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FC Augsburg

22.10.2020

FCA-Profi Tobias Strobl im Interview: "Wir brauchen mehr Ruhe am Ball"

Tobias Strobl möchte auch weiterhin die Richtung im defensiven Mittelfeld beim FC Augsburg vorgeben.
Bild: Peter Fastl

Plus Tobias Strobl spricht über sein erstes Spiel von Beginn an für den FC Augsburg, den Konkurrenzkampf im Mittelfeld und die Baustellen in der Spielweise.

Herr Strobl, Sie haben gegen Leipzig Ihr erstes Spiel von Anfang an für den FC Augsburg bestritten. Wie hat sich das angefühlt?

Tobias Strobl: Es war schön, wieder auf dem Platz zu stehen. Mein letztes Pflichtspiel von Beginn an war schon etwas her, das war Ende Mai mit Gladbach. Es hat sich gut angefühlt, ich bin froh, wieder von Anfang an spielen zu können. Darauf kann man aufbauen.

Ist es schwierig, nach einer längeren Pause wieder von Beginn an in einem Ligaspiel auf dem Platz zu stehen?

Strobl: Leider haben Verletzungen in der Vergangenheit bei mir dazu gehört, deswegen kenne ich die Situation. In der Vorbereitung hatte ich ja bereits ein paar Spiele von Anfang an. Es macht keinen Unterschied, ob es ein Testspiel ist oder in der Bundesliga.

Wie haben Sie sich nach dem Spiel gefühlt?

Strobl: Es war alles gut. Ich war nicht erschöpft oder müde. Ich bin einsatzbereit für Leverkusen.

Wenn Sie der Trainer dann wieder von Beginn an aufstellt. Wie sehen Sie Ihre Optionen im Konkurrenzkampf?

Strobl: Die Saison ist noch lang, wir werden alle Spieler brauchen. Konkurrenzkampf ist immer gut, dadurch entwickelt sich jeder weiter. Man muss immer 100 Prozent an sein Leistungsniveau rankommen, um dem Trainer die Entscheidung so schwer wie möglich zu machen.

Leipzig war kein einfaches Spiel für den FCA. Wie haben Sie es erlebt?

Strobl: Defensiv haben wir es richtig gut gemacht. Das 0:1 war ärgerlich, weil wir davor Leipzig keine großen Chancen ermöglicht haben. Wir hatten aber auch kaum Entlastung. Die Möglichkeiten, die wir haben, müssen wir noch sorgfältiger zu Ende spielen. Wir brauchen mehr Ruhe am Ball, dann kreieren wir auch mehr Möglichkeiten in der Offensive. Das ist unser Ziel.

Lagen die Probleme im Offensivspiel vor allem am starken Leipziger Gegenpressing?

Strobl: Wenn man viel Ballbesitz hat, hat man Kraft, um schnell ins Gegenpressing zu gehen und den Gegner unter Druck zu setzen. Wenn du aber viel hinterherläufst, und schaust, dass du defensiv gut stehst, ist es nicht immer so einfach, den Schalter umzulegen. Das ist ein Entwicklungsprozess, für den wir noch ein bisschen Zeit in der Saison brauchen. Das ist ganz normal.

Was könnten Sie sonst noch mitnehmen aus dem Leipzig-Spiel?

Strobl: Defensiv sind wir auf einem guten Weg. Um für Entlastung zu sorgen, brauchen wir wie gesagt mehr Ballbesitz. Um auch Ruhephasen in unser Spiel zu bekommen.

In Leverkusen aber wird es wohl ähnlich aussehen, dass der FCA wenig Ballbesitz haben wird.

Strobl: Leverkusen ist ein ähnliches Kaliber wie Leipzig und Dortmund. Wir sollten schauen, dass wir defensiv gut stehen, dass wir unserem Nebenmann helfen und als Einheit auftreten. Vielleicht können wir schon aus dem Leipzig-Spiel lernen und gehen ruhiger mit dem eigenen Ballbesitz um, um eigene Chancen zu kreieren.

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Bild: Tim Groothuis, Witters

Wie schätzen Sie den Saisonstart mit sieben Punkten aus vier Spielen ein?

Strobl: Wir sind sehr gut gestartet. Mit sieben Punkten können wir leben. Es ist aber noch ein weiter Weg. Wir haben unsere Baustellen, die wir noch besser machen müssen. Es ist aber gut, dass die Defensive steht. Der Rest entwickelt sich, wenn du das in den Trainingswochen immer trainierst.

Wie fühlen Sie sich mittlerweile in Augsburg? Sind Sie gut angekommen?

Strobl: Ich fühle mich sehr wohl. Die Mannschaft hat mich von Anfang an sehr gut aufgenommen. Natürlich war es zu Beginn etwas schwieriger durch die Verletzung, die ich von Gladbach mitgebracht habe. In den ersten Wochen konnte ich leider nicht mit der Mannschaft trainieren. Dabei lernt man sich auf dem Platz am besten kennen. Ich bin aber sehr glücklich über den Transfer.

Verfolgen Sie noch intensiv, was derzeit in Mönchengladbach passiert?

Strobl: Natürlich schaue ich darauf. Ich bin noch mit ein paar Spielern und dem Trainer in Kontakt. Die vier Jahre waren eine sehr intensive Zeit. Ich hatte Höhen und Tiefen. Ich bin dort zu der Person gereift, die ich aktuell bin. Ich drücke Gladbach natürlich auch in der Champions League die Daumen, dass sie dort gut abschneiden.

Denken Sie noch darüber nach, dass Sie jetzt womöglich auch Champions League spielen würden, wenn Sie nicht gewechselt wären?

Strobl: Nein, daran denke ich überhaupt nicht. Ich habe meine Entscheidung im März bewusst getroffen. Da gibt es kein Zurückschauen mehr. Ich durfte ja auch schon die Champions-League-Hymne auf dem Platz hören, das ist natürlich immer was besonderes.

Wenn Sie wie zuletzt vom positiven Corona-Test bei Bayerns Serge Gnabry hören: Was geht Ihnen da durch den Kopf?

Strobl: Das ist durchgehend ein Thema, auch in der Kabine. Wir müssen leider mit dem Virus leben, wir machen aber das beste daraus. Wir halten uns alle an die Regeln, die wir bekommen haben. Wir haben unser Umfeld eingeschränkt, damit wir fit bleiben. Aber dass es solche Fälle gibt, ist ganz normal. Es gab ja auch zuletzt zwei Spieler von Hoffenheim oder Haidara von Leipzig, die positiv getestet wurden. Wir leben damit und wissen, dass so etwas vorkommen wird.

Haben sich die Regeln bei Ihnen noch einmal verschärft durch die rasant steigenden Zahlen in Augsburg?

Strobl: Wir sind generell vorsichtig. Den Leitfaden, den wir von Anfang an an die Hand bekommen haben, erfüllen wir zu 100 Prozent, um kein Risiko einzugehen. Aber es kann jeden treffen, trotz aller Vorsichts- und Hygienemaßnahmen.

Gegen Dortmund waren 6000 Zuschauer im Stadion, zuletzt gegen Leipzig keine mehr. Wie sehr schmerzt das?

Strobl: Die Situation müssen wir annehmen, das wird so bestimmt von der Politik. Natürlich ist es schöner, vor 6000 Zuschauern oder irgendwann wieder in einem vollen Stadion zu spielen. Um mit den Zuschauern im Rücken richtig Gas zu geben. Dafür spielen wir Fußball, da sind die Emotionen, die wir lieben. Aktuell ist das leider nicht möglich, wir versuchen aber, das Beste daraus zu machen.

Hätten die Fans ähnlich wie gegen Dortmund auch gegen Leipzig zu einem anderen Ergebnis führen können?

Strobl: Da möchte ich gar nicht drüber nachdenken. Wir haben verloren, hätte, wenn und aber bringt nichts.

Wie sehen Sie das Kräfteverhältnis in der Liga nach vier Spieltagen?

Strobl: Bayern wird, wenn nichts außergewöhnliches passiert, am Ende wieder an der Spitze sein. Man darf aber das Pensum nicht unterschätzen, das die Topteams und die Nationalspieler in diesem Jahr haben. Das wird an die Substanz geben. Da heißt es, die Kräfte gut einteilen, um die lange Saison gesund zu beenden.

Ist es ein Vorteil für den FCA, dass Leverkusen am Donnerstag in der Europa League ran musste?

Strobl: Als ich international gespielt habe, habe ich mich immer sehr fit am Wochenende gefühlt. Wir sind alle den Wettkampf gewohnt. Jeder spielt lieber als zu trainieren. Deshalb ist es schön, unter der Woche und am Wochenende zu spielen. Da sehe ich keinen Nachteil für Leverkusen. Im Gegenteil: Die sind im Rhythmus, was immer gut ist.

Ist diese hohe Belastung eher für den Kopf oder den Körper schwierig?

Strobl: Eher für den Kopf. Natürlich geht es aber auch irgendwann an die körperliche Substanz. Wenn du dir aber deine Ruhephasen nimmst, macht es viel Spaß, international zu spielen.

Vielleicht klappt das ja auch mit dem FCA irgendwann wieder.

Strobl: Da haben wir aber noch ein bisschen was vor uns.

Zur Person: Tobias Strobl wurde am 12. Mai 1990 geboren. Seine Karriere begann er beim SV Aubing im Westen von München. In der Jugend spielte er anschließend beim TSV 1860. Über Hoffenheim und eine Ausleihe nach Köln kam er zu Borussia Mönchengladbach. Von dort wechselte er zum FC Augsburg. Auch, um wieder näher an seiner Familie in München zu sein.

 

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22.10.2020

Wenn Herr Strobl nach dem Spiel nicht erschöpft oder müde ist, dann muss man sich fragen, ob er auch alles für seine Mannschaft
gegeben hat.

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