Alexis Claude-Maurice humpelte aus der Hoteltür, stützte sich dabei auf zwei kleine Koffer. Um kurz nach neun Uhr marschierten die Spieler des FC Augsburg am Samstagmorgen zu den Mannschaftsbussen, es ging nach Ende des Trainingslagers zurück in die Heimat. Claude-Maurice, der Spielmacher des Augsburger Teams, schaute gequält. Das war wohl weniger die Folge des Mannschaftsabends am Freitag in Linz nach den beiden Testspielen gegen Crystal Palace. Ihm schmerzte vielmehr der Fuß. „Wir müssen die Untersuchungen abwarten“, sagte er und ging weiter zum Bus. Auch das Einsteigen fiel ihm schwer.
Im ersten Testspiel am Freitagabend gegen Crystal Palace war er zu Beginn der zweiten Halbzeit rüde gefoult worden. Einen Schlag oberhalb des Knöchels hatte er abbekommen, der Muskel habe in der Folge zugemacht, lautete die erste Diagnose. Unmittelbar nach Spielschluss bestätigte Sandro Wagner das. „Es ist nichts Schlimmes“, sagte der Augsburger Trainer. Fügte aber hinzu, dass man die genaue Diagnose noch abwarten müsse. Die wird in Augsburg am Montag durch eine MRT-Untersuchung folgen. Womöglich wird Claude-Maurice in den anstehenden Testspielen am Freitag gegen Pisa und am Samstag im Rahmen des Familientages gegen Sunderland fehlen.
Die Augsburger hatten in Kollerschlag intensiv trainiert. Wagner hatte viel taktisch üben lassen, weshalb nicht jede Einheit öffentlich war. In Summe hatten ihm die Tage in Österreich gefallen. Auch Benjamin Weber war zufrieden. „Im Vergleich zu anderen Vereinen hatten wir noch Glück mit dem Wetter. Wir konnten immer trainieren. Es war eine sehr gelungene Woche“, sagte der Sportdirektor – zumindest, falls sich am Freitag niemand mehr verletze. Diese Hoffnung erfüllte sich nicht.
Gegen Crystal Palace fehlt dem FCA die Frische
Die meisten Spieler hatten am Samstagmorgen eine kurze Nacht hinter sich. Nach den beiden Testpartien (1:3, 1:0) gegen Crystal Palace waren sie noch gemeinsam zum Mannschaftsabend nach Linz aufgebrochen. Ohne Trainerteam. Auch Han-Noah Massengo fehlte, der aus privaten Gründen früher nach Augsburg zurückfahren musste.
Vor allem im ersten Spiel am Freitag zeigte sich, dass der FCA in Kollerschlag intensiv trainiert hatte. Die Spieler waren in vielen Situationen nicht so frisch, wie es das in einer Partie gegen einen Gegner wie Crystal Palace braucht. Wagner habe ihnen versprochen, dass das „das letzte Spiel war, in das wir nicht mit einer Frische reingehen“. Bis Dienstagnachmittag haben die Spieler jetzt frei.
Rundum zufrieden war Wagner mit den Partien am Freitag nicht. „Ihr kennt mich jetzt ein bisschen“, sagte er zu den Journalisten, „zufrieden bin ich nie.“ Vor allem die zwei Gegentore nach Standardsituationen ärgerten ihn. „Es war nicht gut, es war nicht schlecht, es war okay“, fasste er die Partien gegen den FA-Cup-Sieger zusammen.
Vor allem in den ersten 20 Minuten war zu erkennen, was Wagner plant. Seine Mannschaft griff früh an, die Verteidiger rückten weit nach vorne. Das Pressing passte, auch spielerisch hochwertige Ansätze waren zu erkennen. In Führung aber gingen die Engländer durch einen simplen Freistoßtrick. „Der hat uns ein bisschen rausgebracht. Und dann müssen wir noch üben, dass wir danach klar bleiben. Dass es nicht schlimm ist, in Rückstand zu geraten“, sagte Wagner.
Glasner erkennt klare Abläufe im FCA-Spiel
Die Arbeit wird dem Trainer bis zum Saisonbeginn in zwei Wochen im Pokal in Halle nicht ausgehen. „Man hat auch heute gemerkt, dass du gegen so ein abgezocktes Team klarer sein musst in den Strukturen. Und du musst natürlich frisch sein. Das heißt, da nehme ich ein bisschen was auf meine Kappe – oder viel, da werde ich auch keine Kritik üben“, sagte er. Wagner betonte aber auch: „Es ist okay, dass nicht alles funktioniert, weil es keine dramatischen Sachen sind.“
Oliver Glasner, der Trainer von Crystal Palace, hatte jedenfalls klare Abläufe im Augsburger Spiel erkannt. „Sie wollen dich locken, um selbst schnell nach vorne zu kommen. Und sie integrieren den Torhüter im Spielaufbau, da hat Sandro was von Julian Nagelsmann mitgenommen“, sagte Glasner. Von Wagners Zeit als Co-Trainer der deutschen Nationalmannschaft also.
Wagner wollte zwar nicht von einer A- und B-Elf in den beiden Partien sprechen, vieles aber deutet darauf hin, dass die Mannschaft aus Spiel eins der möglichen Startelf in den ersten Pflichtspielen nahekommen könnte. Vor allem Massengo zeigte im defensiven Mittelfeld seine Fähigkeiten, im Verbund mit Kristijan Jakic könnte der Neuzugang ein überzeugendes Duo auf der sogenannten „Sechs“ bilden. Jetzt stellt sich allerdings die Frage, wie lange Claude-Maurice tatsächlich ausfällt.
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