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FC Augsburg

18.04.2013

Jos Luhukay: Das waren die Gründe für meinen Abschied

Unter seiner Führung stieg der FC Augsburg in die Bundesliga auf: Jos Luhukay.
Bild: Jan-Philipp Strobel, dpa

Jos Luhukay war drei Jahre Trainer des FC Augsburg und führte den Verein in die Bundesliga. Dann ging er überraschend nach Berlin. Jetzt spricht er über die Gründe.

Den Fans des FC Augsburg ist Jos Luhukay in guter Erinnerung. Der Trainer führte den Verein erstmals in die Bundesliga und schaffte vergangene Saison den Klassenerhalt. Jetzt steht er mit Hertha BSC ebenfalls vor dem großen Ziel. Der Hauptstadtverein hat am kommenden Sonntag im Heimspiel gegen den SV Sandhausen die Möglichkeit, zumindest Platz zwei zu sichern und nach einem Jahr im Unterhaus wieder aufzusteigen.

Ihre Mannschaft steht kurz vor der Bundesliga-Rückkehr. Was ist das für ein Gefühl?

Luhukay: Das ist natürlich sehr schön und das Resultat harter Arbeit in den vergangenen Monaten.

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Damit war vor knapp einem Jahr, als Sie Ihren Dienst in Berlin antraten, nicht zu rechnen. Die Hertha lag am Boden.

Luhukay: In der Tat, es war am Anfang nicht leicht. Nach dem Abstieg aus der Bundesliga war bei den Spielern kein Selbstvertrauen da. Trotzdem haben wir den Aufstieg als Ziel ausgegeben, und jetzt stehen wir knapp davor.

Bevor Sie Ihre Arbeit auf dem Trainingsplatz begannen, mussten Sie auch bei der Jahreshauptversammlung des Klubs ans Rednerpult. Ungewöhnlich für einen Trainer im Profibereich...

Luhukay: Ja, das stimmt, es war allerdings nicht geplant. Doch ich habe das gemacht, weil es von der Vereinsführung gewünscht wurde. Ich habe den Mitgliedern meine Vorstellungen erläutert und die Ziele mitgeteilt. Meine Rede kam offenbar gut an, die Leute fassten Vertrauen zu mir.

Mit einer Wutrede zur Wende

Der Start in die Saison verlief dann aber trotzdem holprig. Bereits am zweiten Spieltag, nach der 1:2-Niederlage beim FSV Frankfurt, hielten Sie eine ungewöhnliche Wutrede?

Luhukay: Ich war nach der Partie in Frankfurt tief enttäuscht von der Mannschaft, sie ist nicht als Einheit aufgetreten. Das war das erste Mal in 20 Jahren als Trainer, dass ich so etwas gemacht habe. Doch diese Ansprache hat Wirkung gezeigt, es war vielleicht eine Initialzündung. Anschließend blieben wir 21 Spiele unbesiegt.

War dies auch der Grund dafür, dass aus einem verunsicherten Gebilde schnell ein Team wurde?

Luhukay: Das mag schon sein, die positive Entwicklung ging schneller vonstatten, als ich dachte. Ich bin davon ausgegangen, dass wir erst im Oktober so richtig in der Spur sind. Auch die Integration der jungen Spieler wie Brooks oder Holland gelang uns sehr schnell. Zudem spielt Ronny, der in den vergangenen Jahren nur selten seine Stärke zeigte, eine sensationelle Saison. Mittlerweile sind wir eine Mannschaft, die diesen Namen verdient und die voller Leidenschaft ihre Aufgaben angeht. Darauf bin ich schon ein bisschen stolz. Da sehe ich auch Parallelen zum FC Augsburg. Mentalität schlägt oft Qualität.

Apropos Augsburg: Wie verfolgen Sie den Weg Ihres ehemaligen Klubs?

Luhukay: Sehr intensiv. Ich hatte dort drei wunderbare Jahre. Zusammen mit Andreas Rettig, Walther Seinsch und Peter Bircks haben wir nicht nur den Aufstieg geschafft, sondern sind auch in der Bundesliga geblieben. Das hat uns kaum einer zugetraut. Ich hoffe und wünsche, dass die Mannschaft auch in dieser Saison den Klassenerhalt schafft. Dafür hat sie ja noch alle Möglichkeiten.

"Bin immer ehrlich und korrekt gewesen"

Trotz Ihrer erfolgreichen Arbeit haben Sie den FCA dann doch ziemlich überraschend verlassen. Was gab es für Gründe?

Luhukay: Wir hatten drei sehr, sehr erfolgreiche Jahre in Augsburg, in denen wir alle sportlichen Ziele erreicht haben – das war am sportlichen Limit, mehr war kaum möglich. Zudem, und das gebe ich gerne zu, hat auch der Abgang von Andreas Rettig eine Rolle gespielt. Letztlich wollte ich eine komplett neue Herausforderung. Insofern musste ich diese Entscheidung treffen.

Es wird in Augsburg immer wieder kolportiert, dass Sie nicht mit offenen Karten gespielt hätten und mit der Hertha schon vor dem letzten FCA-Saisonspiel einig gewesen wären.

Luhukay: Das stimmt absolut nicht. Ich arbeite jetzt 20 Jahre als Trainer in Deutschland und ich bin immer ehrlich und korrekt gewesen. Manager Michael Preetz rief mich, wie drei andere Vereine auch, erst nach Saisonende an. Ich war sehr überrascht, brauchte eine kurze Bedenkzeit. Mir haben übrigens viele Leute aus meinem Umfeld damals abgeraten, diesen Schritt zu gehen. Doch für mich war Hertha BSC eine echte Herausforderung. Zudem hatte ich ein gutes Gefühl. Und das hat mich nicht betrogen.

Wie geht es nach dem bevorstehenden Aufstieg weiter?

Luhukay: Wir werden uns nur punktuell verstärken und können aus finanziellen Gründen keine großen Sprünge machen.

Ist auch Sebastian Langkamp vom FC Augsburg ein Thema?

Luhukay: Wir haben auch mit ihm geredet, doch konkret ist noch nichts. Erst wenn der Aufstieg endgültig unter Dach und Fach ist, werden wir mit möglichen Neuzugängen in Verhandlungen treten.

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