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22.07.2010

Nach WM: Deutsche Referees sollen durchgreifen

Nach WM: Deutsche Referees sollen durchgreifen
Bild: DPA

Frankfurt/Main (dpa) - Die deutschen Referees sollen nach den teilweise verheerenden Schiedsrichter-Leistungen bei der Fußball- Weltmeisterschaft hart durchgreifen.

"Bei Attacken mit offener Sohle in die Beine des Gegenspielers kann es nur Rot geben", sagte Herbert Fandel, der Chef der neuen Schiedsrichter-Kommission im Deutschen Fußball-Bund (DFB), vor dem viertägigen Lehrgang der 40 Erstliga- und Zweitliga-Unparteiischen am Wochenende in Altensteig-Wart (Schwarzwald). Dort sollen auch Szenen aus Südafrika aufgearbeitet werden.

Fandel spielte damit auch auf die Kung-Fu-Einlage von Hollands Nigel de Jong vom Finale in Johannesburg gegen Spaniens Xabi Alonso an, die nur mit Gelb bestraft worden war. Fandel will aber keine Rot-Orgie: "Wenn es um den Ball geht, habe ich nichts gegen hart geführte Zweikämpfe."

Bei der WM setzte es für die Spielleiter lautstarke Kritik aus aller Welt, die Gründe der Fehlentscheidungen sind selbst für Experten wie Fandel schwer zu erkennen. "Es gibt keine klaren Erkenntnisse von der WM, das Bild ist sehr diffus", sagte der 46- Jährige aus Kyllburg der Nachrichtenagentur dpa. Möglicherweise kann Wolfgang Stark Licht in die Sache bringen: Der Bankkaufmann aus Ergolding war der einzige deutsche Unparteiische bei der WM - und pfiff seine drei Spiele souverän. Er wird bei der Tagung von seinen Erfahrungen berichten.

Nach WM: Deutsche Referees sollen durchgreifen

Der neue Lehrwart Lutz Wagner und DFB-Abteilungsleiter Lutz Michael Fröhlich werden den deutschen Spitzenreferees sowohl Spielszenen von aus WM als auch aus der vergangenen Bundesliga-Saison vorspielen. Ein weiterer Schwerpunkt: Körpersprache und Außenwirkung. "Diese haben einen enormen Anteil an der Akzeptanz eines Schiedsrichters", erklärte Fandel. "Wir sind uns einig, dass wir die Schiedsrichter in ihrer Persönlichkeit stärken müssen."

Damit will der Nachfolger von Schiedsrichter-Chef Volker Roth auch vermeiden, "dass vorschnell und inflationär Gelbe Karten gezogen werden". Auch da dient das WM-Finale als Fallbeispiel: Der Engländer Howard Webb zeigte bei Spaniens 1:0-Sieg nach Verlängerung zwar zwölf Mal Gelb (und einmal Gelb-Rot), bekam die Partie aber nie in den Griff.

Bei der Diskussion um technische Hilfsmittel haben die deutschen Spielleiter wenig begeistert auf die Nachricht reagiert, dass der Weltverband FIFA erst einmal den Test mit den Torrichtern in der Champions League verlängert. "Wir haben unsere Skepsis dazu schon geäußert. Zwei zusätzliche Schiedsrichter-Assistenten wird es in Deutschland zunächst nicht geben, weil es unserer Überzeugung nach der falsche Weg ist." Über technische Hilfsmittel für Schiedsrichter wie Chip im Ball oder Videobeweis wollen die Regelhüter des International Football Association Board (IFAB) erst im Oktober diskutieren.

Kein Thema mehr wird beim Treffen der deutschen Unparteiischen die Affäre Manfred Amerell/Michael Kempter sein. "Ich wüsste nicht wieso. Wir betrachten das als Einzelfall und schauen in die Zukunft", sagte Fandel. Kempter hatte im Januar einen Schiedsrichter-Skandal ausgelöst, als er den langjährigen Funktionär und persönlichen Förderer Amerell der sexuellen Nötigung bezichtigte. Der langjährige DFB-Funktionär und Schiedsrichter-Sprecher, der alle Vorwürfe bestritt, trat daraufhin von seinen Ämtern zurück. Kempter gehört nicht mehr zum Kreis der Elite-Referees, er soll künftig in der 3. Liga pfeifen.

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