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FC Augsburg

31.01.2021

Niederlage in Dortmund: Der FCA ist der passende Gegner für den BVB

Bei der Niederlage in Dortmund gibt der FC Augsburg zunächst den aufmüpfigen Widerständler, fügt sich dann aber in die Rolle, die ihm zugedacht ist.
Foto: Martin Meissner, dpa

Plus 3:1 verliert der FC Augsburg in Dortmund. Dabei gibt der FCA zunächst den aufmüpfigen Widerständler, fügt sich dann aber in die Rolle, die ihm zugedacht ist.

Als Michael Zorc um 14.27 Uhr seinen schwarzen Luxus-SUV in der Tiefgarage der Dortmunder Fußballarena abstellt, macht er kein fröhliches Gesicht. Ein Ordner sagt erst freundlich „Hallo“, dann gibt er dem BVB-Sportdirektor noch ein „viel Erfolg“ mit auf den Weg. Zorc sagt „Danke“. Dem 58-Jährigen ist bewusst, welch bedeutsames Bundesligaspiel in einer Stunde angepfiffen wird. Nach drei sieglosen Partien und dem Abrutschen auf Platz sieben sieht er sich einem nervösen Umfeld ausgesetzt, gegen den FC Augsburg muss die Trendwende gelingen. Weil sonst alles in Frage gestellt wird. Trainer Edin Terzic natürlich, aber auch er. Im Sommer 2022 will er seine Tätigkeit beenden und ein bestelltes Feld übergeben.

Drei Stunden später hat Zorc die Gewissheit, dass in dieser Spielzeit trotz ausgewachsener Krise, Trainerwechsel und reichlich Unruhe das Saisonziel Champions-League-Teilnahme noch erreicht werden kann. „Die Art und Weise war überzeugend. Das muss für uns der Weg sein“, betont Zorc.

1:3 in Dortmund: FCA erst aufmüpfig, dann gefügig

Der FCA ist an diesem Nachmittag genau der richtige Gegner, um zurück in die Spur zu finden und den Ansprüchen zu entsprechen. In der ersten Spielhälfte gibt der Gast den aufmüpfigen Widerständler, der gar in Führung geht. In der zweiten Spielhälfte erweist er sich hingegen als gefügig gemacht und ermöglicht einen ungefährdeten 3:1 (1:1)-Erfolg.

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Foto: Ulrich Wagner

Nach der Partie wollten sich die Protagonisten daher nicht groß aufregen über das Geschehene. Die Unterlegenen haderten nur kurz mit der verspielten Führung. Wohl wissend, dass ihnen eine Niederlage in Dortmund keiner übel nehmen werde. Augsburgs Trainer Heiko Herrlich wollte seine Spieler nicht kritisieren, attestierte ihr, Kampf und  Einsatz gezeigt zu haben. „Wir haben alles versucht und alles gegeben. Aber es hat einfach nicht gereicht“, meinte Herrlich und schob hinterher, was jeder beobachtet hatte: „Dortmund war einfach die bessere Mannschaft.“

Die Dramaturgie sah vor, dass die Augsburger früh in Führung gehen sollten. In der vergangenen Spielzeit verhielt es sich ähnlich, damals hatte Florian Niederlechner den Favoriten in Dortmund geschockt. Diesmal übernahm André Hahn den Part. Weil kein Dortmunder im eigenen Strafraum Interesse zeigte, den FCA-Angreifer am Torabschluss zu hindern, schickte er den Ball am fliegenden Marwin Hitz vorbei ins Netz.

FCA-Niederlage: Haaland verschießt vom Elfmeterpunkt

Den Gegentreffer kassierte der BVB unmittelbar vor der Südtribüne, vor Europas größtem Stehblock. Und wer weiß, welche Wut den Stars entgegengeschlagen wäre, hätten sich dort Fans statt schwarzer und gelber Plastiktüten befunden. So konnten die Dortmunder in bedächtiger Stille die Bewältigung ihrer Krise aufnehmen. Die Augsburger wehrten sich mit ihren Möglichkeiten, verrammelten und verdichteten, doch der Deichbau blieb erfolglos. Mit ihren Angriffswellen durchdrangen die Dortmunder die Abwehrreihe ein muss andere Mal.

Hören Sie sich dazu auch unseren Podcast mit Florian Niederlechner von September 2020 an:

Als Augsburgs Verteidiger Iago einen Schuss von Giovanni Reyna mit der Hand blockte, schien die Zeit des Ausgleichs gekommen. Erling Haaland donnerte den Ball vom Elfmeterpunkt aus jedoch ans Gebälk statt durchs Netz. Später bedauerte Augsburgs Kapitän Jeffrey Gouweleeuw zwar, die Führung nicht länger gehalten zu haben. Aber ob das die Erfolgsaussichten wirklich verbessert hätte? Eher fraglich. Sich allein aufs Verteidigen zu verlassen, genügte gegen angestachelte Dortmunder nicht. Nach dem Ausgleich durch Thomas Delaney blieb die Partie im Ergebnis offen, das spielerische Übergewicht sollte sich aber für den FCA in der zweiten Spielhälfte erdrückend auswirken. Als die Augsburger nicht mehr jede Lücke zulaufen und die Dortmunder in Zweikämpfe verwickeln konnten, überrannten sie die Abwehrreihe regelrecht. Jadon Sancho und Haaland enteilten vor den entscheidenden Treffern.

Die Augsburger bemühten sich, die Partie schnell abzuhaken. Die Niederlage schien niemanden überrascht zu haben, der Blick richtete sich bereits auf die Partie gegen den VfL Wolfsburg (Samstag, 15.30 Uhr/Sky). Sogar der sonst so kritische Torhüter Rafal Gikiewicz, der wiederholt prächtig reagiert hatte, zeigt sich diesmal zahm. „Wir gewinnen zusammen und verlieren zusammen. Gegen Wolfsburg werden wir einen neuen Anlauf nehmen.“

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31.01.2021

Der BVB demonstrierte beim Führungstreffer des FCA anschaulich die derzeit oft mangelnde Abstimmung in seinem Abwehrverbund. FCA-Trainer Herrlich verfolgte das aber eher regungslos auf der Bank. Hat er denn die Chance nicht gesehen, mit fortgesetztem Druck nach vorne die Dortmunder davon abzuhalten ihrerseits mit Mann und Maus den FCA unter Druck zu setzen? Mein Eindruck war, daß er starrsinnig an seiner Bollwerktaktik festhalten wollte. OK, gegen ein Union Berlin kann dies Beton-Taktik funktionieren, aber gegen die flinken Dortmunder Topspieler war das doch von vorneherein zum Scheitern verurteilt. Klar, in Dortmund kann man nicht unbedingt einen FCA-Sieg erwarten. Aber, bedingt durch die Taktik von Herrlich, sich auch nach einer Führung nur noch ganz hinten reinzustellen und die Bälle auf Verdacht nach vorne zu bolzen, zeugt nicht gerade von einem unbedingten Siegeswillen aller auf der Bank sitzenden Verantwortlichen. Und das färbte wohl leider auch auf die Mentalität der Mannschaft ab.

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