, so viele hatte er nach acht Spieltagen in seiner Karriere noch nie. Er zeigte einmal mehr, welche Bedeutung er nach seinem Wechsel im Sommer vom FC Schalke 04 für den FC Augsburg hat.

Der FC Augsburg spielte gegen Gladbach offensiver als zuletzt

In der vergangenen Saison lagen die Augsburger in der Statistik des Ballbesitzes am Tabellenende. Auch in einigen Spielen dieser Runde hatten sie das Spielgerät deutlich seltener als der Gegner. Am Samstag aber zeigte sich ein Aufwärtstrend. „Wir haben versucht, offensiver als zuletzt aufzutreten“, erklärte Daniel Caligiuri. Das ließ sich über weite Strecken gut an, wenngleich nach wie vor deutlich wird, dass offensive Kreativität fehlt.

Marco Richter könnte in der Offensive helfen

Ein Marco Richter könnte die bringen. Entweder auf der Außenbahn oder im Zentrum hinter der Sturmspitze. Der 22-Jährige denkt sehr offensiv und hat eine gute Technik. Am Samstag wurde er erst in der 81. Minute eingewechselt. In der Vorbereitung fiel Richter wegen einer Verletzung kurzzeitig aus, das kostete ihn den Platz in der Startelf. Wohl aber auch, dass er in der Transferperiode gerne gewechselt wäre und nach dem Scheitern der Gespräche mit Köln davon sprach, den angestrebten Wechsel noch längst nicht aus dem Kopf zu haben. Zuletzt war er sogar mal für die U23 des FCA abgestellt worden, ist nun aber wieder regelmäßig im Profikader. Und vielleicht bekommt er ja am Samstag gegen Freiburg seine Chance von Beginn an.

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