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FC Bayern
07.05.2021

Javi Martinez: Der Schlawiner, der zur Legende wurde

Bitte geh nicht! Joshua Kimmich mag Javi Martínez nicht loslassen. Doch nach dieser Saison ist Schluss für den 32-Jährigen beim FC Bayern.
Foto: Sebastian El-Saqqa, Witters

Beinahe unbemerkt hat Javi Martínez seinen Abschied verkündet. Dabei wären ohne den Spanier mit Hang zur Schlawinerei einige Triumphe nicht möglich gewesen.

Das war früher viel Geld. Ein Satz, dem großelterliche Erfahrung inne liegt. Als 100.000 Mark für ein Reihenhaus noch viel Geld war. Oder der Lutscher 5 Pfennig kostete – also das komplette Taschengeld. Nun sind 40 Millionen Euro auch heute viel Geld. Dort, wo erwerbsmäßig Fußball gespielt wird, stellt die Summe aber keine Seltenheit dar. Vor neun Jahren aber, da galt selbst den Festgeldbayern der Betrag als obszön. Jupp Heynckes hatte es sich aber nun mal in den Kopf gesetzt. Diesen einen Spieler wollte er und sonst keinen. Javi oder nix, praktisch.

Die Münchner hatten im Sommer 2012 einige schmerzhafte Niederlagen erlitten. In der Liga kamen sie nicht an den Dortmundern vorbei, die sie zudem auch noch mit einem 5:2 im Pokalendspiel demütigten. Und dann war ja noch dieses Spiel, dessen Erwähnung allein in München immer noch erschreckte Gesichter hinterlässt. Das Finale Dahoam gilt dem FC Bayern als schmerzhafteste Niederlage der Vereinsgeschichte. Da wollten die Bosse mal nicht so sein. Klar, mit Christian Nerlinger musste zumindest ein Verantwortlicher gehen, aber Heynckes warfen sie nichts vor (wie es auch schwerfällt, Nerlinger Schuld an der Urgewalt Drogbas und verschossenen Elfmetern zuzuschreiben).

40 Millionen für Javi Martinez: Was soll das?

Sie brachten also jene 40 Millionen Euro auf, die Athletic Bilbao gemäß der Ausstiegsklausel zu erhalten hatte und nicht wenige Fans wunderten sich, was die Münchner denn nun mit diesem großgewachsenen Defensivspieler wollen. Erstes Spiel, erster Ballkontakt. An seinem 24. Geburtstag war er für Bastian Schweinsteiger eingewechselt worden, da stand es schon 6:1 gegen den VfB Stuttgart. Drei Sekunden auf dem Feld, Ballannahme, 30 Meter Flugball auf Thomas Müller, ein Raunen ging durchs Stadion. Um Sicherheit zu gewinnen, werden die ersten Pässe gerne einfach gehalten. Martínez hatte davon offenbar noch nichts gehört. Thomas Müller bezeichnete Martínez in späteren Jahren mal als Schlawiner. Eine Ehrenbezeichnung, die als letzter ausländischer Spieler Claudio Pizarro trug.

Claudi Pizarro ist der Prototyp des Schlawiners.
Foto: FC Bayern München

Martínez hat sich im Münchner Nachtleben einen ähnlichen Status wie der Peruaner erarbeitet – wer sich im Münchner Nachtleben auskennt, weiß, dass das nicht nur Spaß ist. Martínez aber hat es nicht zur Legende gebracht, weil er einen feinen Ball auf Müller spielte und an der Bar zu überzeugen wusste. Ohne Martínez hätten die Bayern 2013 nicht das Triple gewonnen. Der Spanier gab der Mannschaft mit seiner baskisch-bajuwarischen Wurstigkeit Halt, als die Lahms, Schweinsteigers und Robbens im Finale verängstigt über den Londoner Rasen geisterten. Martínez war es auch, der mit seinem Tor im Supercup-Finale 2013 gegen den FC Chelsea so etwas Ähnliches wie eine Revanche ermöglichte. Sieben Jahre später war es wieder Martínez, der mit seinem Tor in der Verlängerung gegen den FC Sevilla den Triumph wiederholte.

Der Abgang von Martinez sorgt nicht für Verwunderung

Da zählte er schon längst nur noch zu den Ergänzungsspielern. Vor wenigen Tagen gaben Martínez und der FC Bayern bekannt, dass sie die erfolgreiche Zusammenarbeit nicht mehr fortsetzen wollen. Das kommt nicht überraschend. Während die Münchner um den Verbleib David Alabas kämpften und es um Jérôme Boateng zumindest diplomatische Verwicklungen auf der Führungsetage gab, sorgte die Vertragssituation des Spaniers nicht für Kontroversen.

Hansi Flick aber betonte ausdrücklich, dass die Mannschaft in den letzten drei Spielen der Saison drei verdiente Spieler gebührend verabschieden will. Martínez ist einer von ihnen. Seit er 2012 nach München gewechselt ist, hat er in jedem Jahr die Meisterschaft gewonnen. Bezwingen die Münchner am Samstag Borussia Mönchengladbach (18.30 Uhr), ist der 32-Jährige neunfacher deutscher Meister. Und wären ihm nicht allzu oft Sehnen, Muskeln und Gelenke in die Quere gekommen, hätte er der Mannschaft möglicherweise zu mehr als jenen zwei Triumphen in der Champions League verhelfen können, die er errang.

Über die Investition von 40 Millionen Euro wundert sich heute niemand mehr. Auch weil der damalige Rekordtransfer derart gelang, wird kaum noch die Nase gerümpft, wenn die Münchner über 80 Millionen Euro für Lucas Hernández zahlen. Martínez wird noch drei Mal im Kader der Münchner stehen. Er wird kein Raunen mehr von den Rängen hören. Bei seinem Abschied aber wären es ohnehin eher Seufzer des Bedauerns gewesen.

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