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FC Augsburg

24.07.2020

FCA-Talentmanager Janker: "Wir sind nicht mehr die graue Maus"

Christoph Janker hatte seine Karriere 2019 beim FC Augsburg beendet.
Bild: Ulrich Wagner

Plus Christoph Janker spricht über die Entwicklung des FCA und wie er erreichen will, dass mehr Spieler aus dem eigenen Nachwuchs den Sprung in die Bundesliga schaffen.

Herr Janker, Sie haben am 1. Februar ihre neue Stelle als Talente-Manager beim FC Augsburg begonnen, wenig später begann die Corona-Krise. Konnten Sie sich da überhaupt schon richtig einarbeiten?

Christoph Janker: Für uns alle war es eine schwierige Zeit mit außergewöhnlichen Umständen. Wir haben es aber als Gesamtverein geschafft, das Beste daraus zu machen. Trotz der Kontaktsperre haben wir mehrere Projekte im Nachwuchsleistungszentrum (NLZ) und in der Profiabteilung anschieben können. Ich denke, dass ich mich schon gut eingearbeitet habe. Wir hatten viel Zeit, über Konzeptionen nachzudenken, weil der tägliche Spielbetrieb im NLZ weggefallen ist. Für die Jungs war es auch mal ganz gut, ohne Wettkampfdruck zu arbeiten.

Sie sind als Talente-Manager eingestellt worden. Was kann man sich darunter vorstellen?

Janker: Zu meinen Aufgaben zählt zum Beispiel die Betreuung der Profileihspieler, da hatten wir zuletzt fünf. Aktuell ist Kevin Danso noch in Southampton, weil die Saison in England noch läuft. Alle anderen sind fertig und werden zu uns zurückkehren. Ich halte während ihrer Leihen zu den Spielern Kontakt. Das war durch Corona nicht ganz so einfach. Der Plan war, dass ich die Jungs vor Ort besuche, Spiele anschaue, mich mit ihren Trainern dort austausche und schaue, ob alles passt. Das war wegen der Einschränkungen dann aber nur durch Video- oder normale Telefonie möglich.

Janker: "Ich bewerte das, was mir der Spieler selbst sagt"

Wie oft halten Sie Kontakt zu den Spielern?

Janker: Wir tauschen uns regelmäßig aus. Wenn der Spieler sich selbst meldet, gibt es meistens einen konkreten Grund. Der Austausch soll einfach eine Hilfestellung sein. Da ich selbst lange gespielt habe, kann ich mich gut in die Situationen der Jungs hineinversetzen. Ich will ein Gesprächspartner sein, mit dem man über die Zukunft oder das Sportliche spricht.

Stand jetzt kommen alle Leihspieler zurück. Wie ist zum Beispiel der Kontakt zu Michael Gregoritsch?

Janker: So wie zu den anderen Spielern auch, über WhatsApp oder Telefon. Mein letzter Stand ist, dass er in Österreich im Urlaub ist. Er kommt zurück und wird mit der Profimannschaft die Vorbereitung beginnen.

Michael Gregoritsch hatte ja im Winter deutlich gesagt, dass er Augsburg verlassen möchte. Wie haben Sie zu ihm Kontakt gehalten, ist das dann eine besondere Herausforderung?

Janker: Ich bewerte das, was mir der Spieler selbst sagt und gebe nichts auf Schlagzeilen. Michael ist selbst nicht glücklich gewesen, wie das letzte Jahr gelaufen ist und wie er medial in den Fokus geraten ist. Ich habe das Gefühl, dass er sehr motiviert ist und beim neuen Trainer eine neue Chance suchen möchte.

Wann wird Kevin Danso in Augsburg zurückerwartet?

Janker: In seinem Fall wurde die Leihe um einen Monat verlängert. Kevin und Southampton haben diesen Wunsch geäußert. Wenn die Saison in England vorbei ist, kommt Kevin zu uns zurück, weil er noch Vertrag bei uns hat.

Tim Rieder hat eine starke Saison gespielt bei 1860 München. Wie wird es mit ihm weitergehen?

Janker: Auch bei ihm wurde die Leihe um zwei Wochen verlängert. Er hat noch ein Jahr Vertrag bei uns und wird mit der Profimannschaft die Vorbereitung beginnen. Bei Romario Rösch in Kerkrade wurde die Saison abgebrochen. In Zürich bei Mads Pedersen wurde die Leihe ebenfalls wegen Corona beendet.

Jetzt geht es bei Ihrem Job ja nicht nur um die Leihspieler, sondern auch um die Talente im Verein.

Janker: Zu Beginn meiner Arbeit haben wir eine Bestandsanalyse unserer Mannschaften von der U16, U17, U19 und U23 gemacht. Zusammen mit den NLZ-Trainern und Stefan Reuter. Wir haben unseren Fokus auf Spieler gelegt, denen wir zutrauen, dass sie mittelfristig in die Profimannschaft aufrücken können, wenn sie ihr Potenzial ausschöpfen.

Wie viele sind das?

Janker: Hier gibt es keine abschließende Zahl.

Christoph Janker hat zwischen 2015 und 2019 insgesamt 46 Pflichtspiele bestritten.
Bild: Julian Leitenstorfer

Wie sieht die Betreuung dieser ausgewählten Spieler aus?

Janker: Wir werden ihre Stärken und Schwächen analysieren, aber das machen wir natürlich bei all unseren Spielern. Das ist wichtig, um abzugleichen, was noch fehlt, um bei den Profis mitzuspielen. Wir nutzen technische Hilfsmittel, um GPS-, Lauf- und Geschwindigkeitsdaten zu ermitteln. Die Jugendlichen haben oft ein großes Selbstvertrauen, was auch gut ist. Aber viele meinen auch, sie könnten jetzt schon in der Bundesliga mithalten. Kicken können die alle, aber wenn man die Lauf- oder Intensitätswerte zum Beispiel von einem Profispieler mit einem U-19-Spieler vergleicht, ist das zum Teil ein himmelweiter Unterscheid. Es ist unsere Aufgabe, die athletische Voraussetzung zu schaffen, 90 Minuten Bundesliga spielen zu können. Manchmal ist es auch ganz heilsam, wenn die Jungs einzelne Einheiten bei den Profis mitmachen dürfen. Es ist besser, wenn man selbst fühlt, was Tempo und Härte bedeuten. Das bringt sie am weitesten.

Ab welchem Alter ist das Profitraining möglich?

Janker: Wir entscheiden das nach Absprache mit unseren NLZ- sowie Profi-Trainern. Da spielen mehrere Faktoren eine Rolle. Wir achten auch darauf, dass sich die Jungs in ihrer Persönlichkeit entwickeln und beurteilen nicht alleine ihre fußballerische Leistung.

Sie sprechen aber von derzeit maximal einer Handvoll Spieler, die den Sprung schaffen können.

Janker: Das ist kein geschlossener Kreis. Wir sagen nicht, dass andere Spieler keine Chance haben, in den Profifußball zu kommen. Ich bin ja selbst so ein Beispiel. Bei 1860 München war ich nicht immer das heißeste Eisen im Feuer. Man kann über Umwege auch sehr weit kommen. Bei uns werden alle gleich behandelt. Aber die Option Profitraining können wir nicht 40 NLZ-Spielern anbieten. Das muss auch eine Belohnung sein und wird nicht verschenkt.

Wie sehen Sie den FCA im Nachwuchbsbereich aufgestellt?

Janker: Gut. Wir entwickeln uns. Wir haben alle Mannschaften in den Ligen, in denen wir sie haben wollen und wir haben sehr gute Trainer für die verschiedenen Altersklassen, haben die Infrastruktur mit Trainingsplätzen weiterentwickelt und werden mit dem Internat einen weiteren Schritt machen, so dass wir die Spieler sehr gut auf den Profibereich vorbereiten können.

Torwarttrainer Zdenko Miletic soll ins NLZ für den Torhüterbereich wechseln. Wie wichtig wäre diese Position?

Janker: Ich habe mit ihm noch zusammenarbeiten dürfen. Ich würde mich freuen, wenn er sich dafür entscheidet. denn es kann für beide Seiten total fruchtbar sein. Wir haben hier gute Torhüter und wollen diese weiterentwickeln. Das Ziel ist, Torhüter für den Profibereich auszubilden.

Die bisherigen Neuzugänge bei den Profis sind eher ältere Spieler. Welches Zeichen ist das für den Nachwuchs?

Janker: Man braucht eine gute Mischung im Team. Daniel Caligiuri ist einer der Spieler, die in den letzten fünf Jahren die meisten Bundesligaspiele gemacht haben. Wir haben uns entwickelt und sind nicht mehr die graue Maus. Wir sind jetzt auch für solche Topspieler ein interessanter Verein in Kombination mit der Stadt Augsburg, dem Umfeld und der Lebensqualität. Wir können uns glücklich schätzen, dass wir solche Verpflichtungen tätigen können. Wenn unsere Jungs aus dem NLZ mal bei den Profis mittrainieren, bringt ihnen das richtig viel.

Sie haben zuletzt bei anderen Vereinen mal reingeschnuppert.

Janker: Ich war bei zwei Vereinen, einmal zehn und einmal 14 Tage. Und ich habe mir auch die Strukturen beim DFB angeschaut. Beim VfL Wolfsburg hat mir Marcel Schäfer den Einblick ermöglicht. Und bei Hertha BSC habe ich viele alte Teammitglieder getroffen. Das sind zwei NLZs, die regelmäßig Bundesligaspieler hervorbringen.

Janker: "Ein großer Baustein wird die Fertigstellung des Internats"

Haben Sie dort Dinge gesehen, die Sie mit nach Augsburg bringen konnten?

Janker: Ich bin kein Freund von Hauruck-Aktionen. Wir sind ein anderer Verein als Wolfsburg oder Hertha BSC. Wir müssen unseren eigenen Weg gehen. Manche Ideen kann man aber auch mal für sich adaptieren.

Wo sehen Sie Ansatzpunkte in Augsburg, was sich ändern muss?

Janker: Ein ganz großer Baustein wird die Fertigstellung des Internats sein. Wir wollen in Bayerisch-Schwaben und unseren Zielregionen immer stärker werden und Bedingungen bieten, die zu den besten in Deutschland gehören. Was die Plätze betrifft, haben wir extrem aufgeholt. Jetzt können wir mit dem Internatsgebäude einen weiteren Schritt machen, um den Jungs die Möglichkeit zu geben, hier zu wohnen.

Ab wann ist es sinnvoll, im Jugendbereich Spieler zu scouten?

Janker: Im Endeffekt schauen wir jeden Spieler an, auch im U-9- oder U-10-Bereich. Weil wir in Bayerisch-Schwaben jeden Spieler kennen wollen, der Qualität hat. Grundsätzlich ist unser Ziel, dass wir im Aufbaubereich einen guten Kern zusammen haben und dass wir eine Verbundenheit zum FC Augsburg herstellen.

Marco Richter hat den Sprung vom Jugendspieler zum Profi beim FCA geschafft.
Bild: Ulrich Wagner

Raphael Framberger, Marco Richter und Kevin Danso sind aktuell die Spieler aus dem eigenen Nachwuchs. Können Sie damit zufrieden sein?

Janker: Der Profisport ist knallhart. Unser Ziel ist es, dass wir die Ausbildung im NLZ ständig besser machen. Wir können nicht allen Spielern, die Potenzial haben, versprechen, dass sie vier Jahre später in der Profimannschaft spielen.

Maurice Malone, Simon Asta, Jozo Stanic oder Romario Rösch wurden als große Talente gehandelt, haben aber den Sprung noch nicht geschafft. Woran liegt das?

Janker: Das muss man differenziert betrachten und hat unterschiedliche Gründe. Jozo Stanic ist schon in der letzten Saison fester Bestandteil unserer Profimannschaft gewesen. Sein nächster Schritt sind weitere Einsatzzeiten. Simon Asta hat sich leider im Wintertrainingslager verletzt, ist aber auf dem Weg zurück. Maurice Malone entwickelt sich ebenfalls weiter, hat eine gute Perspektive. Romario Roesch hat bei seiner Leihe viel Spielpraxis sammeln können. Es ist einfach eine Entwicklung, bei der die Spieler hartnäckig dranbleiben müssen. Unter anderem Raphael Framberger hat es so geschafft. Auch Marco Richter ist jetzt ein fester Bestandteil, aber auch er hat davor zwei Saisons in der U-23-Mannschaft gespielt. Dort hat er sich entwickelt und in 60 Spielen 40 Tore und neun Assists erzielt. Der Sprung von der U23 in die Profimannschaft ist extrem groß. Einen Zwischenschritt in der zweiten Bundesliga oder in Österreich, der Schweiz oder Holland zu machen, kann sinnvoll sein.

Wie stehen Sie zur Local-Player-Regelung, also dass es eine bestimmte Anzahl an eigener Spieler auf dem Platz stehen muss?

Janker: Ich finde es spannend, wenn der Einsatz von Local Playern belohnt wird. Ich finde Modelle interessant, bei denen man zum Beispiel 120 Minuten durch Local Player abbilden könnte, so dass einer zum Beispiel 90 Minuten spielt, ein anderer 30. Auch jede Fankultur lebt davon, eigene Spieler aus der Region zu sehen. Es ist aber ein zweischneidiges Schwert. Wenn wir mehr junge Spieler aus den eigenen Reihen sehen wollen, wird vielleicht auch die Wettbewerbsfähigkeit ein Stück weit geschmälert.

Guter Draht zu bayerischen Spitzenklubs

Sehen Sie bei den Transfers einen größeren Markt für Leihspieler?

Janker: Vor allem Mannschaften aus der zweiten oder dritten Liga werden wohl verstärkt auf Leihspieler zurückgreifen, um sich externe Qualität dazu zu holen.

Beim FCA ist der Profikader gerade sehr groß. Könnte das zum Problem werden?

Janker: Die Kontrolle des Budgets ist das elementar wichtige. Da haben unsere Geschäftsführer immer besonnen gewirtschaftet. Wenn sich aber ein Spieler verändern will, weil er merkt, es reicht noch nicht, waren und sind unsere Verantwortlichen immer gesprächsbereit. Auch mein Job ist es, die Augen und Ohren offen zu halten. Wir haben viele interessante Mannschaften in der Nähe mit Nürnberg, 1860 München, Unterhaching, Heidenheim. Auch nach Würzburg gibt es einen guten Draht. Sie können sich sicher sein, dass wir mit diesen Vereinen permanent Kontakt haben Wir sind immer gewillt, den Kader zu optimieren.

Daniel Baier und der FCA trennen sich. Vor einem Jahr trafen wir Baier zum Gespräch – über Profisport und Privatleben. Hier können Sie sich die Podcast-Folge anhören:

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Die Diskussion ist geschlossen.

24.07.2020

Ja, auf die kritikabschwächende Begleitung der Augsburger Allgemeinen können sich die Verantwortlichen des FCA - die Herren Hofmann und Reuter - halt verlassen.
Eine schöne Story, dieses Interview mit Christoph Janker inhaltlich an der Schwelle Nachwuchs-Profi angesiedelt. Das lenkt so wunderbar von der causa Baier ab und kanalisiert so manchen Unmut über die Hofmann/Reuter'sche Doppelmoral (siehe z.B. Luthe)
Weiter so, wir Leser und insbesondere wir FCA-Anhänger wollen weiter in den Schlummer gesungen und gewiegt werden.

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24.07.2020

Was für eine 'Causa' denn? Dass Daniel Baier jetzt dann mal ersetzt werden muss spricht man an den Stammtischen seit mindestens fünf Jahren, oder? Ob ihm nun der Umstand, dass das durch die Genesung und Erstarkung von Carlos Gruezo, nach Corona mehr und mehr geschehen ist, schmeckte, wissen wir die Leser und FCA-Anhänger am allerwenigsten. Vllt. ist Baier froh darum, so aus der Sache rauszukommen. Er kann sich - ohne dass um eine Ablöse gefeilscht werden muss, einen neuen Verein suchen und hat daneben noch ein ordentliches Sümmchen mitgenommen. Der Verein muss sich keine Gedanken machen, wie er mit einem verdienten Spieler umgeht, der es auf der Ersatzbank schlecht aushält. Winwin für beide Seiten. Nur wenn man es mit dem Sportmanagement bekanntermaßen schlecht meint, wird man ihm daraus wieder mal einen Strick drehen wollen.

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