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FC Augsburg

08.05.2019

Luthe: "Wir müssen in der Bundesliga um jeden Grashalm kämpfen"

Andreas Luthe stellt sich immer in den Dienst der Mannschaft, auch wenn es nur ums Wasser holen geht. Dass er nächste Saison noch in Augsburg spielt, ist aber eher unwahrscheinlich.
Bild: Ulrich Wagner

Andreas Luthe war die Nummer eins im Tor, ehe ihn Gregor Kobel abgelöst hat. Ein Gespräch über Einsatzchancen beim FCA, den Trainerwechsel und schwierige Charaktere.

War der 6:0-Sieg gegen den VfB Stuttgart Ihr Abschiedsgeschenk an die FCA-Fans?

Andreas Luthe: Ich habe noch einen Vertrag bis 2020. Im Fußball kann aber viel passieren und alles schnell gehen. Deswegen weiß ich es nicht genau.

Wenn ein Vertrag noch ein Jahr läuft, gibt es normalerweise zwei Optionen: verlängern oder wechseln? Wie groß ist Ihre Leidensfähigkeit?

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Luthe: Warum?

Zum Saisonstart wurde Ihnen Fabian Giefer vorgezogen, der patzte dann und Sie spielten in der Vorrunde 13 von 17 Spielen. In der Winterpause holte der Verein dann Gregor Kobel und der 21-Jährige wurde als Nummer eins installiert. Auch jetzt mussten Sie nach dem VfB-Spiel wieder aus dem Tor. Die Zeichen sind doch deutlich, oder?

Luthe: Ich bin da grundsätzlich sehr entspannt. In der Hinrunde habe ich mich nicht wirklich als Nummer eins gefühlt, weil die Entscheidung ja eigentlich auf Fabian gefallen war. Deswegen war es im Winter auch für mich gar nicht so schwer, für Gregor Platz zu machen. Für mich war das ein Zeichen für einen Generationenwechsel. Der FCA orientiert sich neu, was ich aus Managementsicht auch verstehen kann.

Sie haben im Januar im Trainingslager gesagt: Die Karten liegen auf dem Tisch. Hätten Sie gewechselt, wenn der FCA zugestimmt hätte?

Luthe: Ich wusste sehr früh, dass Gregor kommt, und habe auch meine Zukunftspläne dem FCA frühzeitig mitgeteilt. Für mich zählt es nicht, dass ich sicher Woche für Woche spiele. Für mich zählt die Perspektive über 2020 hinaus. Mit dem Generationenwechsel zu Gregor ist ja jetzt eine Tendenz zu sehen. Fakt ist, ich habe Vertrag bis 2020.

Darüber kann man aber reden.

Luthe: Darüber kann man im Fußball sicher reden. Im Winter wäre eine Möglichkeit da gewesen. Aber ich habe auch verstanden, dass der FCA zu diesem Zeitpunkt einem Wechsel nicht zugestimmt hat, weil man nicht wusste, wie Gregor sich entwickelt.

Es gab Gerüchte, dass Sie in die USA oder nach Japan gehen wollten…

Luthe: Ich bin jetzt 32 und hatte immer im Hinterkopf, vielleicht mal ganz was anderes zu machen. Als Fußball-Profi wäre es eine Möglichkeit, einmal außerhalb Europas zu spielen, um auch für die Zeit nach der Karriere Erfahrungen mitzunehmen.

Was würde Sie an Asien reizen?

Luthe: Es wäre sicher noch einmal eine ganz andere Sicht auf die Welt. Ich bin ein Freund davon, mich selbst in Situationen zu bringen, die mich fordern und reizen. Ich glaube, das bringt mich als Persönlichkeit weiter. Das will ich aber gar nicht auf Japan beschränken. Im Fußball hast du die Möglichkeit, ganz neue Welten kennenzulernen. Das ist nicht in jedem Job möglich.

Wie sehen Ihre Planungen nach dieser Saison aus?

Luthe: Nachdem der Klassenerhalt nun perfekt ist, werde ich die Gespräche suchen und hoffe, dass wir eine Lösung finden, wie es fußballerisch über 2020 weitergehen kann. Realistisch betrachtet wird es aber schwer, hier beim FCA noch einmal in den Kandidatenkreis der Nummer eins zu kommen.

Also stehen die Zeichen auf Abschied?

Luthe: Das habe ich nicht gesagt.

Lässt sich ein möglicher Wechsel auch mit Ihrem sozialen Projekt „In safe hands“ vereinbaren?

Luthe: Ja, das ist ein gewachsenes Team, das auch ohne mich auskommen kann. Auch hier in Augsburg bin ich optimistisch, dass es über 2019 hinaus weitergeht. Wir bekommen sehr viel Zuspruch.

Vor vier Wochen sah es für den FCA gar nicht gut aus, die Tendenz zeigte steil nach unten. War der Trainerwechsel für Sie notwendig?

Luthe: Schwer zu sagen. Ich glaube, dass Manuel Baum hier sehr gute Arbeit gemacht hat. Im Fußball ist das nicht immer entscheidend. Da muss man sich auch von gewissen Sachen lösen, die man eigentlich für richtig hält. Ich finde, wir haben den Trainerwechsel gut angenommen, uns auf etwas komplett Neues eingelassen. Dafür sind wir in den zwei darauf folgenden Spielen belohnt worden. Das haben wir in einer Phase sehr gut hinbekommen, in der wir es dringend gebraucht haben.

Im April 2013 waren Sie Kapitän beim VfL Bochum, als Ihr damaliger Trainer Karsten Neitzel durch Peter Neururer ersetzt wurde. Sie haben Neururer damals begrüßt mit der Aussage, Sie haben sich gegen einen Trainerwechsel ausgesprochen.

Luthe: Ich war damals Kapitän und überzeugt, dass man in einer unruhigen Phase mit Karsten Neitzel etwas hätte aufbauen können. Das wollte ich dem neuen Trainer direkt sagen, denn intern wusste eh jeder, wie ich denke. Darum habe ich Peter Neururer begrüßt mit den Worten: Ich persönlich war der Meinung, dass wir mit dem alten Trainer hätten weitermachen sollen, aber ich freue mich jetzt, dass Sie hier sind.

Wie haben Sie Martin Schmidt begrüßt?

Luthe: Ganz normal. Ich bin nicht Kapitän des FCA. Ich finde, dass Schmidt eine sehr offene Art hat, die uns in einer schwierigen Phase ein gutes Gefühl gegeben hat. Fußball ist abhängig von Kleinigkeiten. Woran es genau gelegen hat, dass wir danach zwei wichtige Spiele gewonnen haben, kann ich nicht sagen.

Sie sind Kassenwart der Mannschaftskasse, der die Strafen einsammeln muss. Da hatten Sie in dieser Saison viel zu tun.

Luthe: Ich hatte mehr zu tun, als mir lieb war.

Der FCA hat es jahrelang geschafft, vieles intern zu regeln. Warum gelang es in dieser Saison nicht?

Luthe: Weil die Ansprüche gestiegen sind. Das wurde auch von Spielern zum Teil so kommuniziert. Erwartungen sind dann gut, wenn man sie erfüllen kann. Wenn nicht, ist man enttäuschter als vorher. Mir hat es immer gefallen, dass der FCA der kleine Underdog war, das kleine gallische Dorf, das sich gegen alle gewehrt hat. Aus meiner Sicht ist das in einer Phase verloren gegangen, die nicht die richtige war.

Wie meinen Sie das?

Luthe: Ich glaube, dass wir in der Bundesliga immer noch zu den ganz, ganz Kleinen gehören. Und solange dies so ist, sollte man mit den Zielsetzungen ganz vorsichtig sein. Da sind wir ein bisschen auf die Nase gefallen. Nur wenn wir uns darauf besinnen, wer wir sind, und in der Bundesliga um jeden Grashalm kämpfen, sind wir konkurrenzfähig.

Der Mannschaft gelang es lange, auch die schwierigen Charaktere innerhalb des Teams im Zaum zu halten. In dieser Saison nicht. Caiuby und Martin Hinteregger wurden zum Beispiel suspendiert und verliehen. Warum?

Luthe: Meine Meinung ist: In dem Moment, in dem während einer Saison die persönlichen Belange vor der Mannschaft stehen, hast du immer ein Problem. Und als FC Augsburg ein Riesenproblem. Da kannst du als Team nicht mehr viel machen. Das ist bei dem einen oder anderen so gewesen und das war in den vergangenen Jahren nicht so.

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